Suche

Patriarch Pizzaballa mit seinem Vikar für Palästina, William Shomali Patriarch Pizzaballa mit seinem Vikar für Palästina, William Shomali  (AFP or licensors)

Patriarchalvikar für Palästina: Im Anderen das Ebenbild Gottes erkennen

Deutliche Worte zur aktuellen Situation im Heiligen Land und der Rolle der Christen vor Ort hatte der Patriarch in Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, vor genau einer Woche in einem langen Hirtenbrief gefunden. Das hat der Vikar des Lateinischen Patriarchats für Palästina, William Shomali, nun zum Anlass genommen, über die Rolle der Christen im Heiligen Land nachzudenken. Er lädt dazu ein, „keine Vorurteile zu haben, keine vergifteten Erinnerungen, die zu Hass und Gewalt führen“.

Dies sei „das Allererste“, so Shomali: „Es bedeutet, den Anderen als Ebenbild Gottes anzunehmen... Und derzeit ist das ein ernstes Problem: Wenn jeder den Anderen als Feind mit Feindseligkeit betrachtet, führt das zu Krieg und Rache. Man muss ihn daher mit einem wohlwollenden Blick sehen, als jemanden, der das Bild Gottes in sich trägt, auch wenn er anders ist als ich.“

Dies sei „ein grundlegendes Problem im Heiligen Land“, unterstreicht der Patriarchalvikar für Palästina: „Wie betrachten wir den anderen? Wie kann man in Dialog treten, wenn seit vielen Jahren jeder Dialog praktisch unmöglich erscheint? Es stimmt, der Patriarch erkennt an, dass sich der Dialog derzeit in einer Krise befindet. Aber man muss aus der Sackgasse des Elitendialogs herauskommen und zum ,Dialog des Lebens‘ übergehen.“

Hier der Beitrag zum Nachhören

Dialog des Lebens

Ein Dialog, der sich zum Beispiel in den Schulen des Patriarchats zeigt. Von 63.000 Schülern seien etwas mehr als die Hälfte Muslime, unterstreicht der Vikar.

„Es gibt also einen existenziellen Dialog. Die Schüler lernen zwölf Jahre lang gemeinsam. Deshalb muss man im Dialog bleiben – im Dialog des Lebens. In den Krankenhäusern können die Patienten Muslime, Juden oder Christen sein. Das sind kleine Gesten, aber sie sind wichtig, denn man muss immer mit kleinen Schritten beginnen.“

Kürzlich habe man begonnen, mit liberalen Rabbinern in Dialog zu treten, die offen seien und bereit, mit den Palästinensern zu sprechen, berichtet Shomali weiter:

„Man sollte vielleicht damit anfangen, über die menschliche Würde zu sprechen. Denn wenn wir überzeugt sind, dass jeder Mensch eine eigene, gleiche Würde besitzt, dann ist das bereits ein guter Anfang. Man muss bei den gemeinsamen Punkten beginnen, bei dem, worin wir übereinstimmen. Dann kann man langsam, wenn ein Vertrauensklima entstanden ist, auch zu den Punkten kommen, bei denen es Unterschiede gibt.“

„Die Freude des Evangeliums ist die einzige Weise, wie Christen derzeit im Heiligen Land standhalten können“

„Wir können all das nicht allein tun, aber mit der Freude des Evangeliums werden wir es schaffen“, schrieb der Patriarch abschließend in seinem Brief. „Die Freude des Evangeliums" sei „die einzige Weise, wie Christen derzeit im Heiligen Land standhalten können.“ Denn Freude entstehe durch Hoffnung - und diese gründe auf der Wahrheit der göttlichen Verheißung. Eine pastorale Botschaft, die die Gläubigen des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem gerade in diesem besonderen Moment besonders nötig hätten, betont Shomali:

„Ja, sie brauchen diese Botschaft, denn wir leben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die Zukunft erscheint düster angesichts all der Angriffe von Siedlern auf palästinensische Dörfer und Städte, in denen Muslime und Christen leben… In den täglichen Nachrichten wird darüber berichtet – zusätzlich zu dem, was in Gaza oder im Südlibanon geschieht. Die Nachrichten sind also nicht beruhigend. Deshalb brauchen wir Orientierungspunkte, um zu verstehen, warum wir nicht verzweifeln dürfen. Dieser Brief gibt eine Antwort auf unsere Frage: Warum müssen wir die Hoffnung bewahren?“

Ein dichter Hirtenbrief

Am Montag, 27. April, wurde ein langer pastoraler Brief von Kardinal Pierbattista Pizzaballa veröffentlicht, der sich an alle Gläubigen des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem richtete, das Israel, Palästina und Gaza, Jordanien sowie Zypern umfasst. Darin stellte er eine Reflexion über die Rolle der Christen im Heiligen Land an, unter dem Eindruck der Angriffe vom 7. Oktober und dem Krieg in Gaza. Der Brief soll auch in Buchform veröffentlicht werden.

William Shomali ist als Vikar des Lateinischen Patriarchats für Palästina zuständig.

Der Text basiert auf einem Interview von Xavier Sartre der französischsprachigen Sektion für Radio Vatikan.

(vatican news - cs/nm)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

04. Mai 2026, 17:03