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Zwei Jungen bringen Trinkwasser zu ihrem Zuhause in Kabul Zwei Jungen bringen Trinkwasser zu ihrem Zuhause in Kabul  (ANSA)

Human Rights Watch: Afghanisches Gesundheitssystem desaströs

Die medizinische Lage in Afghanistan ist besonders für Frauen seit der Machteroberung der Taliban verheerend, so ein Bericht von Human Rights Watch, der an diesem Montag vorgestellt wurde. Zu dem Terror der Machthaber kommt mit dem weitgehenden Ende der westlichen Hilfsgüter auch eine katastrophale Versorgungslage.

Mehr als 28 Millionen Menschen, und somit fast zwei Drittel der afghanischen Bevölkerung, waren nach Angaben von Human Rights Watch im vergangenen Jahr auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Dies ist eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt“, so die Organisation. Laut UN-Angaben waren Mitte 2023 vier Millionen Afghanen akut unterernährt, darunter 3,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Gründe dafür seien vor allem eine langjährige Dürre sowie das weitgehende Ausbleiben der ausländischen Hilfsgelder seit 2021. Viele Hilfsorganisationen hatten seit dem erneuten Machtantritt der Taliban die Zahlungen an das zentralasiatische Land massiv eingeschränkt. Die Wirtschaft des Landes stehe kurz vor dem Zusammenbruch.

Das habe massive Auswirkungen auf das afghanische Gesundheitssystem, das schon vor 2021 größtenteils auf internationale Geldgeber angewiesen war. Die Taliban haben vor allem Frauen den Zugang zu einer geregelten Arbeit, auch im medizinischen Bereich, größtenteils verwehrt; Millionen Menschen sind arbeitslos und können sich keine Medikamente leisten. Das Land hat laut WHO eine der höchsten Müttersterblichkeiten der Welt. Das spärliche medizinische Personal darf teilweise Frauen nicht ohne Begleitung eines Vormundes behandeln.

Medizinisches Personal verlässt das Land

Wie die Forscherin Fereshta Abbasi in ihrem Bericht „Eine Katastrophe in absehbarer Zeit: Afghanistans Gesundheitskrise“ darlegt, habe die Wirtschaftskrise zu extremer Armut geführt; die Gefahr von Seuchen steige. Nachdem sich Geldgeber wie die Weltbank aus der Finanzierung des Systems zurückgezogen hätten, seien Wirtschaft und Gesundheitssystem von einem tiefen Schock getroffen worden. Zudem hätte medizinisches Personal in Scharen das Land verlassen. Die Taliban hingegen untersagen die Ausbildung von Ärztinnen und Krankenschwestern. Nur diese könnten aber weibliche Patienten untersuchen. Kleinere Hilfsorganisationen könnten die Verluste nicht ausgleichen, so der Bericht.

Aufgrund des jahrzehntelangen Konflikts und der schlechten Gesundheitsversorgung von Müttern gibt es in Afghanistan eine der größten Populationen von Menschen mit Behinderungen in der Welt. Auch hier waren viele NGOs aktiv, die sich nun aus der Versorgung zurückgezogen haben. Zudem waren die NGOs große Arbeitgeber, die nun nicht mehr zur Verfügung stünden. Die Taliban verfolgen zudem ehemalige Angestellte der Vorgängerregierung und stellen nur wenige Mittel für die öffentliche Gesundheit zur Verfügung.

UN bestimmen Sondergesandten

Am kommenden Montag treffen sich die Sondergesandten mehrerer Länder zu einer Konferenz in Katar, um über den Umgang mit dem Taliban-Regime zu beraten und einen Sondergesandten der UN zu bestimmen. Die Taliban lehnen eines solchen Sondergesandten ab. Sie würde jedoch ein „sinnvolle Teilnahme“ an einem kommenden internationalen Treffen in Erwägung ziehen. Human Rights Watch hat die Gesandten dazu aufgerufen, die Menschenrechtsverletzungen der Taliban klar zu benennen, sowie Ressourcen für das Gesundheitssystem sowie grundlegende Dienstleistungen wie Banken, Wasserversorgung und Elektrizität zur Verfügung zu stellen.

(human rights watch/kna – ww) 

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12. Februar 2024, 15:30