Ein Flüchtlingsboot aus Senegal mit 85 Migranten an Bord vor den Kanarischen Inseln Ein Flüchtlingsboot aus Senegal mit 85 Migranten an Bord vor den Kanarischen Inseln  (AFP or licensors)

Burkina Faso: Wie Krisen den Menschenhandel befeuern

Anlässlich des Weltgebetstages gegen den Menschenhandel am 8. Februar haben Experten vor der zunehmenden Gefahr für junge Menschen in Burkina Faso gewarnt. Der Soziologe Roger Dayamba vom panafrikanischen Netzwerk PACTPAN analysiert im Gespräch mit den Vatikan-Medien die gefährliche Verflechtung von Sicherheitskrisen, familiärem Druck und den skrupellosen Methoden der Schlepperbanden.

Jean-Paul Kamba, SJ und Mario Galgano - Vatikanstadt

Der Welttag, der 2015 von Papst Franziskus eingeführt wurde und am Gedenktag der heiligen Josephine Bakhita begangen wird, steht in diesem Jahr unter dem Leitmotiv: „Frieden beginnt mit Würde: Ein weltweiter Aufruf zur Beendigung des Menschenhandels“. Für Roger Dayamba ist dies mehr als ein moralischer Appell. In Burkina Faso sei die Frage der Migration längst zu einer Überlebensfrage geworden, bei der die Grenze zwischen freiwilliger Mobilität und krimineller Ausbeutung zunehmend verschwimmt.

Zum Nachhören - die Lage in Burkina Faso

Migration als „Ritus des Erfolgs“

In der kollektiven Vorstellung in Burkina Faso gilt das Verlassen der Heimat oft als Synonym für sozialen Aufstieg. „Wegzugehen kann als Zeichen für offensichtlichen Erfolg gewertet werden. Es wird als soziale Pflicht wahrgenommen, und die Familien erwarten viel von den jungen Menschen“, erklärt Dayamba.

Dieser Erwartungsdruck macht Jugendliche jedoch anfällig für Raubtiere. Die Familie spielt dabei eine ambivalente Rolle: Sie ist einerseits das „Sicherheitsnetz“, andererseits aber oft der unbewusste Motor, der junge Menschen um jeden Preis ins Exil treibt.

Neue Routen durch Instabilität

Die prekäre Sicherheitslage im Land hat die Fluchtwege grundlegend verändert. Da klassische Achsen blockiert oder überwacht sind, weichen die Menschen auf längere, entlegene Pfade aus. „Dort treffen sie leicht auf Menschenhändler-Gruppen, die bereits auf sie warten. Für die Gierigen ist das eine Gelegenheit“, so der Soziologe.

Zwar lobt Dayamba die Arbeit der burkinischen Sicherheitskräfte, die vermehrt Netzwerke zerschlagen, doch der Kampf müsse vor allem an der Informationsfront geführt werden. PACTPAN setzt hierbei auf eine „Pastoral der Nähe“, die bereits in den Schulen ansetzt, um Kindern zu vermitteln: „Der Platz eines Kindes ist in der Schule, nicht anderswo.“

Ein globales Bündnis gegen die Schande

Am vergangenen Wochenende mobilisierte sich das Netzwerk PACTPAN weltweit. Im Rahmen einer großen interafrikanischen Konferenz am Samstag und eines Online-Gebetspilgerwegs am Freitag vernetzten sich Teilnehmer aus Afrika, Europa, Amerika, Asien und Australien.

Auch Kardinal Michael Czerny, Präfekt des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, beteiligte sich an den Reflexionen über die menschliche Würde. Das Ziel des Netzwerks bleibt ehrgeizig: Die Ausrottung des modernen Sklavenhandels auf dem afrikanischen Kontinent bis zum Jahr 2030. Für die Opfer, die oft unter Stigmatisierung und Scham leiden, fordert Dayamba „wahre Solidarität und Begleitung“.

(vatican news)

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09. Februar 2026, 13:16