Frauen im Südsudan auf der Suche nach Brennholz Frauen im Südsudan auf der Suche nach Brennholz  (AFP or licensors)

Südsudan: Eskalierende Gewalt erschüttert das Land

15 Jahre nach der Erlangung der Unabhängigkeit kommt das jüngste Land der Erde nicht zur Ruhe. Während eine neue Eskalation der Gewalt zwischen Armee und Opposition Zehntausende in die Flucht treibt, richtet der katholische Bischof Barani Eduardo Hiiboro Kussala einen verzweifelten Appell an die Bevölkerung: Die Fastenzeit müsse zu einer Zeit der „Heilung und Hoffnung“ werden, um den Kreislauf aus Hass und Zerstörung zu durchbrechen.

Die humanitäre Lage für die über 12 Millionen Einwohner des Südsudan ist verheerend. Nach Jahrzehnten des Isolationismus und dem mörderischen Unabhängigkeitskrieg gegen den Sudan (1955–2005) folgte auf die Freiheit von 2011 bereits 2013 ein blutiger interner Machtkampf. Obwohl dieser offiziell 2018 mit einem Friedensabkommen endete, bleibt die Lage laut Berichten des Nachrichtendienstes Fides hochgradig instabil.

Eskalation der Gewalt: 280.000 Menschen auf der Flucht

In den vergangenen Wochen hat sich die Situation dramatisch zugespitzt. Ein aktueller Bericht von UNICEF bestätigt eine massive Zunahme der Kämpfe seit Ende Dezember 2025, insbesondere in den nördlichen und zentralen Regionen. Allein im Bundesstaat Jonglei wurden mindestens 280.000 Menschen vertrieben.

Unter den Flüchtlingen befinden sich zum Großteil Frauen und Kinder, die in ständiger Gefahr schweben, getötet, verstümmelt oder von bewaffneten Gruppen zwangsrekrutiert zu werden. Parallel dazu kollabiert das Gesundheitssystem: Hungersnot und Unterernährung breiten sich aus, während Cholera- und Malaria-Epidemien die geschwächte Bevölkerung heimsuchen.

Bischof Kussala: „Fastenzeit ist soziale Verantwortung“

Inmitten dieser prekären Lage veröffentlichte der Bischof der Diözese Tombura-Yambio, Barani Eduardo Hiiboro Kussala, am 16. Februar seine Fastenbotschaft. Er zeichnete ein schonungsloses Bild der Herausforderungen in seiner Diözese: „Hass, Stammesfehden, die Manipulation der Jugend, Verrat, gezielte Gewalt, Armut und Krankheiten befallen unsere Gemeinschaften.“

Für Kussala ist der Verzicht auf Speisen in diesem Jahr zweitrangig gegenüber der moralischen Erneuerung:

„Die Fastenzeit ist nicht nur eine Zeit des Fastens, sondern eine Zeit der spirituellen Wiedergeburt, der sozialen Verantwortung und der gemeinschaftlichen Heilung. Wir sind eingeladen, zu Gott zurückzukehren, Beziehungen wiederherzustellen und Gemeinschaften der Versöhnung und Solidarität aufzubauen.“

Der Bischof rief jede Pfarrei und jede Familie dazu auf, sich aktiv für den Schutz der Schwächsten und die Wiederherstellung des Friedens einzusetzen. Nur durch eine „Umkehr des Herzens“ könne der Südsudan die tiefen Wunden der Vergangenheit und Gegenwart überwinden.

(fides - mg)

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19. Februar 2026, 11:08