Italien: Kardinal fordert Aufklärung der Polizeigewalt
Der offenbar geistig verwirrte Abderrahim Fakir war am 19. Juli während eines mutmaßlich unverhältnismäßigen Polizeieinsatzes gegen ihn gestorben. Danach kam es in Bologna zu schweren Ausschreitungen von Demonstranten. Zahlreiche Polizisten wurden dabei verletzt.
In der katholischen Tageszeitung „Avvenire" vom Sonntag bekräftigte der Kardinal seine Solidarität mit den Sicherheitskräften. Er fügte jedoch hinzu, es sei „in ihrem eigenen Interesse, die Fakten auszuwerten und zu klären, ob es möglicherweise Fehler und Verantwortlichkeiten gab."
Zuppi führte aus, dass die Verantwortlichen für die öffentliche Sicherheit oft in schwierigen und unvorhersehbaren Situationen unter großer Spannung handeln müssten. Der Einsatz von Gewalt sei dabei oft unvermeidlich, aber dies dürfe nicht unkontrolliert geschehen.
Ähnlich hatte sich vor einigen Tagen auch der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin geäußert. Er bedaure den Tod des Migranten und hoffe, „dass die Wahrheit ans Licht kommt“. Auch Parolin forderte Untersuchungen „in einer besonnenen Atmosphäre, selbstverständlich ohne Gewalt“, da diese „niemals zielführend“ sei.
Niemals Hass rechtfertigen
Auf die Frage, wie Italien aus dem seither herrschenden Klima der Feindseligkeit herausfinden könne, mahnte Kardinal Zuppi im Avvenire-Interview, Gewalt und Hass könnten sich zu einem nur noch schwer kontrollierbaren Strudel entwickeln. Deshalb sei es wichtig, niemals Hass, Aggression und Vorurteile zu rechtfertigen. Der Einsatz für Wahrheit und Gerechtigkeit sei auch in diesem Fall das beste Mittel gegen eine Ausbreitung von Wut und Selbstjustiz; er könne das Vertrauen in die Institutionen stärken. Gerechtigkeit zu verlangen, sei aber nicht gleichbedeutend mit einer Vorverurteilung.
Die Klärung der Fakten in dem komplexen Fall erfordere Zeit und Sorgfalt, betonte Zuppi. Wer Schlussfolgerungen in die eine oder andere Richtung übereilt treffe, fördere die jetzt schon vorhandene Polarisierung, das sei gefährlich.
(kna/vatican news – gs)
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