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Venezuela: Kirche fordert Demokratie und soziale Gerechtigkeit

Am Ende ihrer Vollversammlung haben die Bischöfe des Landes eine nationale Aussöhnung auf Grundlage der Achtung der Volkssouveränität, der Freilassung politischer Gefangener und der Aufmerksamkeit für die humanitäre Krise gefordert.

Vatican News

Angesichts der Unruhe und Ängste, die durch die soziale, politische und wirtschaftliche Lage des Landes ausgelöst wurden, ermutigen sie dazu, auf Gott zu vertrauen und aus dem Evangelium Kraft zu schöpfen. Zugleich betonen sie unter Verweis auf die Worte des Papstes, dass das „Wohl des venezolanischen Volkes Vorrang vor allen anderen Überlegungen haben“ müsse, dass Gewalt überwunden und „Wege der Gerechtigkeit und des Friedens eingeschlagen“ werden müssen, „um die Souveränität des Landes zu gewährleisten“ (vgl. Papst Leo, Angelus, 4. Januar 2026).

Die Bischofskonferenz nennt in ihrem 22 Punkte umfassenden Schreiben die komplexen Situationen, mit denen die Bevölkerung in Venezuela konfrontiert ist, wie etwa den Mangel an fair bezahlten Arbeitsplätzen, die weit verbreitete und straffreie Korruption, die Verletzungen der Menschen- und Bürgerrechte, darunter die Meinungsfreiheit und das Recht auf ein faires Verfahren und auf Verteidigung.

Souveränität und Demokratie

Die Bischöfe sprechen sich für die Gewährleistung von Souveränität und Demokratie, den Wiederaufbau der Institutionen des Landes, die Wiederherstellung der Unabhängigkeit der öffentlichen Gewalt, die Einrichtung eines glaubwürdigen Obersten Gerichtshofs und eines glaubwürdigen Nationalen Wahlrats aus, damit freie und faire Wahlen möglich würden. „Die Souveränität des Volkes, die sich in allgemeinen, direkten und geheimen Wahlen ausdrückt, wurde missachtet, als die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen vom 28. Juli 2024 von den staatlichen Organen nicht im Detail veröffentlicht wurden.“

Unter Verweis auf die US-Intervention in Venezuela am 3. Januar spricht die Bischofskonferenz von tiefgreifenden politischen und sozialen Veränderungen. Sie verdeutlichen in diesen Zusammenhang, dass sich daran Hoffnungen an eine bessere Zukunft knüpfen. Obwohl die Intervention als „Verstoß gegen das Völkerrecht interpretiert“ wurde, „sind viele der Meinung, dass sie Wege zur Demokratisierung des Landes eröffnen“, erklären die Bischöfe.

„Wir teilen den Schmerz unseres Volkes“

Die Kirchenvertreter bekräftigen ihre Nähe und Solidarität mit politischen Gefangenen und deren Familien, mit Migranten, Kranken, der Jugend und den marginalisierten indigenen Gemeinschaften, die ihr Eigentum durch willkürliche Beschlagnahmungen verloren haben, sowie mit all jenen Menschen, die unter anderen Ungerechtigkeiten leiden. „Wir teilen den Schmerz unseres Volkes“, schreiben die Bischöfe, „und beten voller Hoffnung für die ewige Ruhe all derer, die durch Gewalt in jüngster oder vergangener Zeit ums Leben gekommen sind, denn es handelt sich um kostbare Menschenleben, die sinnlos verloren gegangen sind“, heißt es in ihrer Erklärung.

Die Bischöfe bekräftigen ihr Engagement für die Förderung des Gemeinwohls, insbesondere der Ärmsten und Bedürftigsten, und fordert alle gesellschaftlichen Bereiche auf, zur Erreichung dieses Ziels beizutragen und es über persönliche, ideologische, parteipolitische oder wirtschaftliche Interessen zu stellen.

Begegnung, Anerkennung und Versöhnung

In Bezug auf den tiefen Wunsch, in Frieden und Freiheit zu leben, betonen die Bischöfe, dass dieser Traum verwirklicht werden kann, indem Gewalt vermieden und Lügen, Hass, Groll, Rache und Wortgefechte unterlassen werden. „Dies“, betont die Bischofskonferenz, „erfordert von allen Venezolanern Prozesse der Annäherung, gegenseitigen Anerkennung, Vergebung und Versöhnung, der Reinigung des Gedächtnisses in Wahrheit und Gerechtigkeit, mit dem festen Willen, die Würde der Menschen zu achten und kontinuierlich Brüderlichkeit zu üben“.

Menschenrechte und Freiheiten

Die Bischofskonferenz bekräftigt die Bedeutung der Gewährleistung der Menschen- und Bürgerrechte aller und erinnert daran, dass die Achtung der Würde des Menschen die Grundlage für einen friedlichen und nachhaltigen Fortschritt der Nation ist. Sie betont die Notwendigkeit, Gesetze aufzuheben, die die Grundrechte einschränken, insbesondere diejenigen, die sich auf die Meinungsfreiheit, das freie Wahlrecht und die Tätigkeit ziviler Organisationen beziehen. Die Bischöfe begrüßen die Freilassung politischer Gefangener und bekräftigen ihre Forderung nach der vollständigen Freilassung aller noch inhaftierten politischen Häftlinge. Darüber hinaus unterstützen sie die Verabschiedung eines umfassenden und inklusiven Amnestiegesetzes als entscheidenden Schritt zur Versöhnung und zum demokratischen Zusammenleben.

Eine Zukunft mit Fokus auf die Ärmsten

Die Bischöfe rufen dazu auf, eine Zukunft in Freiheit und Gerechtigkeit aufzubauen, indem die Familie als Grundlage für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen gestärkt und die Beteiligung aller Bereiche des Landes gefördert wird. Es gelte die Armut, von der ein Großteil der Bevölkerung betroffen ist, zu überwinden. Die aus der Wiederbelebung der Ölindustrie stammenden Ressourcen sollten für die Verbesserung der Löhne und Sozialprogramme eingesetzt werden, die gerecht und nicht nach parteipolitischen Gesichtspunkten konzipiert sind - damit die Bürger in Würde leben und ihre grundlegenden materiellen, sozialen und intellektuellen Bedürfnisse befriedigen können.

Schließlich laden die Bischöfe die Venezolaner ein, im täglichen Gebet Licht und Kraft zu finden, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen, und während der Fastenzeit Praktiken wie Bibellektüre, die eucharistische Anbetung, den Kreuzweg und spirituelle Begegnungen zu fördern, die die Bindungen als Kinder desselben Landes stärken. Im Vertrauen auf die Fürsprache der Jungfrau Maria von Coromoto ermahnen die Bischöfe, mit Mut und Großzügigkeit Verantwortung zu übernehmen, um gemeinsam den Fortschritt des Landes auf den Wegen der Freiheit, Gerechtigkeit und des Friedens zu erreichen.

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10. Februar 2026, 08:18