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Folgen eines russischen Drohnenangriffs in Saporischschja Folgen eines russischen Drohnenangriffs in Saporischschja 

Überleben im Bombenhagel: Bischof berichtet aus Saporischschja

In der Region Saporischschja, nahe dem umkämpften Atomkraftwerk, hat sich die Lage nach massiven russischen Angriffen in der Nacht auf Freitag und an diesem Samstagmorgen dramatisch verschlechtert. Der Weihbischof der Diözese Charkiw-Saporischschja, Jan Sobiło, schildert gegenüber den Vatikan-Medien eine Realität, in der das Leben unter der Erdoberfläche zur Normalität wird.

Svitlana Dukhovych und Mario Galgano - Vatikanstadt

In der Nacht zum 6. Februar und in den frühen Morgenstunden des Samstags erlebte die Region Saporischschja eine neue Welle der Gewalt. Wohnhäuser wurden zerstört, ein Ehepaar wurde getötet, und mehrere Personen, darunter ein 14-jähriger Junge, erlitten teils schwere Verletzungen.

Messe unter dem Donner der Explosionen

Bischof Sobiło berichtet von der Morgenmesse an diesem Samstag, an der auch Gäste aus Italien teilnahmen: „Während der Feier waren heftige Explosionen zu hören. Ich sah eine abgeschossene Drohne, die wie ein Feuerball am Himmel verglühte. Es war ein gewaltsamer Morgen.“

Die psychische Belastung für die Bevölkerung sei enorm. „Die Sirenen heulen ununterbrochen. Viele Menschen gehen gar nicht mehr in die Bunker, weil es unmöglich ist, jedes Mal hinunterzusteigen. Man müsste ständig unter der Erde leben“, so der Bischof.

Leben ohne Strom und Wärme

Ein kritisches Problem bleibt die Energieversorgung. In vielen modernen Wohnblöcken funktionieren Heizung und Wasserpumpen nur mit Elektrizität. Bei Blackouts bleibt es in den Wohnungen eiskalt. „Manche Leute wärmen sich in ihren Autos auf. Sie sitzen abends im Wagen, bis es etwas warm ist, und legen sich dann zu Hause angezogen schlafen, um die Körperwärme zu halten“, schildert Sobiło die verzweifelten Versuche der Bürger, der Kälte zu trotzen.

Brot für Tausende und Hilfe vom Papst

Die Pfarreien sind zu zentralen Anlaufstellen für die hungernde Bevölkerung geworden. Im Heiligtum „Gott Vater, der barmherzige Erbarmer“ verteilen albertinische Franziskanerbrüder viermal pro Woche Brot. Bis zu 2.000 Menschen kommen an Samstagen, um Nahrung zu erhalten.

Besonders wertvoll sei eine aktuelle Hilfslieferung des päpstlichen Almosenpflegers, Kardinal Konrad Krajewski. Die geladene Instant-Pasta ist bei der Bevölkerung und den Soldaten gleichermaßen beliebt. „Sie ist scharf und wärmt von innen. Die Soldaten nehmen sie mit an die Front, weil sie leicht zu transportieren ist und ihnen das Leben rettet“, so der Bischof.

Die Angst um die Zukunft

Die militärische Lage an der Front nahe Saporischschja spitzt sich laut Sobiło zu. Der gefrorene Dnipro-Fluss ermöglicht es russischen Sabotagetrupps, über das Eis vorzurücken. „Wir sehen, dass die Russen auf die Stadt vorrücken, die Front knirscht, unsere Jungs sind in großen Schwierigkeiten.“

Dies führt dazu, dass nun auch jene Familien die Stadt verlassen, die zuvor fest entschlossen waren, zu bleiben. Besonders die Kinder seien emotional am Ende ihrer Kräfte.

Ein Appell an die Welt

Zum Abschluss seines Berichts richtet Bischof Jan Sobiło einen eindringlichen Appell an die Weltgemeinschaft: „Wir danken dem Heiligen Vater für seine Nähe und Unterstützung. Aber ich bitte Sie alle: Vergesst die Ukraine nicht. Es wärmt unser Herz, wenn wir wissen, dass die Menschen an uns denken.“

(vatican news)

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07. Februar 2026, 13:47