Gallagher in Estland: Frieden kann Wirklichkeit werden
Die Welt erlebe eine Zeit, in der der Friede „mehr denn je bedroht und verwundet“ sei – nicht zuletzt durch den Krieg in der Ukraine und einen „dritten Weltkrieg in Stücken“, sagte Gallagher in Estland, das an Russland grenzt. Zugleich könne Gott „Nationen aus der Asche des Hasses wiederaufbauen“.
Gallagher, Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten und internationalen Organisationen, nahm am 20. und 21. Februar in Tallinn an einer Tagung über den 2025 seliggesprochenen Jesuiten teil. Der deutschstämmige Apostolische Administrator blieb während der sowjetischen Besatzung bewusst in Estland und starb 1942 im Gefängnis von Kirow. Für Gallagher verkörpert Profittlich eine Verbindung von „Diplomatie und Heiligkeit“ sowie den Dienst an der Wahrheit gegen Unterdrückung.
Brückenbauer in Estland
In seiner Ansprache zog der vatikanische Diplomat eine Linie zwischen pastoraler Sendung und kirchlicher Diplomatie. Beide hätten eine gemeinsame Wurzel im Einsatz für Wahrheit und Menschenwürde. Profittlich habe mit seinem Entschluss zu bleiben „seinen höchsten diplomatischen Akt“ gesetzt. Er sei zu einem „Brückenbauer“ geworden, der Beziehungen knüpfte und einem kleinen Volk eine moralische Stimme gab.
Mit Blick auf die Gegenwart warnte Gallagher vor wachsender Spaltung in Europa. Diplomatie müsse Distanzen überwinden und Räume für Begegnung schaffen. „Wahrer Friede“ entstehe durch einen Einsatz, bei dem es weder Sieger noch Verlierer gebe. Auch wenn Frieden heute oft unerreichbar erscheine, dürfe man nicht resignieren: Was unmöglich wirke, könne mit Gottes Hilfe Wirklichkeit werden.
Der selige Eduard Profittlich gilt in Estland als Symbolfigur für Glaubenstreue und Freiheit. Seine Lebensgeschichte sei, so Gallagher, eine Mahnung, dass Wahrheit und Liebe stärker seien als Gewalt und Ideologie.
Zum Auftakt der Konferenz am Freitag hatte der päpstliche Nuntius in den baltischen Staaten, Erzbischof Georg Gänswein, gesprochen. Unter den weiteren Rednern der Veranstaltung waren Diözesanbischof Jourdan und die estnische Theologin Marge Paas, Postulatorin im Seligsprechungsverfahren für Profittlich. Der Erzbischof starb 1942 im Gefängnis, bevor sein Todesurteil vollstreckt werden konnte.
(vatican news – gs)
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