Christen in Lahore, Pakistan Christen in Lahore, Pakistan  (ANSA)

Pakistan: Christliche Minderheit setzt auf Bildung und Dialog

„Das Evangelium ruft uns dazu auf, Friedensstifter zu sein. Die Christen in Pakistan sind ein Volk der Hoffnung: Wir verbreiten weiterhin die Botschaft des Friedens, der Menschenwürde und der Gerechtigkeit, die uns von Jesus Christus anvertraut wurde.“ Mit diesen Worten beschreibt Pater James Channan OP, Direktor des „Peace Center“ in Lahore, in einem Gespräch mit der Agentur Fides die Situation im Land.

Er verweist auf die Notwendigkeit, die Soziallehre der Kirche in einem Umfeld zu vermitteln, das von religiösem Pluralismus, sozialen Unterschieden und Herausforderungen für die Religionsfreiheit geprägt ist.

Obwohl die katholische Gemeinschaft lediglich 1,37 Prozent der pakistanischen Bevölkerung ausmacht, übernimmt sie Aufgaben bei der Förderung des interreligiösen Dialogs und der Menschenrechte. Pakistan hat mehr als 230 Millionen Einwohner, von denen 96 Prozent dem Islam angehören, während die Zahl der Christen bei etwa 3,3 Millionen liegt. Als Minderheit sei die Gemeinschaft mit Diskriminierungen konfrontiert, zudem liege die Analphabetenquote unter den Christen Schätzungen zufolge zwischen 65 und 80 Prozent.

Aufbau einer inklusiven Gesellschaft

Die katholische Kirche unterhält Schulen, Berufsbildungszentren und pastorale Einrichtungen, um die Gleichberechtigung und die Religionsfreiheit zu unterstützen. Nach Ansicht des Ordensmannes sind diese Maßnahmen Schritte zum Aufbau einer inklusiven Gesellschaft. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Gespräch zwischen Christen und Muslimen. Die pakistanische Bischofskonferenz hat hierfür die Nationale Kommission für interreligiösen Dialog und Ökumene eingerichtet, die landesweit Seminare und Begegnungen organisiert.

Der Dominikanerorden betreibt in diesem Rahmen das 2010 eröffnete „Ibn-e-Mariam Center for Peace“ in Lahore, das Bildungsprogramme und Konferenzen für Jugendliche und Familien anbietet. Ziel der Einrichtung ist es, die Kultur der Begegnung und des Zusammenlebens zu stärken. Auf staatlicher Ebene wurden in den vergangenen Jahren ebenfalls Kommissionen für interreligiöse Harmonie auf Bundes- und Provinzebene geschaffen. Channan betont jedoch, dass die Festigung des Dialogs auf lokaler Ebene weiterhin Priorität habe, da dort Spannungen zwischen den Gemeinschaften entstehen.

Grundlage für verantwortungsvolle Führung

Im asiatischen Kontext, in dem rund acht Prozent der Bevölkerung Christen sind, bildet die Katholische Soziallehre laut Channan eine Grundlage für verantwortungsvolle Führung und die Entwicklung des Menschen. Unter Bezugnahme auf die päpstlichen Enzykliken von „Rerum novarum“ bis „Centesimus annus“ erklärt er, dass wirtschaftlicher und technologischer Fortschritt an moralische Verantwortung und den Respekt vor der Menschenwürde gebunden sein müssen. Der religiöse Pluralismus sei in Asien eine tägliche Realität, weshalb gemeinsame Initiativen und die finanzielle Unterstützung kirchlicher Werke in diesem Bereich ausgebaut werden müssten.

(fides - mg)

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20. Juni 2026, 11:33