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Flüchtlingskinder im Libanon Flüchtlingskinder im Libanon 

Libanon: Humanitäre Notlage spitzt sich zu

Die Raketenangriffe im Süden und Osten des Landes halten an und haben bereits mehr als 600.000 Menschen in die Flucht getrieben. Das berichtet Missio Österreich unter Berufung auf Partner vor Ort. Das Hilfswerk fährt deshalb seine Nothilfe hoch und ruft zu Spenden auf.

Die Lage im Südlibanon spitzt sich nach anhaltenden Raketenangriffen weiter zu. Missio-Projektpartner senden Hilferufe und benötigen dringend Medikamente, Lebensmittelpakete und Hygieneartikel für geflohene Familien, berichtete das Hilfswerk am Dienstag. Die vorhandenen Ressourcen seien nahezu ausgeschöpft, während immer mehr Menschen Hilfe suchten. 

Dramatische Lage im Südlibanon und in Beirut

Missio-Projektpartnerin Schwester Annie Demerjian berichtete in diesen Tagen von einer dramatischen Situation im Südlibanon und in der Hauptstadt Beirut: „Es ist schrecklich. So viele Familien haben geliebte Menschen verloren. Sie mussten flüchten und haben alles zurückgelassen.“ Die Helferin wandte sich mit einem Hilfegesuch an Missio.

Demerjian betreut zahlreiche Schutzsuchende und benötige dringend überlebenswichtige Medikamente, Lebensmittelpakete und Hygieneartikel. Aufgrund des massiven Andrangs seien die vorhandenen Hilfsgüter beinahe aufgebraucht. „Gerade ältere Personen, Schwangere, Kinder haben es zurzeit besonders schwer. Helfen wir bitte unseren Schwestern und Brüdern in Not im Libanon rasch“, so Missio-Nationaldirektor Pater Karl Wallner.

Dauerkrise belastet Bevölkerung mental

Die anhaltende humanitäre Krise der vergangenen Jahre hinterlasse auch psychische Spuren. Missio-Projektpartner vor Ort berichten von einer zunehmenden mentalen Belastung in der Bevölkerung. Besonders betroffen sind schutzbedürftige Menschen wie Kinder, Neugeborene, ältere Personen und schwangere Frauen.

Schwester Annie Demerjian und ihr Team kümmern sich deshalb in der von Missio Österreich geförderten „Astra Academy“ in Beirut besonders um traumatisierte Kinder. Durch Spiele, Musik und Gemeinschaft sollen sie einen geschützten Ort finden, der ihnen Erholung und Stabilität bietet. Die Päpstlichen Missionswerke bitten dringend um Spenden, um diese Arbeit und die Hilfe für Kriegsopfer im Libanon unterstützen zu können.

Vertreibung von Zivilisten

Nach dem Tod eines christlichen Geistlichen durch israelischen Artilleriebeschuss sind weitere Zivilisten im Südlibanon vertrieben worden, berichten auch Medien. Wie die libanesische Zeitung ,L'Orient - Le Jour' meldete, hielten Soldaten der UN-Mission UNIFIL die Bewohner der Ortschaft Alma al-Shaab am Dienstag dazu an, ihr Dorf zu verlassen und nach Norden zu ziehen. Vorsteher anderer christlicher Orte hätten Aufforderungen des israelischen Militärs erhalten, aufgenommene schiitische Flüchtlinge fortzuschicken.

Die Zeitung zitiert den Ortsvorsteher der Kleinstadt Rmeich nahe der israelischen Grenze, der von Israel vor einem Angriff gewarnt worden sei für den Fall, dass er Vertriebene beherberge, die „in Kontakt mit der Hisbollah" stünden. Ein anderer Ortsvorstand habe einen ähnlichen Anruf erhalten. Laut einer nicht namentlich genannten Quelle wurden nur schiitische Flüchtlinge zum Verlassen der Gegend aufgefordert, nicht aber vertriebene Christen.

Bis jetzt hatten dem Bericht zufolge christliche Ortschaften allgemeine Räumungsanordnungen des israelischen Militärs ignoriert. Am Dienstag hätten UNIFIL-Truppen, die das Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und dem Libanon überwachen, das Dorf Alma al-Shaab evakuieren lassen. Es werde „niemand zurückbleiben", zitierte ,L'Orient - Le Jour' den Vorsitzenden des Gemeinderats, Chadi Sayah.

Am Sonntag war in Alma laut der Zeitung ein Mann durch einen israelischen Drohnenangriff getötet worden. Am Montag starb in Qlayaa unweit des Hermon-Gebirges der katholische Pfarrer des Ortes bei einem Mörserangriff. Der maronitische Patriarch Kardinal Béchara Raï rief die libanesische Regierung auf, ihren Beschluss zur Entwaffnung der Hisbollah-Miliz umgehend umzusetzen.

(pm/kna - pr)

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11. März 2026, 08:57