„Ständige Angst und Unsicherheit“ bei Kindern im Libanon
„Wir wollen eine friedliche Lösung für diesen Konflikt, eine Lösung durch Diplomatie, nicht durch Gewalt“, betont Bischof Hanna Rahmé. Aus seiner Diözese vor Ort berichtet er, dass die Kinder von einem ständigen Gefühl von Angst und Unsicherheit begleitet werden. Es sind traumatische Erfahrungen, die sie der Krieg erleben lässt: „Wenn Kampfflugzeuge die Schallmauer durchbrechen, schrecken die Kinder wegen des lauten Knalls zusammen“.
Aufnahme von Flüchtlingen
Die Diözese Baalbek hat in den vergangenen Wochen rund 2.000 Geflüchtete in ihren Räumlichkeiten aufgenommen und versorgt. Baalbek liegt rund 86 km östlich von Beirut in der nördlichen Bekaa-Ebene und ist eine Hochburg der Hisbollah. Die Geflüchteten kommen mehrheitlich aus Baalbek und der Umgebung, aber auch aus dem Südlibanon.
Das Kindermissionswerk unterstützt dort ein Projekt zur Förderung der Resilienz und psychischen Gesundheit von rund 640 Schülerinnen und Schülern der dortigen diözesanen Schule. „Durch das Projekt helfen wir Kindern mit Musik-, Tanz- und Sportangeboten, ihre Traumata zu bewältigen“, erläutert Bischof Rahmé. Darüber hinaus werden auch psychologische Beratungen für Kinder und Eltern angeboten.
Beim Blick auf mögliche Friedensbemühungen drückt sich Bischof Rahmé klar aus: „Der Libanon braucht endlich eine echte Unabhängigkeit. Wir hoffen, dass Deutschland – ein Land, dass Einfluss in Europa hat – eine wichtige Rolle dabei einnehmen kann und die Regierung im Libanon unterstützen wird“. Er hat jedoch ebenfalls die Befürchtung, dass die Lösung des Konflikts auf Kosten der Christen dort gehen könnte, denn „die Christen im Libanon haben eine existenzielle Angst, dass sie den Libanon verlassen müssen. Wenn Christen dort nicht mehr präsent sind, wäre das ein schlechtes Zeichen für die Christen in anderen Ländern in der Region.“
„Wir suchen Menschen, die uns unterstützen“
Generell sei die Situation im Libanon seit Jahrzehnten geprägt von Instabilität, Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit. „Die Menschen im Libanon haben gelernt mit Krisen umzugehen und es gibt gemeinsame Werte, die diese Gesellschaft zusammenhalten. Wir vertrauen auf Gott und suchen gute Menschen, die uns unterstützen“, sagt der Bischof.
Bereits Mitte März hat das Kindermissionswerk eine erste Notfallhilfe für vertriebene Kinder und deren Familien im Libanon bereitgestellt. Diese wurde ausgeweitet für vertriebene Familien in der Bekaa-Ebene. Diese Nothilfen konnten zusammen mit dem Sternsinger-Partner JRS (Jesuiten-Flüchtlingsdienst) verteilt werden.
(pm - nm)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.