Kenias Präsident William Ruto gibt am 17. Juni 2026 am Rande des G7-Gipfels in Évian-les-Bains, Frankreich, ein Interview (Agenturfoto) Kenias Präsident William Ruto gibt am 17. Juni 2026 am Rande des G7-Gipfels in Évian-les-Bains, Frankreich, ein Interview (Agenturfoto) 

Kenia: Politiker zeigen sich vor Wahl verstärkt in Kirchen

Vor den Parlamentswahlen 2027 haben kenianische Politiker ihre Präsenz in Kirchen verschiedener christlicher Konfessionen verstärkt. Trotz der von den Hauptreligionen verhängten Verbote gegen Kundgebungen und politische Propaganda in Gotteshäusern. Sowohl die kenianische Bischofskonferenz als auch Vertreter anderer christlicher Konfessionen haben wiederholt auf das Verbot hingewiesen.

Der vatikanische Fidesdienst berichtet über einige Vorfälle der Vorwoche: Am Sonntag, dem 14. Juni, nahmen demnach Oppositionsführer, darunter Rigathi Gachagua und Kalonzo Musyoka vom Bündnis „United Opposition“, an der Messe in der katholischen St.-Marien-Kirche in Kibabii im Bezirk Bungoma im Westen Kenias teil. Im Anschluss an den Gottesdienst spendeten sie für die Schulkantine der zur Pfarrei gehörenden Schule. Am selben Tag besuchte Präsident William Ruto einen Gottesdienst in der Adventgemeinde Kiserian im Bezirk Kajiado und nahm dort am Gebet teil. Ebenfalls am 14. Juni besuchten zudem führende Vertreter der „Linda-Mwananchi“-Bewegung die AIPCA Thika Cathedral in Kiambu County, Zentral-Kenia. Die Ankunft der Delegation der Bewegung während des Gottesdienstes löste jedoch Proteste unter den Gläubigen aus, so dass der Zelebrant die anwesenden politischen Vertreter zurechtwies.

Hintergründe

Die „African Independent Pentecostal Church of Africa“ (AIPCA) ist eine der führenden afrikanischen Kirchen Kenias und die größte einheimische Kirche des Landes. Sie wurde in den 1920er Jahren unter den Kikuyu (Gikuyu) in Zentral-Kenia gegründet und ihre Geschichte ist eng mit nationalistischen Bewegungen verbunden, die sich gegen die britische Kolonialpolitik, insbesondere die Zwangsarbeit, wehrten. „Linda Mwananchi“ (Suaheli für „Schütze den Bürger“ oder „Verteidige den Bürger“) ist eine zivilgesellschaftliche und politische Bewegung, die sich für die Stärkung der Bürgerrechte, öffentliche Rechenschaftspflicht und gute Regierungsführung einsetzt. Zu ihren Zielen gehört die Überwindung ethnischer und regionaler Spaltungen zugunsten einer stärkeren Berücksichtigung der sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die die gesamte kenianische Bevölkerung betreffen.

Katholische Bischöfe: Kirchen sind „keine politischen Arenen“

Sowohl die kenianische Bischofskonferenz als auch Vertreter anderer christlicher Konfessionen haben wiederholt das Verbot der Nutzung von Gotteshäusern für politische Propaganda bekräftigt. Bereits im Jahr 2020 erklärten kenianische katholische Bischöfe, Kirchen seien „keine politischen Arenen“ und untersagten Politikern, in Gottesdiensten zu sprechen. Sie verurteilten die zunehmende Umwandlung religiöser Feierlichkeiten in Wahlkampfveranstaltungen.

Im Juli 2024 äußerten die Bischöfe erneut ihre Ablehnung gegenüber der Nutzung von Kirchen als Plattformen für politische Zwecke und kritisierte insbesondere die Praxis, Spenden oder finanzielle Beiträge während religiöser Feierlichkeiten öffentlich zur Schau zu stellen, um die eigene Popularität zu steigern oder Wahlunterstützung zu gewinnen. Im März 2025 kritisierte Bischof Cleophas Oseso von Nakuru die Spenden von Politikern an die Kirche mit der Begründung: „Wir wissen nicht, woher diese enormen Geldsummen kommen“.

(fides - sst)

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20. Juni 2026, 15:20