Nigeria: Kardinal Onaiyekan warnt vor tiefem Fall
„Unsere Probleme im Land sind hausgemacht. Sie sind selbstverschuldet, weil die Menschen egoistisch, unehrlich und unklug sind“, erklärte der Kardinal am Rande der Feierlichkeiten zu seinem Ehrentag am vergangenen Samstag. Laut Onaiyekan hat das Versagen der Verantwortlichen, die gemeinsame Menschlichkeit anzuerkennen, zu einem tiefen Misstrauen und massiver Ungleichheit geführt.
Kritik an einer „Kultur des Raubbaus“
Kardinal Onaiyekan warnte die Führungselite, die sich auf Kosten der Gesellschaft bereichert: „Man kann nicht alleine glücklich sein.“ Kein Reichtum der Welt könne ein Umfeld kompensieren, das von Armut, Verzweiflung und Wut geprägt ist. Er beklagte, dass die Politik in Nigeria kein Dienst am Volk mehr sei, sondern ein reiner Kampf um den Zugang zu nationalen Ressourcen. „Wer denkt an die Armen? Wer denkt an die Zukunft?“, fragte der Kardinal sichtlich bewegt.
Besonders scharf kritisierte er das Wahlsystem. Mit Blick auf die Parlamentswahlen 2023 verurteilte er, dass Wahlfälschungen mittlerweile als Normalität hingenommen würden. „Jeder hat gesehen, dass gefälscht wurde“, so der Erzbischof emeritus. Institutionen, die die Demokratie schützen sollten, hätten bewusst weggesehen. Auch die immensen Summen, die in die nationale Wahlkommission (INEC) fließen, seien wirkungslos, solange sich das System nicht grundlegend ändere.
Soziale Ungerechtigkeit und religiöse Demut
In Nigeria herrsche derzeit eine Ordnung, in der harte Arbeit oft nicht belohnt werde, während andere mühelos zu Wohlstand kämen. Onaiyekan rief diejenigen, die materiellen Erfolg genießen, dazu auf, darin das Wirken Gottes zu sehen und den Benachteiligten die Hand zu reichen. Gleichzeitig mahnte er religiöse Führer zur Bescheidenheit: „Was hast du, das dir nicht gegeben wurde?“, zitierte er den Apostel Paulus.
Reflexionen über das Alter: „Die Bordkarte ist bereit“
Trotz der ernsten Themen zeigte sich der Jubilar persönlich gelassen und humorvoll. Das Altern habe ihn gelehrt, jeden Tag als Geschenk zu betrachten. „Wenn ich schlafen gehe und morgens aufwache – hey, da ist ein neuer Tag für mich“, sagte er.
Angst vor dem Tod verspüre er nicht: „Ich habe es nicht eilig zu sterben, aber ich habe keine Angst davor zu gehen. Meine Bordkarte ist fertig. Das Ziel ist das Paradies. Direktflug, ohne Zwischenstopp.“
(aci africa - mg)
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