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Sicherheitskräfte sichern den Tatort eines Mordes an einem Bürgermeisterkandidaten in Mexiko Sicherheitskräfte sichern den Tatort eines Mordes an einem Bürgermeisterkandidaten in Mexiko 

Mexiko: Kirchen wollen weiter mit Drogenbossen verhandeln

Bischöfe, die mit Drogenkartellen über Frieden verhandeln: Mexikanische Geistliche gehen oft ungewöhnliche Wege. Trotz des Scheiterns der Verhandlungen im Februar wollen die Bischöfe weiterhin für Gespräche offen sein.

Mitte Februar hatten vier mexikanische Bischöfe aus dem südlichen Bundesstaat Guerreo – Bischof José de Jesús Gonzáles von Chilpacingo-Chilapa, Erzbischof Leopoldo González von Acapulco, Bischof Dagoberto Sosa von Tlapa und Bischof Joel Ocampo von Ciudad Altamirano – bekannt gemacht, dass sie sich mit Vertretern der beiden größten Gangs in Guerrero –  Los Tlacos und La Familia Michoacana – getroffen hätten, um über einen möglichen Frieden zwischen den beiden rivalisierenden Banden zu verhandeln.

Wie die Agentur „Ucanews" am Donnerstag meldet, seien diese Gespräche zwar gescheitert, aber immerhin würden die Banden nun weniger Anschläge auf öffentliche Verkehrsmittel unternehmen. An dieser Übereinkunft seien die Kirchen aber nicht direkt beteiligt gewesen, so José Filiberto Velázquez, der mit den Gesprächen vertraut ist: „Vielleicht hatte das, was wir getan haben, einen Einfluss, aber sie waren es, die entschieden“.  Dennoch ist die öffentliche Aufmerksamkeit angesichts der Gespräche groß. Mexikos Präsident, André Manuel López Obrador, lobte den Einsatz der Kirchen auf einer Pressekonferenz Mitte des Monats.

Pirester verhandeln oft mit Banden

Dass Geistliche als Vermittler und Mediatoren zwischen verfeindeten Gruppen agieren, ist in Lateinamerika nicht unüblich. „Jeder ist gerufen. Manche kommen, andere nicht. Aber die kommen, sind willkommen. Und vor allem in den Gebieten, wo es besonders gewalttätig zugeht, können Priester die Täter zur Umkehr aufrufen und nach Wegen zum Frieden suchen“, so Weihbischof Máximo Martinez von Toluca gegenüber Reportern.

Dennoch habe der jetzige Fall eine neue Dimension. „Diese vier Bischöfe sind zu den Drogenbossen gegangen, weil es keinen Staat gibt, der für Ruhe und Frieden sorgen kann“, so ein Beobachter der Verhandlungen. Und Bischof Gonzáles ergänzt: „Es scheint, dass die Regierung uns allein gelassen hat.“ Trotz der Anerkennung durch den Präsidenten.

Blutiger Beginn der Wahlkampagnen

Andere Kirchenvertreter sind skeptischer. Viele wurden durch die Berichte über die Verhandlungen überrascht. Der Erzbischof von Morelia, Carlos Garfias, teilte mit, er glaube nicht, dass momentan die „Bedingungen für Dialog oder Mediation“ vorhanden seien. „Man muss das Ziel des Dialogs klar benennen", so Garfias. „Wir haben keine angemessene Koordination zwischen der Kirche, den Behörden und der Zivilgesellschaft. Wenn wir eine Beziehung und eine flüssige Kommunikation zwischen uns haben, werden wir in der Lage sein, einen Dialog mit kriminellen Gruppen zu suchen.“ Die Skepsis kommt auch von den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Mexiko, deren Kampagne am 1. März beginnt. Die Drogenkartelle würden auch über die lokalen Kandidaten Macht ausüben. Bisher wurden schon fast ein Dutzend Menschen ermordet, die für die Kampagnen arbeiteten.

Auch der Alterzbischof von Chilpacingo-Chilapa, Bischof Salvador Rangel, gibt an, er habe auch in seiner Zeit des Öfteren mit Drogenkartellen verhandelt, vor allem um Entführungsopfer freizubekommen und Angriffe auf Busse zu unterbinden. Doch die Szene verändere sich. Neue synthetische Drogen wie Fethanyl brächten die Kartelle dazu, noch mehr Schutzgeld abzupressen. Zudem profitierten die Gangster von der aktuellen Drogenstrategie des Präsidenten, die auf einen entgegenkommenden Ansatz abzielt. Auch die an den Gesprächen beteiligten Kleriker rufen die Politik zu entschiedenem Handeln auf: „Wir fordern unsere Politiker auf, jede Haltung der Gleichgültigkeit gegenüber denjenigen zu überwinden, die sie zum Regieren gewählt haben, und sich nicht von denen übertreffen zu lassen, die versuchen, den Geist, das wirtschaftliche Leben und die Zukunft unserer Gemeinden zu übernehmen,“ so die Bischöfe in einem Statement auf der Plattform X. Pater José Filiberto Velazquez wird deutlicher: Der Dienst in Guerrero fühle sich an, als sei er ein „Kriegskaplan“.   

(ucanews – ww)

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29. Februar 2024, 10:53