Bericht: Hinrichtungen in Nordkorea während Covid stark angestiegen
Nordkorea hatte im Januar 2020 seine Grenzen geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Forschungen und Medienberichte deuten darauf hin, dass das diplomatisch isolierte Land in den folgenden Jahren die Sicherheitsmaßnahmen an seinen Grenzen drastisch ausbaute. Menschenrechtsaktivisten erklärten, dass die Abriegelung die bereits seit langem bestehenden Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea verschärft habe.
Einem nun veröffentlichten Bericht der Menschenrechts-NGO Transitional Justice Working Group zufolge, den die Agentur Ucanews aufgegriffen hat, habe sich die Zahl der Hinrichtungen und Todesurteile in den fast fünf Jahren nach der Grenzschließung im Vergleich zum gleichen Zeitraum davor mehr als verdoppelt, während die Zahl der zum Tode Verurteilten sich im gleichen Zeitraum sogar mehr als verdreifacht habe. Die Organisation stützte sich auf Aussagen von Hunderten nordkoreanischer Flüchtlinge sowie auf mehrere Medien, die über Netzwerke von Quellen innerhalb des abgeschotteten Landes verfügen, in dem es keine unabhängigen Medien und kaum internationale Präsenz gibt.
Schwierige Untersuchung
Untersucht wurden 144 bekannte Fälle von Hinrichtungen und Todesurteilen, die insgesamt Hunderte von Menschen betrafen. Seit der Pandemie haben die Behörden laut Bericht die Anwendung der Todesstrafe für Delikte wie den Konsum südkoreanischer Filme, Serien und Musik deutlich ausgeweitet. Fälle der Todesstrafe im Zusammenhang mit ausländischer Kultur, Religion und „Aberglauben“ stiegen der Erhebung zufolge nach der Grenzschließung um 250 Prozent.
Ein weiterer deutlicher Anstieg bei Hinrichtungen wegen politischer Verbrechen, etwa Kritik an Machthaber Kim Jong Un, könnte darauf hindeuten, dass die Regierung „auf wachsende interne Unzufriedenheit reagiert oder die staatliche Gewalt zur Unterdrückung politischen Widerstands intensiviert“, heißt es in dem Bericht weiter.
Öffentliche Hinrichtungen
Fast drei Viertel der Hinrichtungen seien öffentlich vollstreckt worden, wobei die meisten Menschen erschossen wurden. Weiter heißt es, dass Tötungen seit dem Machtantritt von Kim Jong Un Anfang der 2010er Jahre in Dutzenden Städten und Landkreisen stattgefunden hätten. Dazu gehörten mehrere Orte in der Hauptstadt Pjöngjang sowie öffentliche Plätze wie stillgelegte Flugfelder, Flussufer, landwirtschaftliche Flächen und offene Lagerplätze für Bergbauabfälle.
Der nordkoreanischen Regierung werden Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Zwangsarbeit sowie massive Einschränkungen der Meinungs- und Bewegungsfreiheit vorgeworfen. Berichten zufolge betreibt das Land vier politische Straflager, in denen laut einem Bericht des Korea Institute for National Unification aus dem Jahr 2025 bis zu 65.000 Menschen zu harter Arbeit gezwungen werden.
Besorgnis der UNO
Das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte erklärte im vergangenen Jahr, dass sich die allgemeine Menschenrechtslage in Nordkorea in den vergangenen zehn Jahren nicht verbessert habe und sich in vielen Fällen sogar verschlechtert habe.
Nordkorea weist die Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen konsequent zurück und beschuldigt die Vereinten Nationen, Menschenrechte zu politisieren, um das Regime zu untergraben.
Papst Leo XIV. fordert Stopp der Todesstrafe
Papst Leo XIV. hat sich schon mehrfach - und in den vergangenen Tagen besonders deutlich - gegen die Todesstrafe ausgesprochen. Nicht nur hatte er auf dem Rückflug nach Rom energisch unterstrichen, dass er die Todesstrafe und ein Regime, dass diese anwende, verurteile, sondern einige Tage danach auch eine Videobotschaft in die USA geschickt, wo des Jahrestags der Abschaffung der Todesstrafe im US-Bundestaat Illinois gedacht wurde.
„Ich spreche (…) jenen meine Unterstützung aus, die sich für die Abschaffung der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten von Amerika und auf der ganzen Welt einsetzen“, so Papst Leo XIV. in der Videobotschaft, in der er zu einem Großteil den entsprechenden Passus des Katechismus zitiert, den sein Vorgänger Franziskus 2018 geändert – und damit für Katholiken die Befürwortung der Todesstrafe unmissverständlich als „unzulässig“ erklärt hatte.
(ucanews/vatican news - cs)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.