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Denkmal für die gefallenen ukrainischen Soldaten in Kyiv Denkmal für die gefallenen ukrainischen Soldaten in Kyiv  (AFP or licensors)

Ukraine: Kardinal Radcliffe auf Solidaritätsreise

Inmitten einer neuen Phase der Gewalt ist der englische Kardinal Timothy Radcliffe zu einem zweiwöchigen Solidaritätsbesuch in die Ukraine gereist. Der christliche Glaube müsse gerade jetzt als „Sakrament der Hoffnung“ wirken, so der Dominikaner im Interview mit den Vatikanmedien. Seine Botschaft an das leidende Volk: Der Frieden wird am Ende siegen.

P. Mariusz Krawiec – Kyiv und Mario Galgano – Vatikanstadt

Seit dem 27. Februar 2026 hält sich Radcliffe in der Ukraine auf. Es ist eine Reise der Präsenz und des geistlichen Beistands. Der Kardinal, der weltweit für seine tiefgründigen Reflexionen zur Synodalität bekannt ist, leitet in der ukrainischen Hauptstadt Exerzitien und sucht das Gespräch mit den Menschen vor Ort.

Zuhören als Akt des Friedens

Auf die Frage nach seiner Hauptbotschaft für die Ukrainer antwortete Radcliffe mit bemerkenswerter Zurückhaltung: Man dürfe nicht mit einer fertigen Botschaft ankommen. „Man muss kommen, um zuzuhören. Was man zu sagen hat, muss erst aus dem Zuhören entstehen“, so der Kardinal. Dies sei der Kern der Synodalität: Gott und einander zuzuhören, besonders in Zeiten, in denen Gewalt dazu verleite, „die Ohren zu verschließen“.

In Kyiv widmete er seine geistlichen Impulse dem „Vaterunser“. Er bezeichnete es als das größte aller Gebete, das Jesus selbst im Angesicht seines Todes gebetet habe. Für Menschen, die mit unermesslichem Leid konfrontiert sind, sei dieses Gebet ein „großes Geschenk“.

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Gegen die Logik der Unvermeidbarkeit

Angesichts der weltweit zunehmenden Gewalt – nicht nur in Europa und im Nahen Osten, sondern auch in Afrika und im Südsudan – mahnte Radcliffe ein klares christliches Zeugnis an. Die Welt brauche heute mehr denn je die Gewissheit, dass Frieden möglich und Krieg „nicht unvermeidlich“ sei.

Der Kardinal zog eine Parallele zur Einsetzung der Eucharistie:

„Unser Sakrament der Eucharistie wurde in einem Moment eingesetzt, als es schien, dass keine Hoffnung mehr blieb – während des Letzten Abendmahls, als nur Tod und Gewalt bevorstanden. Genau dann gab Jesus sich selbst hin. Das ist unser großes Sakrament der Hoffnung.“

Synodalität gegen die Kultur der Slogans

Radcliffe kritisierte eine Welt, die zunehmend von Slogans geprägt sei, in denen Menschen sich nicht mehr wirklich öffnen oder versuchen, den anderen zu verstehen. Er erinnerte an das Konsistorium in Rom im vergangenen Januar, bei dem Papst Leo XIV. die Kardinäle vor allem dazu aufgerufen hatte, einander zuzuhören.

Dieser Weg sei das „Geschenk der Kirche an eine Welt voller Gewalt“. Es gehe darum, nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit der „Einbildungskraft“ zuzuhören: „Sind wir fähig, uns vorzustellen, warum andere anders denken als wir?“

Kardinal Radcliffe wird seinen Besuch in der Ukraine noch bis Mitte März fortsetzen, um weitere Gemeinschaften zu besuchen und das Gebet für einen baldigen Waffenstillstand zu unterstützen, wie ihn auch Papst Leo XIV. erst kürzlich beim Angelus-Gebet erneut mit Nachdruck gefordert hatte.

(vatican news)

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03. März 2026, 10:56