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Statue auf der Karlsbrücke in Prag Statue auf der Karlsbrücke in Prag  (©neurobite - stock.adobe.com)

Tschechien: Vor der Seligsprechung der „Märtyrer von Babice“

Am 6. Juni wird das Brünner Messegelände zum Schauplatz eines historischen Akts der Gerechtigkeit.

Mit der Seligsprechung der Priester Václav Drbola (1912-1951) und Jan Bula (1920-1952) rehabilitiert die katholische Kirche zwei Männer, die zu Symbolfiguren des Widerstands gegen die kommunistische Willkür in der Tschechoslowakei in der Nachkriegszeit wurden. Die beiden Geistlichen gelten heute als unschuldige Opfer einer Justiz, die dem Staat zur Vernichtung des „Klassenfeindes“ Kirche diente. Mehr als sieben Jahrzehnte nach ihrem gewaltsamen Tod werden die „Märtyrer von Babice“ offiziell in den Stand der Seligen erhoben.

Die feierliche Messe zur Seligsprechung stößt in Tschechien auf großes öffentliches Echo: Bereits kurz nach Eröffnung der Registrierung meldeten sich mehr als 4.000 Gläubige an; die Diözese Brünn (Brno) rechnet mit bis zu 10.000 Teilnehmern im Pavillon P des Messegeländes in der mährischen Metropole.

Kardinal Czerny
Kardinal Czerny

Geleitet wird der Gottesdienst von Kurienkardinal Michael Czerny. Der 1946 in Brünn geborene Jesuit leitet seit 2022 die Vatikanbehörde für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen und galt als einer der engsten Berater von Papst Franziskus (2013-2025). Czernys eigene Familiengeschichte ist geprägt von Flucht und Verfolgung: Seine Familie musste 1948 vor dem Kommunismus nach Kanada emigrieren.

Das Schicksal der „Märtyrer von Babice“

Das Schicksal der künftigen Seligen Drbola und Bula ist untrennbar mit dem sogenannten „Fall Babice“ von 1951 verbunden, einem der dunkelsten und umstrittensten Kapitel der tschechoslowakischen Geschichte während der stalinistischen Ära. Er markiert einen brutalen Höhepunkt in der Unterdrückung der ländlichen Bevölkerung und der katholischen Kirche durch das damalige kommunistische Regime.

Am 2. Juli 1951 wurden in der Schule des mährischen Dorfes Babice drei lokale kommunistische Funktionäre erschossen, ein vierter wurde schwer verletzt. Die Tat wurde einer Gruppe um Ladislav Malý zugeschrieben. Malý behauptete, Agent eines westlichen Geheimdienstes zu sein, doch bis heute gibt es starke Zweifel an seiner wahren Identität und seinen Motiven. Viele Historiker vermuten, dass er entweder ein psychisch instabiler Abenteurer oder sogar ein Provokateur des tschechoslowakischen Staatssicherheitsdienstes (StB) war.

Das kommunistische Regime nutzte den Vorfall sofort als Vorwand für eine beispiellose Einschüchterungskampagne gegen „Klassenfeinde“ - insbesondere gegen wohlhabende Bauern (Kulaken) und den Klerus. Innerhalb kürzester Zeit wurden mehrere Schauprozesse organisiert. Es wurden insgesamt elf Todesurteile vollstreckt. Über 100 Personen erhielten teils lebenslange Freiheitsstrafen. Ganze Familien wurden aus ihren Häusern delogiert und zwangsumgesiedelt.

Damit wurde eine beispiellose Repressionswelle gegen die katholische Kirche gestartet. Václav Drbola, der Pfarrer von Babice, wurde als einer der Ersten verhaftet. Man warf ihm vor, von den Attentatsplänen gewusst und die Täter unterstützt zu haben. Trotz fehlender Beweise und unter dem Druck schwerer Verhöre wurde er zum Tode verurteilt und am 3. August 1951 in Jihlava (Iglau) gehängt.

Jan Bula, ein junger, bei seinen Pfarrangehörigen und der Jugend äußerst beliebter Priester aus Rokytnice nad Rokytnou, wurde Opfer einer gezielten Provokation durch den Geheimdienst StB. Man beschuldigte ihn der Kooperation mit dem bewaffneten Widerstand. Bula wurde am 23. Jänner 1952 hingerichtet.

Bedeutung für Kirche und Gesellschaft

In der tschechischen Kirche, die in einer stark säkularisierten Gesellschaft lebt, werden die beiden modernen Märtyrer heute als Identifikationsfiguren gesehen, die für Zivilcourage und moralische Integrität stehen. Der Seligsprechung von Bula und Drbola wird aber über die Kirche hinaus für die Gesellschaft Bedeutung zugemessen. Zum einen geht es um historische Aufarbeitung: Tschechien ringt noch immer mit dem Erbe der totalitären Vergangenheit. Die öffentliche Ehrung der Priester rückt das Unrecht der 1950er Jahre ins Bewusstsein einer jüngeren Generation.

(kap – sk)
 

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12. März 2026, 10:05