Vertriebene Menschen aus dem Sudan im Camp von El-Fasher Vertriebene Menschen aus dem Sudan im Camp von El-Fasher  (AFP or licensors)

Sudan: Eine vergessene Generation

Zwanzig Jahre nachdem die Gewalt in Darfur die Weltöffentlichkeit erschütterte und Millionen von Menschen in die Flucht trieb, befinden sich die Kinder der Region erneut in einer existenzbedrohlichen Lage.

In dem aktuell veröffentlichten UNHCR-Bericht mit dem Titel „Darfur: 20 Jahre später, Kinder sind weiterhin in Gefahr“ weist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen darauf hin, dass die gegenwärtige Krise durch eine geringere internationale Beachtung und unzureichende Hilfsgelder gekennzeichnet ist.

Seit dem Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen haben die Vereinten Nationen landesweit mehr als 5.700 schwere Verletzungen der Kinderrechte verifiziert. Diese Vorfälle betreffen mindestens 5.100 Kinder, wobei die Zahl der Getöteten oder Verstümmelten die Marke von 4.300 überschreitet. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 wurden Berichten zufolge mindestens 160 Kinder getötet und 85 weitere verletzt, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum darstellt.

Mehr als 1.500 schwere Verstöße dokumentiert

Besonders kritisch stellt sich die Situation in der Stadt El-Fasher dar. Dort wurden seit April 2024 mehr als 1.500 schwere Verstöße gegen Kinder dokumentiert, die den Konfliktparteien zugeschrieben werden. Über 1.300 Kinder wurden in diesem Gebiet getötet oder verstümmelt, häufig durch den Einsatz von Explosivwaffen und Drohnen. Zudem berichtet das Kinderhilfswerk von Entführungen, sexueller Gewalt sowie der Rekrutierung Minderjähriger durch bewaffnete Gruppen. Es wird davon ausgegangen, dass diese Zahlen das tatsächliche Ausmaß der Übergriffe nur unvollständig abbilden.

In der gesamten Region Darfur tragen Kinder die Hauptlast der Kämpfe, da der Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung weitgehend zusammengebrochen ist. Hunger und Krankheiten breiten sich aus, während Millionen von Minderjährigen aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Viele suchen Zuflucht im Osten des Tschad, wo die lokalen Kapazitäten zur Versorgung der Ankommenden erschöpft sind. Der Bericht zieht Parallelen zum Jahr 2005, als der weltweite Aufschrei eine umfassende humanitäre Reaktion auslöste. Heute jedoch behindern fehlende Finanzmittel, bürokratische Hürden und die mangelnde Sicherheit den Zugang zu lebensnotwendiger Hilfe.

Die Generaldirektorin des Kinderhilfswerks, Catherine Russell, äußert sich besorgt über die aktuelle Entwicklung. Sie erklärt, dass sich die Geschichte nicht wiederholen dürfe und eine neue Generation von Kindern erneut mit Gewalt und Terror konfrontiert sei. Russell fordert die Konfliktparteien auf, die Kämpfe zu beenden und den Schutz der Zivilbevölkerung sowie einen ungehinderten Zugang für humanitäre Organisationen zu gewährleisten. Trotz der widrigen Umstände bemühen sich das Kinderhilfswerk und seine Partner weiterhin um die Bereitstellung von sauberem Wasser, Nahrung und psychosozieller Unterstützung für die betroffenen Familien in der Region.

(pm/vatican news - mg)

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29. April 2026, 11:06