Jesuitenflüchtlingsdienst Mexiko: Auf der Seite der Schwachen
Nicola Nicoletti - Mexikostadt
Seit dem Amtsantritt von Donald Trump wurden 203.000 Mexikaner aus den USA in den Bundesstaat Chiapas abgeschoben – durchschnittlich rund 700 Menschen pro Woche. Menschen, die ihre Heimat aus Gründen wie Armut oder persönlicher Unsicherheit verlassen hatten.
Über Migration wird häufig mit Blick auf die Nordgrenze zwischen den USA und Mexiko gesprochen. Doch auch im Süden des Landes, dem Eingangstor für Menschen aus Zentralamerika auf ihrem Weg nach Nordamerika, ist die Durchreise oft ebenso beschwerlich und gefährlich.
In diesem Umfeld arbeitet Karen Vanessa Perez Martinez, nationale Direktorin des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (Jesuit Refugee Service) in Mexiko.
Begleiten, dienen, verteidigen
Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst, der in 58 Ländern vertreten ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Flüchtlinge und Vertriebene zu begleiten, ihnen zu dienen und sie zu verteidigen. Karen Vanessa Perez Martinez engagiert sich seit Jahren für die Begleitung von Einzelpersonen und Familien, und unterstützt dabei besonders schutzbedürftige Migranten. Zu den mittlerweile bekannten Routen derer, die sich zwischen Texas und Kalifornien auf den Weg machen, kommen noch die Routen hinzu, die die südliche mexikanische Grenze überqueren – ein Streifen, der sich über etwa 1.149 km erstreckt und das Land von Guatemala und Belize trennt. In diesem Gebiet gibt es zwei Flüsse, die von Migranten oft als Durchgangsweg genutzt werden: den Suchiate und den Hondo, die eine natürliche Grenze bilden. Zwischen mehr oder weniger großen Dörfern und Ortschaften ist die Stadt Tapachula der wichtigste Migrationsknotenpunkt, an dem Menschen, die aus dem Süden des Kontinents kommen, Halt machen, bevor sie ihre Reise fortsetzen.
Migranten aus mehr als 110 Ländern
„Derzeit ist die Zahl der Menschen auf der Flucht zurückgegangen. Ursache dafür sind die Gewalt und Unsicherheit an den Grenzen, insbesondere die verschärften Beschränkungen an der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Gleichzeitig hat die Zahl der Rückführungen und Abschiebungen im vergangenen Jahr stark zugenommen“, erklärt Karen Vanessa Perez Martinez. Sie arbeitet heute in Mexiko-Stadt, hat aber 15 Jahre lang an der südlichen Grenze gelebt und Menschen in Migrationssituationen direkt unterstützt. Unterdessen setzen Frauen, Männer, Jugendliche, ja ganze Familien ihren Weg aus dem globalen Süden in Richtung Norden fort und erreichen dabei Mexiko, das als Tor nach Nordamerika gilt. Nach Angaben der JRS-Direktorin sind die tatsächlichen Zahlen deutlich höher, als es die offiziellen Darstellungen vermuten lassen.
„Wir haben Staatsangehörige aus über 110 Ländern identifiziert; auf der Liste der Völker mit der höchsten Mobilität finden sich Menschen aus Haiti, Kuba, Honduras, Guatemala, Venezuela, Ecuador, Kolumbien, Afrika und Zentralasien“, eine Vielfalt an Kulturen, die drei Kontinente umfasst, wie die JRS-Verantwortliche erklärt.
Die unverzichtbare Rolle des JRS
In diesem Bereich ist die Arbeit der Jesuiten von zentraler Bedeutung. Seit Jahrzehnten setzt die Gesellschaft Jesu Programme der Ersthilfe um und organisiert Unterstützungsmaßnahmen für Menschen, die oft unter großer Armut leiden und versuchen, Familienangehörige oder Freunde in verschiedenen Bundesstaaten der USA zu erreichen.
„Als JRS Mexiko bieten wir eine umfassende Begleitung an“, erklärt Karen Vanessa Perez Martinez. „Diese reicht von Schutzmaßnahmen und der Regularisierung des Aufenthaltsstatus durch rechtliche Beratung bis hin zu psychosozialer Unterstützung und persönlicher Begleitung. Zudem legen wir einen immer stärkeren Schwerpunkt auf die soziale Integration in die Aufnahmegemeinschaften. So unterstützen wir Migranten dabei, in kleinen wie großen Städten entlang ihrer Route Fuß zu fassen und ein neues Umfeld aufzubauen.“
Die humanitäre Hilfe umfasst die Versorgung mit Lebensmitteln, medizinische Untersuchungen sowie spezialisierte Behandlungen. Im Laufe eines Jahres konnte die Jesuitenorganisation mehr als 10.000 Menschen begleiten und unterstützen. Die mexikanische Kirche sowie die Caritasverbände aus Deutschland und Frankreich tragen wesentlich zur Finanzierung und Umsetzung dieser Hilfsangebote bei.
Die Hoffnung auf ein besseres Leben
Entlang der Bahngleise, auf Wegen, die tagsüber und nachts zurückgelegt werden, und auf abgelegenen Routen, die genutzt werden, um Militärpatrouillen zu umgehen, bleibt die Zahl der Menschen auf der Flucht schwer einschätzbar. Manche brechen auf und kehren erschöpft wieder um. Andere werden Opfer von Raubüberfällen oder Entführungen durch Schleuserbanden. Wieder andere verlieren unterwegs ihr Leben – durch Unfälle oder bei gewaltsamen Übergriffen.
Das Leben dieser Menschen wird von Dramen und Hoffnung bestimmt. Da ist die Erfahrung eines Lebens voller Entbehrungen und Rückschläge, die viele dazu bewegt, ihre Heimat zu verlassen. Und dann gibt es auch die Hoffnung auf einen Neuanfang: die Aussicht auf Arbeit, Bildung und vor allem auf ein Leben ohne die ständige Angst vor Gewalt – einen Weg, den ihre Freunde oder Geschwister vielleicht bereits gegangen sind.
(vaticannews - skr)
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