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Ein Obdachloser an einer Straßenecke Ein Obdachloser an einer Straßenecke  (2017 Getty Images)

Australien: Bischöfe rufen zu Kooperation gegen Krise auf

Angesichts der dramatischen Teuerungsrate im Land haben die Bischöfe die Regierung und die Gesellschaft dazu aufgerufen, über Statistiken hinauszublicken und die „menschlichen Schicksale hinter der Krise“ zu sehen.

Kielce Gussie und Mario Galgano - Vatikanstadt

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Erzbischof Timothy Costelloe, beschrieb das Dokument als eine Einladung, „tief über die Herausforderungen nachzudenken, vor denen unsere Nation steht, und mit Glauben, Hoffnung und Liebe zu antworten“. Viele Menschen im ganzen Land kämpften derzeit mit den rasant steigenden Lebenshaltungskosten. „Für einige bedeutet das, Mahlzeiten auszulassen, medizinische Behandlungen zu verschieben oder ohne sicheren Wohnraum zu leben“, so der Erzbischof.

Ein wohlhabendes Land in der Not

Auch Bischof Timothy James Harris aus Townsville (Queensland) betonte die Dringlichkeit der Lage. In einem reichen Land wie Australien sei es „unbegreiflich“, dass so viele Menschen unter Härtefallen leiden müssten. Die Erklärung stütze sich auf Forschungsergebnisse und nationale Daten, die zeigten, dass besonders Geringverdiener, Familien mit Kindern, indigene Gemeinschaften (First Nations), Flüchtlinge und ältere Menschen betroffen seien.

„Viele von uns sehen keinen Ausweg aus der Krise der Lebenshaltungskosten. Das muss sich ändern.“

„Viele von uns sehen keinen Ausweg aus der Krise der Lebenshaltungskosten. Das muss sich ändern“, forderte Harris. Australien müsse lernen, „wieder zu hoffen“. Die Kirche rufe dazu auf, „Propheten der Hoffnung“ zu werden – nicht nur durch Worte, sondern durch Taten.

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Mehr als nur Statistik: Die Realität der Haushalte

Die Bischöfe warnen davor, die Betroffenen als reine Zahlen wahrzunehmen. Eine junge Frau aus New South Wales berichtete im Rahmen der Erhebung, dass sie Mahlzeiten auslasse, damit ihre Tochter und ihre Haustiere genug zu essen hätten. Ihre Stromrechnungen habe sie seit über zwei Jahren nicht mehr bezahlen können.

Eine Studie aus dem Jahr 2024 untermauert diese Einzelschicksale: Über 70 Prozent der Erwerbstätigen und Sozialhilfeempfänger gaben an, dass die Preise schneller gestiegen seien als ihre Einkommen. Im Jahr 2025 berichtete bereits jeder dritte australische Haushalt von Ernährungsunsicherheit. In entlegenen Regionen sind Grundnahrungsmittel oft doppelt so teuer wie in den Großstädten.

Die Prinzipien der Soziallehre als Wegweiser

Das Dokument stützt sich auf die Tradition der katholischen Soziallehre und hebt vier zentrale Prinzipien hervor. Zunächst gehe es um die Würde jeder Person. Jeder Mensch sei nach Gottes Ebenbild geschaffen und von unschätzbarem Wert, erinnern die Bischöfe. Dann gehe es um das Gemeinwohl. Systeme müssten so gestaltet sein, dass alle gedeihen können. Weiter betrifft es die Solidarität und Subsidiarität. Verantwortung müsse auf allen Ebenen getragen werden. Und schliesslich gelte die vorrangige Option für die Armen. Der Blick müsse zuerst auf jene fallen, die am Rande stünden.

Ein Appell an alle Ebenen der Gesellschaft

Die Bischöfe stellen klar, dass die Bewältigung der Krise nicht allein karitativen Organisationen überlassen werden kann. Zwar leisten katholische Einrichtungen bereits enorme Arbeit – etwa die St. Vincent de Paul Society, die jährlich 50 Millionen Australische Dollar (etwa 30 Millionen Euro) an Soforthilfe bereitstellt –, doch sei die gesamte Gesellschaft gefragt.

Regierungen, Unternehmen und Einzelpersonen müssten ihren Teil beitragen. Dies reiche vom ehrenamtlichen Engagement bis hin zum politischen Einsatz für fairere Gesetze und bezahlbaren Wohnraum. Ziel müsse es sein, eine „mitfühlendere, widerstandsfähigere und gerechtere Nation aufzubauen, in der alle in Würde leben können“.

(vatican news)

 

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10. Februar 2026, 10:41