85 Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion
85 Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion erinnert Pax christi an die Millionen Opfer des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges und an die besondere historische Verantwortung Deutschlands gegenüber den Völkern Osteuropas. Zugleich fordert die katholische Friedensbewegung verstärkte diplomatische Initiativen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine und für eine neue europäische Friedensordnung.
Erinnerung an das Verbrechen
Am 22. Juni 1941 begann mit dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion einer der verheerendsten Abschnitte des Zweiten Weltkriegs. Er war von einer rassistischen Ideologie geprägt und als Eroberungs- und Vernichtungskrieg angelegt. Millionen Menschen wurden entrechtet, vertrieben, versklavt oder ermordet. Allein in der Sowjetunion verloren etwa 27 Millionen Menschen ihr Leben. Millionen sowjetische Kriegsgefangene starben in deutscher Gefangenschaft an Hunger, Kälte, Krankheiten und Zwangsarbeit. Zugleich weitete sich mit dem Krieg der nationalsozialistische Vernichtungsfeldzug gegen die jüdische Bevölkerung Osteuropas aus.
Die Erinnerung an diese Verbrechen bleibe eine Verpflichtung für Deutschland, so Pax christi. Sie gelte den Menschen in Russland, der Ukraine, Belarus sowie den weiteren Staaten der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas, die unter Krieg, Besatzung und Gewalt gelitten haben.
Gegenwärtige Kriege
Vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Krieges in der Ukraine warnt die Friedensbewegung vor einer weiteren Eskalation. Der Angriff Russlands auf die Ukraine vor viereinhalb Jahren habe zu einem verheerenden Stellungskrieg und einem Verlust an Vertrauen geführt, aus dem kein militärischer Ausweg erkennbar sei.
Pax christi fordert daher Bundesregierung und Europäische Union dringend auf, ihre diplomatischen Bemühungen deutlich zu verstärken. Ziel müsse zunächst ein belastbarer Waffenstillstand sein, der weiteres menschliches Leid verhindere und den Weg zu politischen Verhandlungen öffne. Dafür solle die Europäische Union einen Sonderbeauftragten für die Verhandlungen mit Russland benennen.
Zunehmende Dringlichkeit aufgrund KI
Zugleich warnt Pax christi vor der Vorstellung, Sicherheit lasse sich dauerhaft durch militärische Mittel erreichen. Notwendig seien neue Initiativen für Dialog, Vertrauensbildung, Rüstungskontrolle und gemeinsame Sicherheit, die die Sicherheitsinteressen der Ukraine, Russlands sowie aller Staaten Osteuropas berücksichtigen. Angesichts der rasanten Entwicklung von Drohnentechnologie und KI-gestützten Waffensystemen gewinnt die Begrenzung neuer Rüstungsdynamiken zunehmende Dringlichkeit.
Unter Verweis auf Papst Leo XIV. betont Pax christi die Bedeutung nichtmilitärischer Konfliktlösungen. Wörtlich heißt es: „Um Konflikte zu bewältigen, verfügt die Menschheit über Mittel, die weitaus wirksamer sind als der Krieg und geeigneter, das menschliche Leben zu fördern, wie z.B. den Dialog, die Diplomatie und die Vergebung“ (Enzyklika Magnifica Humanitas).
(pm – nm)
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