Bethlehem: „Ein sehr starkes Zeichen der Hoffnung“
Die Arbeiten an der Geburtsgrotte, dem Ort der Geburt Jesu, beginnen in Kürze. Für Frédéric Masson, syrisch-katholischer Pfarrer von Bethlehem, ist das Projekt weit mehr als eine bauliche Maßnahme. „Es ist vor allem ein sehr starkes Zeichen der Hoffnung“, sagte Masson. Die größte Gefahr für die Menschen in Palästina bestehe darin, „keine Zukunft zu haben“, so der Priester wenige Monate nach Beginn des fragilen Waffenstillstands in Gaza.
Masson zufolge erleben viele christliche Palästinenser eine Situation, in der ihre Zukunft bewusst blockiert werde. „Sie fühlen sich ein wenig gefangen, nicht nur physisch, wegen der Trennmauer, sondern sie fühlen sich auch in der Zeit gefangen, da sie nicht mehr wirklich in der Lage sind, sich eine Zukunft vorzustellen. Diese Zukunftsvision wird durch die extremistische politische und religiöse Realität untergraben, die derzeit in der Region herrscht.“
Vor diesem Hintergrund gewinne die Restaurierung der Geburtsgrotte eine besondere Bedeutung, hebt der Priester hervor. Sie sei ein Zeichen dafür, dass Christen langfristig blieben und handelten. „Unsere heiligen Stätten sind wichtig, wir restaurieren sie, weil wir da sind, um sie zu nutzen. Wir beten“, sagte Masson. Das stärke sichtbar die christliche Präsenz im Heiligen Land.
Die Arbeiten betreffen sämtliche Bereiche der Grotte, darunter den nackten Fels, Marmorböden, Säulen, Verzierungen, Mosaiken, den Altar sowie den im Boden eingelassenen silbernen Stern, der den Ort der Geburt Jesu markiert und das Markenzeichen der Geburtskirche in Bethlehem ist. Die Kustodie des Heiligen Landes, das griechisch-orthodoxe Patriarchat und das armenisch-orthodoxe Patriarchat kündigten das Projekt gemeinsam an. Eine italienische Firma führt die Restaurierung unter der Schirmherrschaft des Staates Palästina durch.
Masson sieht darin auch eine Einladung an die Christen vor Ort, in ihrer Heimat zu bleiben. Er verwies auf eine historische Überlieferung aus der Zeit der persischen Eroberungen. Damals sei die Geburtsbasilika verschont worden, weil sich die Eroberer in den Mosaiken der Heiligen Drei Könige wiedererkannt hätten. „Sie ehrten die Erinnerung dieses Ortes“, sagte Masson. Diese Geschichte habe bis heute Aussagekraft. „Angesichts aller Widrigkeiten der Welt gibt es eine Kraft des Lebens, die demütig, einfach und verletzlich ist“, erklärte der Pfarrer. Diese Kraft widerspreche der Logik von Macht und Stärke und könne Christen davor bewahren, „in die Verzweiflung zu fallen“.
Auch die ökumenische Zusammenarbeit rund um die Geburtsgrotte wertete Masson als gelebtes Zeichen. Der bestehende Status quo beruhe auf einer klaren räumlich-zeitlichen Aufteilung zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen in der Nutzung der Geburtskirche. „Es ist ein Status quo, der aufgrund der politischen Situation unantastbar ist“, so der Pfarrer. Das habe Nachteile, aber auch Vorteile – vor allem den, dass man sich denselben Ort teile. „Es ist wie das Leben im selben Haus, also am selben Ort zu beten, zwischen verschiedenen Kirchen unterschiedlicher Traditionen. Das sind Begegnungspunkte, Orte der Vermischung und des Teilens. Das ist gelebte Ökumene. Dieses tägliche Miteinander erlaubt es, einander kennenzulernen und den Reichtum der Tradition des anderen zu entdecken.“
(vatican news – gs)
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