Kardinal Anthony Poola Kardinal Anthony Poola 

Indien: Bischöfe fordern Aufhebung von religionsfeindlichen Gesetzen

Angesichts der zunehmenden Ungleichheiten im Land haben die Katholischen Bischöfe Indiens (CBCI) zum Ende ihrer Vollversammlung in Bengaluru eine besorgte Stellungnahme abgegeben. Man verlange die Rücknahme von Bestimmungen, „die mit der Religionsfreiheit und dem Recht auf Privatsphäre unvereinbar sind“, erklärten die Bischöfe.

Zum Ende ihrer Vollversammlung am Dienstag in Bengaluru lancierten die Bischöfe einen eindringlichen Appell zur Aufhebung aller Gesetze, die mit der Religionsfreiheit und dem Recht auf Privatsphäre unvereinbar sind. Zahlreiche unschuldige Menschen würden aufgrund unbegründeter Vorwürfe der Zwangskonvertierung inhaftiert, weshalb entschlossen gehandelt werden müsse.

Die Bischöfe erinnern daran, dass christlichen Dalits seit Jahrzehnten ihre Rechte verweigert werden, was „trotz zahlreicher Appelle für Gleichheit und Gerechtigkeit eine indirekte Form der Diskriminierung darstellt“. Generell weisen sie darauf hin, dass die Verweigerung der Rechte von Minderheiten „das demokratische Gefüge unserer Gesellschaft schwächt“. Keinem Bürger dürften „grundlegende Rechte auf Gleichheit und Freiheit“ vorenthalten werden.

Strenge Anti-Konversionsgesetze

Konkret bezieht sich die Kritik auf Anti-Konversionsgesetze in etlichen Bundesstaaten, sowie auf Regelungen, die Konvertiten administrative Hürden auferlegen oder soziale Nachteile auf sich ziehen. Unter Verweis auf Artikel 25 der indischen Verfassung betonten die Bischöfe: „Alle Menschen haben gleichermaßen Anspruch auf Gewissensfreiheit sowie das Recht, ihre Religion frei zu bekennen, auszuüben und zu verbreiten.“ Zugleich äußerten sie Sorge über „wachsende Ungleichheit, ökologische Zerstörung, Desinformation, Polarisierung und eine Verunsicherung hinsichtlich Identität und Zugehörigkeit“.

Insbesondere viele jungen Menschen seien mit den Unsicherheiten von Arbeitslosigkeit, Migration, digitaler Verwundbarkeit und sozialem Druck konfrontiert. „Es ist dringend notwendig geworden, dass sich unsere jungen Menschen als vorbildliche Christen und verantwortungsbewusste Bürger Indiens aktiv in der Politik als Berufung zum Dienst engagieren”.


Gleichzeitig bekräftigten die Bischöfe ihr Vertrauen in die Verfassung und riefen Christen dazu auf, "ein reifes, hoffnungsvolles und glaubwürdiges öffentliches Zeugnis" abzulegen. Statt sich zurückzuziehen, sollten Gläubige "Hoffnung wecken und die Einheit fördern". Ein christliches Leben bedeute, gesetzestreue Bürger, Friedensstifter und Verteidiger der Menschenrechte zu sein.

In einem Klima der Polarisierung wolle die Kirche weiter auf Dialog, Versöhnung und Solidarität mit Benachteiligten setzen.

Ein Dalit-Kardinal an der Spitze des Episkopats

Während der Versammlung wählten die Bischöfe den Erzbischof von Hyderabad, Kardinal Anthony Poola, zum Präsidenten der Bischofskonferenz. Die Wahl von Poola, der auch der erste Kardinal ist, der aus der Gruppe der Dalit stammt, stellt einen weiteren Meilenstein für das Episkopat und für das asiatische Land dar.

„In einer Zeit, die von Spaltung, Gewalt und wachsenden sozialen Spannungen geprägt ist, ist die Kirche aufgerufen, ein Zeichen der Versöhnung, des Dialogs und der Hoffnung zu sein“, sagte der Kardinal nach seiner Wahl. „Daher nehme ich diese Aufgabe mit Demut an, im Bewusstsein, dass die Führung in der Kirche ein Dienst ist, der auf Zuhören, Gebet und gemeinsamer Entscheidungsfindung beruht.“

Der 64-jährige Poola stammt aus Poluru in der Diözese Kurnool, deren Bischof er seit 2008 war, bevor er 2020 zum Erzbischof von Hyderabad ernannt wurde. Als Kind einer gemischten Dalit-Familie mit einem katholischen Vater und einer hinduistischen Mutter erlebte er schon in jungen Jahren die Ausgrenzung der „Kastenlosen“ am eigenen Leib. Er ist auch der erste Kardinal, der Telugu spricht, eine Sprache, die von fast 100 Millionen Menschen aus den Bundesstaaten Andhra Pradesh und Telangana im Südosten Indiens gesprochen wird.

In Gott gibt es keine Parteilichkeit

Mit der Wahl von Kardinal Poola wollte das indische Episkopat auch eine unüberhörbare Botschaft an diejenigen senden, die noch immer die Logik der Kasten mit sich tragen: „Die Dalits und Stammesangehörigen”, erklärte der Bischof von Berhampur, Sarat Chandra Nayak, Präsident des Büros für Kasten und benachteiligte Klassen der CBCI, „können in der Kirche auf allen Ebenen Führungspositionen einnehmen. In Gott gibt es keine Parteilichkeit.“

Neue Ausgabe des Messbuchs in Konkani

Die Bischofsversammlung bot auch Gelegenheit zur offiziellen Vorstellung der neuen Ausgabe des Messbuchs in Konkani, der unter den Einwohnern von Goa am häufigsten gesprochenen Sprache. Das liturgische Buch ist das Ergebnis einer 16-jährigen Arbeit, die von der CBCI gefördert wurde. Es handelt sich um einen wichtigen Schritt zur Stärkung des liturgischen Lebens der Gläubigen, da es ihnen eine umfassendere Teilnahme an der Eucharistiefeier in ihrer Muttersprache ermöglicht. Das Messbuch ist sowohl in Romi-Schrift (lateinisches Alphabet) als auch in Kannada-Schrift (Abugida aus der Familie der brahmischen Schriften) verfasst, um „eine breitere Zugänglichkeit für die Gemeinden in Karnataka, Goa und den angrenzenden Regionen zu gewährleisten und gleichzeitig das sprachliche und kulturelle Erbe des Konkani im Leben der Kirche zu bewahren”, heißt es in einer Erklärung der CBCI.

(vatican news/kap - cs)

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11. Februar 2026, 12:22