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Ukraine: Feuer im Höhlenkloster

Bei einem russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kyiv ist die historische Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Brand geraten.

Nach Angaben des Apostolischen Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, wurde die Stadt mit rund 30 ballistischen Raketen und mehreren hundert Drohnen unter Beschuss genommen. Während Städte wie Saporischschja und Charkiw täglichen Bombardierungen ausgesetzt seien, treffe es Kyiv in Abständen von einigen Tagen, so der vatikanische Diplomat. Die jüngste Angriffswelle hinterließ jedoch nicht nur in den Wohnvierteln, sondern auch an einem der wichtigsten spirituellen Orte des Landes schwere Verwüstungen.

Zum Nachhören - die Lage in der Ukraine

Insgesamt neun Menschen starben in Kyiv und weiteren ukrainischen Städten durch die russischen Angriffe, während ukrainische Angriffe südlich von Moskau drei Todesopfer forderten. Allein in Kyiv kostete der russische Angriff vier Menschenleben, als auf dem Gelände der UNESCO-Welterbestätte Kyiver Höhlenkloster ein Feuer ausbrach und das Dach der Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Flammen geriet.

Journalisten in der Hauptstadt beobachteten, wie Anwohner durch die Straßen liefen, um Schutz zu suchen, während Geschosse am Himmel abgefangen wurden und glühende Trümmer über die Stadt fielen. Mehr als ein Dutzend Feuerwehrautos umringten die Kathedrale, während Feuerwehrleute daran arbeiteten, das Feuer von innen und von Hubsteigerplattformen aus zu löschen.

  (ANSA)


Erzbischof Kulbokas beschrieb die beängstigende Atmosphäre während des Angriffs, bei dem die Detonationen und Erschütterungen in der gesamten Stadt physisch spürbar gewesen seien:

„Und wenn wir das beobachten, dann spüren wir auch die Erschütterungen, die diese Explosionen verursachen. Da bleibt einem fast keine andere Antwort mehr, denn angesichts solcher Bombardierungen gibt es nur noch Gott und dich selbst. Es gibt keine menschliche Hand, die in diesem Moment eingreifen könnte.“

Aufruf zum Gebet für die Umkehr Russlands

Für den Nuntius ist dieser erneute schwere Angriff jedoch nicht nur ein Grund zur Verzweiflung, sondern vielmehr ein spiritueller Auftrag. Er betonte, dass die Katastrophe ihn persönlich dazu bewege, die Gläubigen weltweit zu einem besonderen Gebetsanliegen aufzurufen.

„Dieser jüngste Bombenangriff wirft für mich weniger Fragen auf, als dass er mich vielmehr dazu ermutigt, das Gebet für die Bekehrung Russlands zu intensivieren“, erklärte Kulbokas. Ziel müsse es sein, dass Russland „sich der Wahrheit und Gott zuwendet“. Ein solcher Wandel, so der Erzbischof abschließend, wäre am Ende „ein Geschenk für Russland selbst, für all unsere Freunde und für die gesamte Menschheit“.

Brand auf dem Dach inzwischen gelöscht

An einer Seite der Kirche in Kyiv war ein klaffendes Loch zu sehen; aus dem teilweise zerstörten Dach schlugen die Nacht über Flammen. Nach Angaben des ukrainischen Rettungsdienstes geriet auch ein Gebäude im Nationalen Kunst- und Museumskomplex „Mystetsky Arsenal“ in der Hauptstadt in Brand. Russische Angriffe hatten schon im Januar mehrere Gebäude im Komplex des Kyiver Höhlenklosters beschädigt, wie das Kulturministerium damals berichtete.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf der Plattform X, ein russischer Angriff auf das Höhlenkloster habe die Kirche in Brand gesetzt. „Das ist eines der schwerwiegendsten Verbrechen Russlands gegen die christliche Kultur bisher", so der Staatschef am Vormittag. Das Feuer auf dem Dach der Kathedrale sei inzwischen gelöscht word.

Das Höhlenkloster (Pechersk-Lawra), ein historischer Klosterkomplex mit symbolträchtigen goldenen Kuppeln, hatte in den letzten Jahren Schlagzeilen gemacht, nachdem die Mönche, denen Verbindungen nach Moskau vorgeworfen wurden, daraus vertrieben worden waren. Die Orthodoxe Kirche der Ukraine löste sich 2022 offiziell von Russland; zwei Jahre später verbot die ukrainische Regierung dann den mit Moskau verbundenen ukrainischen Zweig der Orthodoxen Kirche.

  (AFP or licensors)


Schon im Januar Schäden nach russischem Luftangriff

Institutionell steht die russisch-orthodoxe Kirche hinter Präsident Wladimir Putin, seit dieser 2022 die russische Offensive gegen die Ukraine gestartet hat. Der Leiter der Kyiver Militärverwaltung, Tymur Tkachenko, verurteilte den „direkten Angriff“ auf das Gelände. Auch der Metropolit von Kyiv, Epiphanyj, verurteilte den Angriff als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die Geschichte und das Christentum“. Mindestens 25 Menschen sollen in der Hauptstadt verletzt worden sein, und 140.000 Einwohner in den nördlichen Stadtteilen sind ohne Strom.

(ucanews – sk)
 

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15. Juni 2026, 10:22