Bischof von Assisi fordert Schuldenerlass für arme Länder
Eugenio Bonanata und Stefanie Stahlhofen – Vatikanstadt
„Geld macht nicht glücklich, aber es könnte die Probleme vieler Leute erleichtern, wenn sich das Geld nicht in den Händen einiger weniger konzentrieren würde und so ein Ungleichgewicht zwischen den Menschen schafft", stellt Bischof Felice Accrocca im Interview mit den vatikanischen Medien fest. Er ist der neue Bischof von Assisi-Nocera Umbra-Gualdo Tadino und Foligno: Im März hat er sein Amt angetreten, und am zurückliegenden Wochenende hat er somit erstmals in Assisi die Feierlichkeiten geleitet, die im Heiligtum der Entkleidung daran erinnern, wie Franz von Assisi sein Leben radikal änderte.
Im Bischofshaus hat der große italienische Heilige sich damals in einer dramatischen Geste all seiner Kleider entledigt - als Zeichen dafür, dass er künftig auf alle weltlichen Güter verzichten wollte um sich ganz Gott und den Menschen, vor allem den Bedürftigsten zu widmen. Eine ähnlich einschneidende Aktion wünscht sich der neue Bischof von Assisi auch für die heutige Zeit:
„Ich spüre, dass Franziskus der heutigen Welt viel zu sagen hat. Das denke ich schon immer, aber angesichts der aktuellen Weltlage spüre ich, dass er auf noch dramatischere Weise wieder aktuell wird. (...) Vergebung bedeutet einen Nachlass der Schuld und man könnte vielen Ländern, die von der Schuldenlast erdrückt werden, die Schulden erlassen. Arme Länder, die Schulden haben. Das haben die Päpste, etwa Johannes Paul II., bereits zum heiligen Jahr 2000, gefordert", erinnert der Bischof von Assisi. Papst Franziskus bekräftigte die Forderung nach einem Schuldenerlass für arme Länder zum heiligen Jahr 2025/2026.
„Man hat also wieder über das Thema geredet, aber mir scheint, es hieß sparen, sparen und irgendwie sind die Leute dann darüber hinweggeglitten, obwohl das eine interessante Frage ist, die man vertiefen sollte und die positive Ergebnisse bringen könnte", mahnt Bischof Accrocca zum Thema Schuldenerlass für arme Länder. Und während Schuldenerlasse kein Thema zu sein scheinen, werden immer mehr Gelder für Waffen bereitgestellt, kritisiert der Bischof von Assisi:
„Inzwischen juckt es kaum mehr wen, wenn gesagt wird: Wir müssen die Ausgaben für Waffen erhöhen. Das erscheint mir sehr gefährlich und auch ungerecht. Franz von Assisi schlägt uns eine radikale Alternative zu diesem Denkmodell vor, denn er geht davon aus, dass alle Menschen Geschwister sind und ihnen durch Gott die Schuld vergeben wird. Wenn alle Menschen Geschwister sind, sind sie alle gleich und haben die gleichen Rechte und Pflichten. Und unter Geschwistern, in einer Familie, gibt es keine reicheren und ärmeren, alle sind auf der gleichen Ebene."
Der Bischof stellt klar, dass es hier nicht darum gehe, Vielfalt zu verlieren, sondern einfach allen die gleichen Grundvoraussetzungen zu garantieren:
„Es bedeutet, dass alle die gleiche Startposition haben und nicht, dass einige sozusagen schon 100 Meter voraus starten." Positiv sieht der Bischof von Assisi, dass in dem Wallfahrtsort unter dem Motto „Economy of Francesco" regelmäßig Treffen von Wirtschaftsexperten, Forschern und Jungunternehmern stattfinden:
„Es gibt Ideen einer Wirtschaft, die von der Vision Franz von Assisis ausgehen und ich denke, dass sie ermutigt und unterstützt werden müssen. Etwa in dem Sinne, dass junge Studierende, die teils in ärmeren Ländern sind, Stipendien bekommen oder bezahlte Forschungsaufenthalte, um die Samen, die hier gesät werden, zu nähren."
Dem Bischof von Assisi-Nocera Umbra-Gualdo Tadino und Foligno ist ebenso wichtig, dass auch sein Bistum und der Franziskanerorden als gutes Beispiel vorangehen:
„Ich sehe mich als Bischof auch in der Pflicht, mich für gewisse Ideen stark zu machen und sie in der Diözese zu verankern. Ich halte es auch für wichtig, dass sich die franziskanische Welt hier koordiniert, auf organisatorisch-administrativer Ebene, um Projekte auszuarbeiten, und Vorschläge zu diesen Themen und zum Thema Frieden zu machen. Assisi, diese engelsgleiche Stadt, ist besonders dazu berufen, sich durch noch stärkere Projekte der Liebe von anderen zu unterscheiden."
(vatican news - sst)
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