Papst an Barmherzigkeits-Weltkongress in Vilnius: Frieden und Engagement
Johanna Weissenberger - Vatikanstadt
Mehrere Tausend Gläubige aus rund 50 Ländern nehmen an einem Programm teil, das Gottesdienste, Workshops, Erfahrungsberichte, Konferenzen, einen gemeinsamen Pilgerweg und ein Jugendfestival umfasst. Zu den geladenen Gästen gehören der orthodoxe Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., der Krakauer Kardinal Grzegorz Ryś, der anglikanische Priester Nicky Gumbel sowie die ukrainische Caritas-Präsidentin Tetiana Stawnychy.
Die Thematik des Kongresses rege die Teilnehmenden dazu an, über die Aufgabe der Gläubigen nachzudenken, Barmherzigkeit im Alltag praktisch umzusetzen. Dies solle durch den Aufbau von Gemeinschaften geschehen, die sich am Geist des Evangeliums orientieren, um Gleichgültigkeit und Individualismus zu verringern und die Fürsorge für Mitmenschen durch Taten, Worte und Gebete zu stärken. Als zentraler Veranstaltungsort diente das Areal um die Herz-Jesu-Kirche in Vilnius, das nach acht Jahrzehnten erstmals wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
Päpstlicher Appell für gesellschaftliches Engagement
Papst Leo XIV. richtete eine Videobotschaft an die Versammelten, in der er den Erzbischof von Vilnius, Gintaras Grušas, den Präsidenten der Republik Litauen sowie Patriarch Bartholomaios I. würdigte. In seiner Ansprache bezog sich der Papst auf ein Wort des heiligen Augustinus aus dessen „Bekenntnissen“, wonach die einzige Hoffnung des Menschen in der übergroßen Barmherzigkeit Gottes liege. Es sei eine Quelle von Freude und Hoffnung zu erfahren, wie barmherzig Gott jedem Einzelnen gegenüberstehe, und das Vertrauen in diese Zuwendung zu erneuern.
Angesichts gegenwärtiger Ängste und kriegerischer Konflikte weltweit bestehe ein spürbares Verlangen nach Frieden, so das Kirchenoberhaupt weiter. Die Barmherzigkeit Gottes solle die Herzen erreichen und den Weg zu Liebe und Vergebung öffnen, welche sich als Merkmale Gottes durch das Handeln der Gläubigen offenbaren. Der Papst unterstrich, dass Frieden ohne Barmherzigkeit unerreichbar bleibe. Er rief dazu auf, das Vertrauen in das göttliche Handeln mit einem persönlichen Einsatz für eine offenere und barmherzigere Gesellschaft zu verbinden, beginnend im Kreis der eigenen Familie.
Die Apostolischen Weltkongresse der Barmherzigkeit gehen auf eine Initiative von Papst Johannes Paul II. zurück. Die Treffen finden seit dem Jahr 2008 in einem dreijährigen Turnus in wechselnden Ländern statt. Frühere Stationen der Veranstaltung waren Rom, Krakau, Bogotá, Manila und Samoa.
(osservatore romano)
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