„Die Hoffnung stirbt auch in Gaza nicht“
Der Klinik in Gaza-Stadt kommt angesichts des Zusammenbruchs der Gesundheitsversorgung im Gazastreifen besondere Bedeutung zu. Sie wurde an diesem Montag von den Patriarchen Pierbattista Pizzaballa und Theophilos III. eröffnet. Pizzaballa ist Lateinischer, Theophilos griechisch-orthodoxer Patriarch von Jerusalem.
Wir sprachen an diesem Mittwoch mit dem Großhospitalier des Malteserordens, Josef Blotz, über die Klinik.
Interview
Dr. Blotz, Sie sind gerade aus Gaza wiedergekommen. Was macht der Malteserorden dort?
„Gaza und das Heilige Land insgesamt (dazu gehören auch unser ‚Holy Family Hospital‘ in Bethlehem und auch der Libanon im weitesten Sinne), das ist für uns eine Schwerpunktregion. Dort sind die Malteser seit schon fast tausend Jahren mit Werken und Diensten präsent, um den Armen und Kranken zu helfen. Und Gaza ist für uns jetzt zu einem noch wichtigeren Schwerpunkt geworden, seit vor etwa zwei Jahren der Lateinische Patriarch von Jerusalem den Großmeister gebeten hat, zu prüfen, ob wir dort ganz konkret durch den Aufbau einer kleinen Klinik helfen können; denn die Situation erfordert das unbedingt. Jetzt ist es gelungen, diese kleine Klinik einzuweihen und durch den Patriarchen zu segnen, und jetzt können wir richtig loslegen!“
Was sind Ihre Eindrücke von diesem Aufenthalt in Gaza? Wie sind Sie dorthin gekommen, was haben Sie dort gesehen? Und was hat Ihnen Patriarch Pizzaballa, den Sie ja gesehen haben, gesagt?
„Ja, ich habe ihn jetzt zum wiederholten Male getroffen; ich bin schon häufig in Bethlehem, auch in Jerusalem bei ihm gewesen. Es gibt überhaupt eine wunderbare, sehr produktive Partnerschaft und Zusammenarbeit mit dem Patriarchat.
Wir sind am Montagmorgen sehr früh von Jerusalem mit dem Auto nach Süden gefahren, in den südlichen Bereich des Gazastreifens zum Grenzübergang Kerem Shalom, nicht weit von Rafah entfernt; das war der uns zugewiesene Grenzübergang. Von dort sind wir an Rafah vorbei wieder nach Norden hochgefahren, nach Gaza City, wo wir dann unsere katholische Gemeinde getroffen haben.
Im Übrigen will ich nicht versäumen zu erwähnen, dass diese Reise nicht nur zusammen mit dem Patriarchen, mit Kardinal Pizzaballa, stattgefunden hat, sondern auch mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III.: Wir waren sozusagen ein Dreierteam, wenn ich das so sagen darf, und uns verband eine spirituelle Mission in Verbindung mit einer sehr praktischen Mission der Nächstenliebe. Das war sehr gut zu sehen, eine wunderbare Partnerschaft zwischen uns dreien. Und man konnte an den Gesichtern der Menschen sehen, dass sie in all der Zerstörung, all den ‚Hardship‘, wenn ich das so nennen darf, auch Hoffnungen sehen und wir ihnen Hoffnung vermitteln können.“
Sie haben eine Klinik des Malteserordens in Gaza eingeweiht – ist das nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein?
„Ja, es ist in der Tat ein Tropfen auf den heißen Stein, ein Tropfen in einem Ozean. Aber wir müssen irgendwo anfangen! Und wir haben jetzt den Anfang geschafft. Das hat zwei Jahre Mühe und Vorbereitung gekostet, auch mithilfe von Institutionen rund um die Welt, die sich dankenswerterweise veranlasst gesehen haben, Mittel zur Verfügung zu stellen.
Und ja: Es ist ein erster Schritt, und der steht auch immer noch unter Risiko, weil die Sicherheitslage einfach schwierig ist; man muss das ganz realistisch sehen. Also, ich male nichts in Rosarot. Wir haben Gott sei Dank ein hervorragendes Team vor Ort, alle Voraussetzungen sind da: Wir haben die Infrastruktur, wir haben Strom und Wasseranschluss, wir haben Ärzte, Krankenschwestern, Sicherheitspersonal. Und wir sind in der Region anerkannt, wir haben eine sehr, sehr gute Reputation in der katholischen Gemeinde dort, die ungefähr 500 Menschen umfasst; es gibt dort einen Priester und Ordensschwestern.
Klar ist aber auch, dass wir keineswegs gerade dort aufgebaut haben, um etwa nur unserer katholischen Gemeinde zu helfen, sondern wir helfen jedem, der in Not und krank ist. Und selbstverständlich ist die gesamte Region überwiegend muslimisch – wir helfen jedem, der kommt. Die Kapazität dieser kleinen Klinik reicht für etwa 150 Patienten pro Tag; darauf sind wir sowohl personell als auch logistisch eingestellt. Wir brauchen natürlich auch ständig Nachschub an Medikamenten und Material… Und dann hoffen wir, dass aus diesem kleinen Tropfen ein großer Tropfen wird. Und dass wir die Möglichkeit bekommen, nach den Erfahrungen, die wir jetzt zunächst mal machen müssen, diese kleine Klinik, die im Grunde einen Kern darstellt, einen Nukleus, weiterzuentwickeln, aufzubauen, auszuweiten. Denn eines ist klar: Der Bedarf ist riesig, und wir haben jetzt einen guten ersten Schritt getan!“
Die Bilder, wenn man durch den Gazastreifen fährt, sind sicher schwierig und niederschmetternd. Aber gibt es auch irgendetwas auf dieser Tour, was Ihnen so etwas wie Hoffnung gemacht hat?
„Das ist eine ganz schwierige Frage angesichts der Situation... Aber es gibt natürlich doch Hoffnung; andernfalls würden wir auch gar nicht dieses Risiko, diese Mühen unternehmen können, wenn es nicht Optimismus und Hoffnung gäbe. Die Hauptquelle des Optimismus und der Hoffnung sind ganz einfach unser sehr starker Glaube daran, dass der Herrgott uns hilft, im Heiligen Land (ich sage einmal auch: traditionsgemäß, unserer Verpflichtung nach) anpacken zu können, zu müssen, zu dürfen. Und wenn man in die Gesichter der Menschen dort schaut, denen wir jetzt entgegenkommen mit unseren Hilfsangeboten, wenn man in die Gesichter der Kinder schaut (wir waren auch dort in einem christlichen Kindergarten), dann ist völlig klar, dass aus einem kleinen Zeichen ein großes werden kann. Die Hoffnung stirbt auch in Gaza nicht…“
Das Interview mit Josef Blotz führte Stefan v. Kempis von Radio Vatikan
(vatican news – sk)
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