Angola und der Sklavenhandel: Wo Menschen zu Ware gemacht wurden

Auf einem Hügel direkt am Atlantik steht, etwas außerhalb von Luanda, ein Gebäude, das eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Angolas heraufbeschwört: das „Nationale Sklaverei-Museum“.

Stefan von Kempis – Luanda

Es erinnert an die Millionen von Sklaven, die während der portugiesischen Kolonialherrschaft bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein von den Küsten Afrikas über den Atlantik in die Neue Welt gebracht wurden. „Den statistischen Daten zufolge wurden zehn Millionen Menschen von den Häfen Angolas aus als Sklaven verschifft“, erläutert Leonardo Dolumba, einer der Verantwortlichen des Museums. Allein aus Luanda traten, auch wenn die überlieferten Zahlen schwanken, womöglich fast drei Millionen gefangene Afrikaner, in Halseisen gezwängt, diese Reise ohne Wiederkehr an.

Das weiße, quadratische Bauwerk auf dem „Morro da Cruz“, dem Kreuzhügel, wurde 1786 vom portugiesischen Admiral Álvaro de Carvalho Matoso, einem der berüchtigtsten Menschenhändler, errichtet. Zu diesem Zeitpunkt hatten die portugiesischen Kolonialherren schon seit drei Jahrhunderten Erfahrung mit dem Verschleppen von Afrikanern – zuerst aus dem Senegal, später aus Mosambik und Angola.

Die Kapelle
Die Kapelle


Zwangstaufe vor dem Einschiffen in die Neue Welt

Der erste Raum des Sklaverei-Museums ist eine Kapelle, die etwas älter ist als der Bau des Admirals; hier wurden die Gefangenen zwangsweise getauft, wobei sie ihre afrikanischen Namen ablegen mussten. An der Wand sind noch ein Taufbecken und ein Kruzifix zu sehen. Mit der Auflage, die Gefangenen zu Christen zu machen, beruhigte die tief ins Kolonialsystem verstrickte Kirche ihr Gewissen; an der grausamen Behandlung der Sklaven änderte die Taufe nichts.

Last der Geschichte: Ein Besuch im Sklaverei-Museum von Angola (Radio Vatikan)

„Ich bin seit 25 Jahren hier im Sklavenmuseum“, sagt Dolumba. „Dieses Museum ist weltweit bekannt. Hierher kommen Ausländer aus aller Welt, und wir empfangen viele Touristen.“ Auch US-Präsident Joe Biden kam Ende 2024 als Besucher hierhin, kurz vor dem Ende seiner Amtszeit. „Wenn wir die Geschichte des Sklavenhandels erzählen, ist das natürlich schmerzhaft. Aber es muss sein - diese Geschichte muss erzählt werden, damit die neuen Generationen wissen, was damals geschah.“

Auch Joe Biden war hier zu Besuch

Die einfachen Räume des zweistöckigen Bauwerks zeigen ein paar Dutzend Ausstellungsstücke, die das Grauen von damals eindringlich vor Augen führen. In den Vitrinen liegen eiserne Handschellen und bleischwere Fußkugeln; an der Wand hängen hölzerne Werkzeuge, mit denen die Sklaven gezüchtigt wurden. Schiffsmodelle machen anschaulich, wie die Seelenverkäufer aussahen, die die Gefangenen unter menschenwürdigen Umständen in ihrem Schiffsbauch transportierten. Aus den Fenstern schweift der Blick hinüber zum Atlantik. Neben dem Museum, unter freiem Himmel, stehen große Bottiche: Den Sklaven wurde Alkohol eingeflößt, damit sie benebelt waren und nicht aufbegehrten.

„Die meisten Sklaven wurden von Angola aus nach Brasilien verschifft“, so Dolumba. „An zweiter Stelle standen die Vereinigten Staaten von Amerika, weitere Zielländer waren Jamaika, die französischen Überseegebiete, Guadeloupe und Haiti.“ Erst 1836 rang sich Portugal zu einem Verbot der Sklaverei durch, und es dauerte weitere drei Jahrzehnte, bis alle Sklaven auch wirklich freigelassen waren. Seit 1977 ist der Bau, in dem einst Menschen zu Ware gemacht wurden, ein Museum.

Folgen der Sklaverei noch heute spürbar

Die Folgen der Sklaverei sind heute noch in Angola zu spüren“, sagt Dolumba. „Zum einen, weil die Zahl der Verschleppten sehr hoch war. Die Folgen sind vielfältig; wir spüren die Vergangenheit.“ Dass ein großer Teil der angolanischen Bevölkerung in Armut lebt, bringen viele mit der Ausbeutung in der Kolonialzeit und mit dem Sklavenhandel in Verbindung. „Und heute arbeiten wir daran, dass auch die neuen Generationen, die Kinder, die Geschichte der Vergangenheit kennenlernen.“

Papst Leo XIV. wird das Sklaverei-Museum wohl nicht besuchen. Aber im Marienwallfahrtsort Muxima kommt er dieser Vergangenheit am Sonntag sehr nahe: Unmittelbar unterhalb der Wallfahrtskirche verläuft der Fluss, auf dem Sklaven zum Atlantik gebracht wurden.

(vatican news)

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19. April 2026, 09:59