Suche

Die Beerdigung der beiden in Qaryut getöteten Brüder Die Beerdigung der beiden in Qaryut getöteten Brüder  (AFP or licensors)

Palästina: Eskalation der Siedlergewalt im Westjordanland

Während die Weltöffentlichkeit gebannt auf die Kriegsschauplätze im Iran und im Libanon blickt, vollzieht sich im Westjordanland eine gefährliche Eskalation. Berichte über Schüsse auf Zivilisten, Vandalismus und die Zerstörung palästinensischer Infrastruktur häufen sich. Laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa ist die Gewalt israelischer Siedler seit Ausbruch des Konflikts mit dem Iran um fast 25 Prozent gestiegen.

Beatrice Guarrera - Vatikanstadt

In der ersten Märzwoche wurden mindestens acht Palästinenser getötet. Fünf von ihnen starben nachweislich durch Schüsse von Siedlern. Unter den Opfern befinden sich junge Männer wie der 24-jährige Thaer Farouq Hamayel, aber auch ältere Zivilisten wie der 57-jährige Farea Jawdat Hamayel aus dem Dorf Abu Falah. Diese Vorfälle ereignen sich oft fernab der medialen Aufmerksamkeit, sind jedoch Symptom einer „offenen Wunde, die unaufhörlich blutet“.

„Siedler in Uniform“: Kritik von Veteranen

Besonders besorgniserregend sind Berichte über Angriffe durch bewaffnete Gruppen in Militäruniformen. Die Organisation „Breaking the Silence“, die von Veteranen der israelischen Armee (IDF) gegründet wurde, spricht von „unbeaufsichtigten Siedlermilizen“, die von der Armee bewaffnet und ihr formell unterstellt wurden.

Ein Bericht der NGO Yesh Din mit dem Titel „Siedler in Uniform“ dokumentiert zahlreiche Fälle, in denen Israelis in Militärkleidung Gewalt gegen Palästinenser ausübten. Diese Vermischung von staatlicher Autorität und privater Siedlergewalt erschwert den Schutz der Zivilbevölkerung massiv.

Dramatische Bilanz im Februar

Die Zahlen für den vergangenen Monat Februar zeichnen ein düsteres Bild: 1.965 Angriffe gegen Palästinenser wurden registriert (1.454 durch Sicherheitskräfte, 511 durch Siedler); 122 Gebäude wurden abgerissen und fünf neue Außenposten wurden von Siedlern illegal errichtet.

Beit Sahour und das gefährdete „Hirtenfeld“

Ein brennpunkt der aktuellen Entwicklung ist das Gebiet Ush Ghurab östlich von Beit Sahour bei Bethlehem. Beit Sahour ist eine Stadt mit christlicher Mehrheit und beherbergt das symbolträchtige Heiligtum des Hirtenfeldes. Ush Ghurab ist die letzte verbliebene Landreserve der Stadt für Wohnungsbau, öffentliche Einrichtungen und Grünflächen.

Nachdem das Gebiet jahrelang militärisch kontrolliert wurde, siedeln sich dort nun verstärkt radikale Gruppen an. Ein Ende 2025 errichteter Außenposten sorgt für massive Spannungen. Siedler belästigen Anwohner und Hirten und schränken den Zugang zu Weideländern ein.

Appell an die Weltgemeinschaft

Der Bürgermeister von Beit Sahour, Elias Iseed, richtete einen dringenden Appell an religiöse Führer und die internationale Gemeinschaft: „Ich fordere Sie auf, über bloße Besorgnisbekundungen hinauszugehen und sofort zu handeln, um die Ausweitung der Siedlungen zu stoppen.“ Es gehe darum, weitere Übergriffe in Ush Ghurab zu verhindern und die christliche Identität und Präsenz in der Region zu bewahren. „Wir bitten Sie um Solidarität, um Ihre Stimme für Gerechtigkeit und Menschenwürde zu erheben“, so Iseed.

(vatican news)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

11. März 2026, 09:25