Tyre, Libanon: Eine Vertriebene besichtigt den Ort, der ihre Wohnung war Tyre, Libanon: Eine Vertriebene besichtigt den Ort, der ihre Wohnung war 

Libanon: „Es zerstört ihr Leben“

Die Menschen im Libanon haben die Nase voll vom Krieg, und nicht erst seit gestern: Das sagt in unumwundenen Worten der Libanon-Fachmann beim katholischen Hilfswerk Misereor, Frank Wiegandt. Seit Jahrzehnten sind Angst und Flucht ständige Begleiter im Leben der Libanesen. Sie hoffen auf den Einsatz der internationalen Gemeinschaft und sind sich klar darüber, dass die Hisbollah ihre Waffen abgeben muss.

Frank Wiegandt arbeitet normalerweise in Beirut, musste das Land aber wegen der unsicheren Lage infolge der israelischen Attacken verlassen. Die Menschen, die nicht die Möglichkeit haben wegzugehen, sind zermürbt von dem, was sie in ihrem Land seit langem erleben, sagte Wiegandt dem Pressedienst von Misereor.

„Die Menschen sind müde, sie sind unendlich müde, sie haben die Nase voll davon, dass alles, was sie sich aufgebaut haben, wieder kaputt gemacht wird. Das geht seit 50 Jahren so, immer wieder Krieg im Libanon. Und es trifft die einfachen Leute, die mit Politik eigentlich nichts am Hut haben. Es zerstört ihr Leben.“

Frank Wiegandt, Misereor
Frank Wiegandt, Misereor
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Für Familien sei die Lage besonders schwer. „Es gibt Unsicherheit über die Zukunft, es gibt keine Sicherheit, nirgendwo, weder physisch noch materiell, der Libanon hat keine Warnsirenen, es gibt keine Schutzkeller, jeder muss sehen, wo er bleibt und wie er klarkommt.“

„Sie überleben in Zeltlagern, in Notunterkünften, in Hotels, bei Verwandten“

Seit Beginn der massiven Eskalation der israelischen Angriffe im Libanon, besonders September 2024 und erneut ab März 2026, mussten laut UN-Angaben und libanesischen Behörden mehr als eine Million Menschen fliehen. Das entspricht einem Fünftel der Bevölkerung. „Sie überleben in Zeltlagern, in Notunterkünften, in Hotels, bei Verwandten, bei Bekannten“, sagt Wiegandt. „Da sind Männer und Frauen, Jung und Alt, alle zusammengepfercht auf engem Raum.“ Das hat schwerwiegende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. „Beruhigungsmittel sind im Moment der Verkaufsschlager in den Apotheken. Es gibt die Angst vor dem nächsten Angriff, den nächsten Bomben. Die Angst davor sein Leben oder das Leben seiner Kinder zu verlieren.“

Auch wenn Wiegandt derzeit nicht im Libanon sein kann: Misereror hilft den Betroffenen, ihren Alltag zu bewältigen. „Unsere lokalen Partner spielen eine sehr starke Rolle, sie beschaffen Unterkünfte für die Binnenflüchtlinge, sie versorgen sie mit dem Nötigsten, sie betreuen und beraten die Menschen in Not, mit Lebensmitteln, mit Decken, mit Hygieneartikeln, mit Spielzeug für die Kinder.“

Weg mit den Waffen der Hisbollah: Voraussetzung für Frieden

Im Libanon richtet sich die Hoffnung auf die Staatengemeinschaft. Die Menschen wünschen sich Aufmerksamkeit, aber auch konkreten Einsatz für Frieden. „Sie hoffen darauf, dass sich die internationale Gemeinschaft mobilisiert und für den nachhaltigen Frieden im Libanon eintritt. Das bedeutet, dass die Hisbollah ihre Waffen abgeben muss und Israel sich aus dem Südlibanon zurückziehen muss. Damit würde wieder Ruhe und Stabilität eintreten. Und dann muss der libanesische Staat unterstützt werden, damit er seine Souveränität und sein Gewaltmonopol wieder erlangt.“

(misereor/vatican news – gs)

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24. April 2026, 09:34