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Tabgha (Foto G. Röwekamp  DVHL) Tabgha (Foto G. Röwekamp DVHL) 

Abt Nikodemus: „Ein österlicher Glaube gegen die Vernichtung“

In einer Stellungnahme für Radio Vatikan hat Abt Nikodemus Schnabel die aktuelle Situation der christlichen Stätten in Jerusalem und im Norden Israels dargelegt. Während das Kloster in Tabgha am See Genezareth formal geöffnet bleiben darf, ist die Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg seit dem 3. März durch die israelische Polizei für die Öffentlichkeit gesperrt.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Die Maßnahmen betreffen nicht nur die Benediktinerabtei, sondern auch die Grabeskirche, die Al-Aqsa-Moschee und die Westmauer (Klagemauer). Laut Abt Nikodemus gleicht die Altstadt einer Zone mit massiven Einschränkungen, während nur wenige hundert Meter entfernt in der Weststadt von Jerusalem, etwa im Viertel Mamilla, ein weitgehend normales öffentliches Leben mit geöffneten Cafés und Geschäften stattfindet.

Hier hören Sie das Statement von Abt Nikodemus Schnabel

Es bestehe die Hoffnung, dass zum jüdischen Pessach-Fest am 1. April die Zugangsbeschränkungen für die Westmauer und im Zuge dessen auch für die Grabeskirche gelockert werden, meint Abt Nikodemus.

Liturgie im „schönsten Bunker Jerusalems“

Trotz der Schließung für die Öffentlichkeit finden die Gottesdienste weiter statt: „Wir halten als Mönche weiterhin unsere Gebetszeiten in Treue“, betonte der Abt. Da die Oberkirche der Dormitio als gefährdet gilt, wurden alle liturgischen Feiern in die Krypta verlegt. Diese sei „tief in die Erde gebaut“ und stelle derzeit den sichersten Ort der Abtei dar.

Die Dormitio fungiert zudem weiterhin als Personalpfarrei für die deutschsprachigen Katholiken. Solange die Gruppengröße unter 50 Personen bleibt, ist die Teilnahme an den Gottesdiensten und seelsorglichen Gesprächen möglich. Für den kommenden Samstag, den 28. März, kündigte Abt Nikodemus ein besonderes Friedensgebet an: Kardinal Pierbattista Pizzaballa wird in der Dormitio das Rosenkranzgebet leiten.

Absage der Palmsonntagsprozession

Als emotionalen Verlust bezeichnete der Abt die Absage der Palmsonntagsprozession, zu der üblicherweise zehntausende Gläubige aus dem ganzen Land zusammenkommen. Dieser Tag sei der einzige im Jahr, an dem die christliche Minderheit in der Stadt physisch und öffentlich als große Gemeinschaft sichtbar werde. „Wenn dieser Tag den Christen genommen wird, fehlt ein ganz wichtiger Tag, an dem man spürt: Wir sind doch so viele hier“, so Nikodemus.

Regionale Eskalation und humanitäre Krisen

In seinem Statement weitete der Abt den Blick auf die gesamte Region und sprach von einem „dreckigen Krieg“, der auf allen Seiten Leid vermehre. Er verwies auf die Bodenoffensive der israelischen Armee im Libanon und die prekäre Lage der dortigen Christen. Auch ging Abt Nikodemus auf die mörderische Siedlergewalt gegen Christen in der Westbank ein. Die sich zuspitzende humanitäre Lage in Gaza sei ebenfalls im Blick zu behalten. Darüber hinaus erinnerte er an die Situation in der Straße von Hormus, wo rund 2.000 philippinischen Seeleuten auf festgesetzten Tankern das Trinkwasser auszugehen droht.

Abschließend bekräftigte Abt Nikodemus seine Hoffnung auf eine Deeskalation bis Ostern. Wo Menschen nur Ende, Tod und Vernichtung sähen, setze der österliche Glaube auf die Möglichkeit von Versöhnung und Neuanfang.

(vatican news)

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23. März 2026, 13:16