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Rauch über Teheran Rauch über Teheran  (ANSA)

Kardinal Cupich: Darstellung von Krieg wie Videospiel „moralisches Versagen“

Als „widerwärtig“ bewertet der Erzbischof von Chicago, Kardinal Blase Cupich, ein Video, das das Weiße Haus auf seinem X-Account veröffentlicht hat und in dem Szenen aus beliebten Actionfilmen mit echten Aufnahmen der Angriffe auf den Iran gemischt werden. Es handele sich um „eine grauenvolle Darstellung“, erklärte der Kardinal in einer Stellungnahme.

In einer Erklärung mit dem Titel „Ein Appell an das Gewissen“ („A Call to Conscience“) befasst Cupich sich mit den menschlichen Kosten des anhaltenden Konflikts mit dem Iran. Insbesondere beklagt der Erzbischof von Chicago die „widerwärtige“ Art und Weise, wie der Krieg im Internet dargestellt wird.

Unter Bezugnahme auf die jüngsten Bombardierungen schreibt Kardinal Blase Cupich: „Mehr als 1.000 iranische Männer, Frauen und Kinder sind nach tagelangen Bombardierungen durch US-amerikanische und israelische Raketen ums Leben gekommen. Am Donnerstagabend veröffentlichte der offizielle X-Account des Weißen Hauses ein Video mit Szenen aus beliebten Actionfilmen, die mit tatsächlichen Aufnahmen von Angriffen aus ihrem Krieg gegen den Iran zusammengeschnitten wurden. Der Clip trug die Überschrift: ,JUSTICE THE AMERICAN WAY' (,Gerechtigkeit auf amerikanische Art').“ Es sei widerwärtig, dass „ein echter Krieg und echtes Leid“ wie ein Videospiel behandelt würden, so der Kirchenmann.

Entehrung der zivilen Opfer und der Soldaten

„Hunderte von Menschen sind tot, Mütter und Väter, Töchter und Söhne, darunter Dutzende von Kindern, die den fatalen Fehler begangen haben, an diesem Tag zur Schule zu gehen. Sechs US-Soldaten wurden getötet. Auch sie werden durch diesen Social-Media-Beitrag entehrt. Hunderttausende sind vertrieben worden“, betont Kardinal Cupich, „und viele Millionen weitere Menschen im Nahen Osten leben in Angst.“

Er stellt fest, dass „die Distanz zwischen Schlachtfeld und Wohnzimmer drastisch verringert wurde“, und zeigt sich davon überzeugt, dass die moralische Krise, mit der wir konfrontiert seien, über den Krieg selbst hinausgehe und auch darin bestehe, „wie wir als Beobachter Gewalt sehen, denn Krieg ist mittlerweile zu einem Zuschauersport oder Strategiespiel geworden“.

Der Erzbischof merkt an, dass sogar Journalisten mittlerweile den Begriff der „Gamifizierung“ des Krieges verwenden, um diese Dynamik zu beschreiben - eine Wortwahl, die „den realen Menschen ihre Menschlichkeit nimmt“:

„Was für ein tiefgreifendes moralisches Versagen“, klagt Cupich in der Stellungnahme, die auf der Internetseite der Diözese veröffentlicht wurde: „Vergessen wir nicht, dass ein ‚Treffer‘ nicht bedeutet, Punkte auf dem Spielstand zu sammeln; sondern eine trauernde Familie, deren Leid wir ignorieren, wenn wir Unterhaltung und Profit über Empathie stellen.“

Abstumpfung gegenüber den Kosten des Krieges

Klare Worte findet der Erzbischof für die Haltung der US-Regierung, die „das Leiden des iranischen Volkes wie eine Kulisse für unsere eigene Unterhaltung” behandele, als wäre es nur ein weiterer Inhalt, den man durchblättert, während man in der Schlange im Supermarkt wartet.“

Doch am Ende riskierten wir, unsere eigene Menschlichkeit zu verlieren, „wenn wir von der zerstörerischen Macht unseres Militärs begeistert“ seien: „Wir werden süchtig nach dem ‚Spektakel‘ von Explosionen. Und der Preis für diese Gewöhnung ist fast nicht wahrnehmbar, da wir gegenüber den wahren Kosten des Krieges abgestumpft werden. Aber je länger wir blind für die schrecklichen Folgen des Krieges bleiben, desto mehr riskieren wir das kostbarste Geschenk, das Gott uns gegeben hat: unsere Menschlichkeit“, unterstreicht er abermals.

Abschließend erklärt Kardinal Cupich: „Ich weiß, dass das amerikanische Volk besser ist als das. Wir haben den gesunden Menschenverstand, um zu erkennen, dass das, was geschieht, keine Unterhaltung, sondern Krieg ist, und dass der Iran eine Nation von Menschen ist und kein Videospiel, das andere spielen, um uns zu unterhalten.“

(vatican news - cs)

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08. März 2026, 12:10