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Der Empfang des apostolischen Nuntius, Erzbischof Borgia, durch die Einwohner von Rmeish am vergangenen 16. März. Der Empfang des apostolischen Nuntius, Erzbischof Borgia, durch die Einwohner von Rmeish am vergangenen 16. März. 

Libanon: Drei christliche Dörfer zwischen Trümmern und Blockade

Im südlichen Libanon, in der Zone entlang des Litani-Flusses, die das israelische Militär (IDF) auch nach Inkrafttreten des Waffenstillstands auf seinen Karten rot markiert hat, verbleiben nur drei Ortschaften noch relativ unversehrt: Rmeish, Debel und Ain Ebel. In diesen ausschließlich von Christen bewohnten Dörfern halten derzeit etwa 2.000 Familien unter schwierigen Umständen aus.

Federico Piana und Mario Galgano - Vatikanstadt

Während in benachbarten Gemeinden wie Ayta Al Chaab laut Augenzeugenberichten „kein Stein auf dem anderen geblieben ist“, stellt die Isolation für die Verbliebenen die größte Herausforderung dar.

Blockierte Verkehrswege und knappe Ressourcen

Nach Angaben von Tony Elias, dem maronitischen Vizepfarrer von Rmeish, sind die Zufahrtswege zu den Dörfern unterbunden. „Es gibt keinen Zugangsweg. Alle Straßen sind blockiert“, berichtet der Geistliche in einem Telefonat mit Vatikanmedien. Die israelische Armee untersage den Bewohnern das Verlassen der Zone, was die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern erschwere. Es fehle zunehmend an Wasser, Säuglingsnahrung und Gasöl.

Zwar gelang es dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz zuletzt, Schwerkranke aus der Region zu evakuieren und nach Beirut zu transportieren, doch die medizinische Lage vor Ort bleibt prekär. Insbesondere Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Krebs sind auf Medikamentenlieferungen angewiesen, die derzeit kaum die Blockade passieren.

Das Ende der militärischen Mittel

Die Bewohner der Enklave beobachten die Zerstörung der umliegenden, überwiegend schiitisch geprägten Dörfer. Pater Elias beschreibt die Situation der Rückkehrer in angrenzende Gebiete als verheerend: „Sie haben versucht, in ihre Häuser zurückzukehren, aber alles, was sie vorfanden, waren menschenleere Zonen, so groß wie Hunderte von Fußballfeldern.“

Angesichts dieser Verwüstung richtet der Geistliche auch einen Appell an die Hisbollah. Er fordert die Abgabe der Waffen und die alleinige Gebietskontrolle durch die libanesische Armee. „Heute sind im Süden fast alle Dörfer zerstört. Wozu haben eure Waffen gedient?“, so Elias an die Hisbollah gerichtet.

Ungewissheit trotz Waffenstillstand

Obwohl eine Feuerpause vereinbart wurde, bleibt die Bewegungsfreiheit in der Grenzregion massiv eingeschränkt. Die Anwohner reinigen derzeit Regenwasser, um Trinkwasser zu gewinnen, während die Vorräte an Reis und Mehl zur Neige gehen. Für Pater Elias, der nach eigenen Angaben bereits vier Kriege im Südlibanon miterlebt hat, ist die Belastungsgrenze erreicht. Die zentrale Frage, die die 2.000 Familien in der Enklave umtreibt, lautet: „Wie lange können wir noch standhalten?“

(vatican news)

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22. April 2026, 12:49