Fürstentum Monaco: Kirche setzt sich für Benachteiligte ein
In einem Land, in dem es augenscheinlich allen materiell gut geht, gibt es allerdings andere Formen von Armut: die seelische Armut. Dies sei die „wahre Realität von Monaco“, jenseits von Klischees und Bildern, die die Medien vermittelten, unterstreicht der Erzbischof, der seit Januar 2020 im Fürstentum wirkt. „Aber es gibt auch materielle Armut, die oft unbemerkt bleibt. Viele Menschen arbeiten in Monaco und prägen das Leben des Landes, jedoch leben sie unter teilweise prekären Wohn- und Lebensbedingungen“, so der französische Erzbischof, dessen Diözese mit ihren Hilfsangeboten diese verborgene Seite von Monaco besonders präsent hat: „Aber daneben gibt es tatsächlich viel Einsamkeit, viele Sinnkrisen, wenn man einen gewissen Komfort und die Mittel hat, um zu leben, ohne sich allzu viele materielle Fragen zu stellen; da tauchen all die anderen Fragen auf, die sich nach dem Sinn des eigenen Lebens stellen, manchmal sogar Einsamkeit.“
Dies betreffe beispielsweise Eltern, die bei der Kindererziehung überfordert seien, aber auch Trennungen und Familiendramen, die trotz des scheinbar sorgenfreien Lebens vorkämen und dadurch umso mehr berührten, gibt der Bischof zu bedenken: „Es ist also auch unsere Aufgabe hier, auf all diese verborgenen Formen der Armut zu achten, aufmerksam zu sein, füreinander zu sorgen und Armut zu erkennen, die, auch wenn sie nicht immer sichtbar ist, real und manchmal sogar dramatisch ist.“
Noch aufmerksamer füreinander sein
Inmitten eines tendenziell reichen Umfeldes - bekanntermaßen voller Ablenkungen aller Art für Gutbetuchte - sei es der Kirche ein besonders großes Anliegen, Solidarität mit den Menschen zu zeigen, die materiell schlechter gestellt seien als viele ihrer Mitbürger, unterstreicht der Erzbischof. Ungemein aktiv seien dabei die lokale Zweigstelle der Caritas, die Vinzenzgemeinschaft Monaco, die Légion de Marie und viele andere kirchliche und nichtkirchliche Vereinigungen, welche Kinder oder Familien in Not unterstützten, ebenso wie ältere Menschen und Kranke:
„Die Idee ist, dass wir füreinander sorgen und uns nicht damit begnügen, in einem Land zu leben, das eine gewisse Lebensqualität und auch eine gewisse Sicherheit bietet, sondern dass es – und das ist gewissermaßen unsere Mission, die der Kirche hier in Monaco – darum geht, noch aufmerksamer füreinander zu sein und keine Gelegenheit zu verpassen, den Bedürftigen das Evangelium zu bezeugen.“
Staatsreligion: römisch-katholisch
Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung in Monaco ist römisch-katholisch, seit Jahrhunderten ist der Katholizismus Staatsreligion. Doch auch hier sei zu beobachten, dass – ähnlich wie im Nachbarland Frankreich – zunächst kirchenferne Menschen um die Taufe bäten oder Kontakt zur Kirche aufnähmen, berichtet der Erzbischof weiter:
„Nun, es stimmt, dass wir uns hier bekannterweise in einem Land befinden, in dem der katholische Glaube Staatsreligion ist. Wie ich regelmäßig betone, handelt es sich jedoch nicht nur um eine Identität, eine Kultur und ein Erbe, sondern auch um eine Verantwortung, die sich auf unsere Lebensweise, unsere Entscheidungen und unsere Urteilsfähigkeit auswirken muss. Es reicht also nicht aus, sich als katholisch zu bekennen und sogar ein wenig stolz darauf zu sein, sondern man muss auch alle Konsequenzen daraus für unsere Sicht auf die Welt, auf andere, auf die Ärmsten und auch auf die Kohärenz unseres eigenen Lebens abwägen“, meint der Bischof, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, „nicht an der Oberfläche“ stehen zu bleiben und die Herzen der Menschen zu berühren – auch und vor allem in einem Umfeld, in dem Reichtum und Glanz besonders blendend scheinen… Um die Mission der Kirche in Monaco zu beschreiben, falle ihm das Bild des verlorenen Schafes ein, so Erzbischof Dominique-Marie David abschließend:
„Das heißt, wir müssen alle Kräfte mobilisieren, sei es mit dem Klerus, den Laien, den Pfarreien, den Bewegungen, damit die Frohe Botschaft auch den erreicht, der vielleicht am weitesten entfernt ist. Und Gott weiß, dass es sicherlich einige davon gibt. Und parallel zu diesem Bild denke ich auch an die Episode mit Zachäus, wo Jesus sich bei einer Person einlädt, die nicht unbedingt einen guten Ruf hatte, auch wenn sie reich und gesellschaftlich gut gestellt war, einfach um ihr die Schönheit und Freude des Evangeliums zu vermitteln, und ihm durch Freundschaft und Nähe zu zeigen, dass das Reich Gottes bereits unter uns ist und bereits in sein Leben und in sein Herz einzieht.“
Kurzbesuch am Samstag vor der Karwoche
Leo XIV. wird am kommenden 28. März gegen 9.00 Uhr in dem Fürstentum erwartet. Er wird mit dem Hubschrauber vom Vatikan aus anreisen. Begegnungen mit Fürst Albert II. von Monaco, der katholischen Gemeinschaft sowie Jugendlichen und Katechumenen steht auf dem Programm. Den Abschluss der Kurzreise bildet eine heilige Messe im Stade Louis II.. Das Leitwort der Reise lautet auf Französisch: „Je suis le Chemin, la Vérité et la Vie“ – auf Deutsch: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“.
(vatican news - eg/cs)
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