Afghanen suchen nach einem Schusswechsel an der Grenze zu Pakistan Schutz Afghanen suchen nach einem Schusswechsel an der Grenze zu Pakistan Schutz 

Afghanistan: „Humanitäre Krise verschärft“

Der militärische Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan verschärft die ohnehin dramatische humanitäre Lage in Afghanistan erheblich.

Darauf weist Caritas international, das Hilfswerk der deutschen Caritas, an diesem Donnerstag hin. Die Kämpfe entlang der Grenze, unterbrochene Handelsrouten und eine zunehmende Instabilität in der Region brächten Millionen Menschen zusätzlich in Not.

Seit Ende Februar haben sich die Gefechte an der afghanisch-pakistanischen Grenze deutlich intensiviert. Mehr als 100.000 Menschen mussten bereits vor den Kämpfen fliehen, ganze Gemeinden in den Grenzregionen ihre Häuser verlassen. Insgesamt sind in Afghanistan derzeit rund 3,2 Millionen Menschen auf der Flucht; allein im vergangenen Jahr sind 2,9 Millionen Afghaninnen und Afghanen von Iran und Pakistan gedrängt worden, nach Afghanistan zurückzukehren.


 

Viele der Flüchtenden ohne Einkommen, Unterkunft oder soziale Unterstützung

Die deutsche Caritas befürchtet auch negative Rückwirkungen auf Afghanistan durch den US-Angriff auf den Iran. Es könne sein, dass deswegen noch mehr Frauen, Männer und Kinder Richtung Afghanistan fliehen müssten. Viele der Flüchtenden kommen ohne Einkommen, Unterkunft oder soziale Unterstützung in ohnehin überlastete Gemeinden zurück.

„Die aufnehmenden Gemeinschaften stoßen längst an ihre Grenzen“, erklärt Veronika Staudacher, derzeit Büroleiterin von Caritas international in Kabul. „Schulen, Kliniken und Wasserversorgung sind vielerorts überfordert. Die Binnenvertriebenen und Rückkehrenden aus Iran und Pakistan verschärfen die extrem angespannte humanitäre Lage zusätzlich.“


Zentrale Handels- und Versorgungswege sind blockiert

Als besonders problematisch gilt, dass der afghanisch-pakistanische Krieg zentrale Handels- und Versorgungswege blockiert. Afghanistan ist stark von Importen abhängig: Fast die Hälfte aller Waren kommt aus den beiden Nachbarländern Iran und Pakistan. Beide Länder lieferten bisher wichtige Grundgüter wie Getreide, Zucker, Medikamente, Gemüse und Zement. Staudacher: „Dass Grundnahrungsmittel und Arzneien vielerorts extrem teuer geworden sind, trifft die Zivilbevölkerung hart“.

Bereits vor der aktuellen Eskalation litten viele Regionen unter schwerer Ernährungsunsicherheit. Nach offiziellen Angaben sind derzeit rund 17,4 Millionen Menschen in Afghanistan akut auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Für das Jahr 2026 benötigen zudem etwa 3,7 Millionen Kinder dringend Behandlung wegen akuter Mangelernährung. Durch geschlossene Grenzen und gestörte Lieferketten drohen sich diese Zahlen weiter zu verschlechtern. Caritas international fordert die internationale Gemeinschaft dringend auf, die humanitäre Hilfe für Afghanistan auszuweiten und humanitäre Zugänge zu sichern.

(caritas – sk)

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12. März 2026, 14:16