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In Europa und Zentralasien ist Hunger kein Thema mehr, wohl aber die Versorgung mit gesunden und bezahlbaren Lebensmitteln, sagt das FAO-Büro in Budapest In Europa und Zentralasien ist Hunger kein Thema mehr, wohl aber die Versorgung mit gesunden und bezahlbaren Lebensmitteln, sagt das FAO-Büro in Budapest 

Vereinte Nationen: Europa muss mehr für Nahrungsmittel tun

Über große Fortschritte im Kampf gegen den Hunger weltweit berichtete jüngst die FAO - das ist die Food and Agricultural Organization, eine Einrichtung der Vereinten Nationen. In Europa und in Zentralasien gehe es jetzt zunehmend darum, für bezahlbare nährstoffreiche Produkte zu sorgen. Das verlange nach einer anderen Agrarpolitik, berichtet der für die Region zuständige Agrarökonom und deutsche Diplomat Raimund Jehle gegenüber Radio Vatikan in Budapest.

Michael C. Hermann, Budapest

In Europa und Zentralasien gehe es nicht um Unter-, sondern um Mangelernährung und Ernährungsunsicherheit, also gefährdetem Zugang zu gesunder Ernährung. Fast 100 Millionen Menschen in Europa und Zentralasien seien von einer solchen Ernährungsunsicherheit betroffen. Hochwertige Lebensmittel sind für diese nur schwer verfügbar und übersteigen oft ihr Budget. Besonders besorgniserregend, so Jehle, ist der Mangel an Mikronährstoffen, von dem fast ein Viertel der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen ist.

Magelernährung begünstigt Krankheiten

Mangelernährung begünstigt zahlreiche Krankheiten – von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Diabetes. Am Beispiel der Ukraine könne man sehen, wie schnell sich die kriegsbedingten Veränderungen in den Lieferketten und im Handel auf den Ernährungszustand der Bevölkerung auswirken. Dort war in den letzten Jahren fast ein Drittel der Bevölkerung von mäßiger oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen. Aber auch in Ländern ohne Kriegsgeschehen könne die Situation schwierig sein, so zum Beispiel in Albanien. „Der starke Anstieg von Nahrungsmittelpreisen hat natürlich immer negative Konsequenzen vor allem für die Ärmsten der Bevölkerung. Normalerweise wird bei steigenden Lebensmittelpreisen mit begrenztem Einkommen an einer ausgeglichenen Nahrung gespart. Und Albanien ist eines dieser Länder, wo das tatsächlich auch vorkommt“, sagt Raimund Jehle.

„Der starke Anstieg von Nahrungsmittelpreisen hat natürlich immer negative Konsequenzen vor allem für die Ärmsten der Bevölkerung“

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Was bringen Appelle?

Skeptisch ist der aus Baden-Württemberg stammende Agrarökonom, ob Appelle an das Ernährungsverhalten der Menschen nutzen. Notwendig sei vielmehr ein koordiniertes politisches Handeln in allen betroffenen Bereichen – von der Landwirtschaft über die Lebensmittelindustrie und den Handel bis hin zur Steuerpolitik. Die FAO fordert verstärkte Anstrengungen, um die Kosten gesunder Lebensmittel zu stabilisieren. Kostentreiber seien dabei weniger die eigentlichen Produktionskosten als vielmehr die Ausgaben für Transport, Verarbeitung und Handel. Die Politik müsse die Agrarsubventionen stärker auf die neuen Herausforderungen ausrichten.

Wasser wird in Europa knapp

Und es geht um Wasser. Viele Lebensmittel benötigen bei ihrer Produktion große Mengen Wasser. Europa ist der Kontinent, der weltweit am stärksten von der Erderwärmung betroffen ist. „Ungefähr 35 Prozent der Fläche leiden unter extremer Dürre. Dort ist es tatsächlich so, dass die Ernte entweder vertrocknet oder es letztlich massive Ernteausfälle gibt.“  Die Versorgung mit Wasser sicherzustellen, wird deshalb auch in Europa eine der zentralen Aufgaben von Landwirtschafts- und Klimapolitik sein: „Investitionen in klimaresilientes Wassermanagement, wie wir das nennen, oder effiziente Bewässerungssysteme und den Schutz von Wasserressourcen sind deshalb entscheidend, um die Ernährungssituation langfristig zu gewährleisten."

„Investitionen in klimaresilientes Wassermanagement, wie wir das nennen, oder effiziente Bewässerungssysteme und den Schutz von Wasserressourcen sind deshalb entscheidend, um die Ernährungssituation langfristig zu gewährleisten“

 

Jehle denkt an Tröpfchenbewässerung statt an flächenweiser Beregnung und auch an den Einsatz von Digitalisierung, um Bewässerung besser auf die Bedarfe abzustimmen. Anderes und neues Saatgut sei erforderlich, auch weniger Monokulturen, wenn man nicht wolle, dass mehr Menschen in Europa zukünftig Not leiden bei ihrer Ernährung: „Wir sehen das bei den Waldbränden in Frankreich, dass Monokultur immer negative Auswirkungen hat in Bezug auf Dürre und Trockenheit. Das heißt: Es müssen Anreize geschaffen werden, dass bei der Produktion diversifiziert wird. Es müssen Anreize geschaffen werden, dass dürreresistentes Saatgut eingesetzt wird“, so der Agrarökonom von der Food and Agricultural Organization in Budapest.

(vatican news - mh)

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29. Juli 2026, 10:48