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Kasachstan Kasachstan  (AFP or licensors)

Kasachstan: Sprache und lokale Wurzeln prägen Wandel der Kirche

Die katholische Kirche in Kasachstan durchläuft einen strukturellen und kulturellen Transformationsprozess. Während die Gemeinschaft jahrzehntelang primär aus Nachkommen von in der Sowjetzeit deportierten Polen, Deutschen, Ukrainern und Litauern bestand, richtet sich der Schwerpunkt der Seelsorge zunehmend auf die einheimische Bevölkerung und deren Sprache aus.

In einem Land mit rund 20 Millionen Einwohnern, in dem der Islam die Mehrheitsreligion bildet und die orthodoxe Kirche die größte christliche Gemeinschaft stellt, umfasst die katholische Kirche schätzungsweise 120.000 Gläubige. Diese verteilen sich auf das Erzbistum Astana, die Diözesen Karaganda und Almaty sowie die Apostolische Administration Atyrau. Nach der Unabhängigkeit des Landes und der Auswanderung vieler Angehöriger der historischen Minderheiten verändern sich die Demografie und das Profil der Pfarreien.

Der Leiter der Pontifikalen Missionswerke in Kasachstan, Gabriel Jocher, berichtet gegenüber der Nachrichtenagentur Fides über die veränderte Situation vor Ort: „Vor zwanzig Jahren waren die Missionare vor allem hier, um die ehemaligen katholischen Siedler zu begleiten. Heute ist die Zukunft der Kirche eine andere: Die Seelsorge richtet sich zunehmend an die kasachische Gemeinschaft.“

Übersetzung ins Kasachische

Obwohl Russisch derzeit noch die primäre Sprache in Liturgie, Katechese und Seelsorge ist, erarbeitet eine Bischofskommission die Übersetzung der Heiligen Schrift sowie der liturgischen Texte ins Kasachische. Ein offizielles katholisches Messbuch in der Landessprache liegt bislang nicht vor. „Für das kasachische Volk wäre es sehr wichtig, die Messe in der eigenen Sprache feiern und beten zu können. Es ist ein Prozess der Inkulturation, der Zeit erfordert“, erklärt Jocher. Erste Schritte sind die tägliche Rezitation des Rosenkranzes auf Kasachisch in der Kathedrale von Astana, kasachische Gesänge in den Gottesdiensten sowie eine wöchentliche Testliturgie in der Landessprache am Priesterseminar in Karaganda, bei der die Wandlungsworte weiterhin auf Latein verbleiben. Auch die Ausbildung der Seminaristen erfolgt teilweise auf Kasachisch.

Parallel zu den sprachlichen Anpassungen verändert sich die Zusammensetzung der Gemeinden, insbesondere in den städtischen Zentren. Während ländliche Pfarreien durch die Abwanderung ehemals Deportierter Personaleinbußen verzeichnen, suchen in den Städten vermehrt Menschen ohne christliche Vorgeschichte den Kontakt zur Kirche. Nach Angaben der Missionswerke führt das wissenschaftliche oder persönliche Interesse am Glauben zu Taufanfragen und dem Eintritt in das Katechumenat, das gewöhnlich ein Jahr dauert. In der Pfarrei in Astana wurden im vergangenen Jahr zwölf Erwachsentaufen vollzogen, im laufenden Jahr vier, während weitere Personen auf die Sakramente vorbereitet werden.

Skepsis

Der Religionswechsel trifft im gesellschaftlichen und familiären Umfeld mitunter auf Skepsis, da die kasachische Identität oft als eng mit dem Islam verbunden betrachtet wird. Die Kirche vermittelt in diesen Prozessen die Vereinbarkeit von nationaler Identität und christlichem Glauben.

Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen, die die direkte Evangelisierung auf registrierte Bereiche beschränken, setzt die Kirche auf den Aufbau von Beziehungen durch kulturelle und soziale Projekte. Dazu zählen Konzerte, Bildungsangebote und die Betreuung von Kindern mit Behinderungen. Ein zentrales Projekt ist die Schule „Sankt Lorenz“ in Korneewka im Norden des Landes, die von den Servi di Gesù e Maria gemeinsam mit den Vöcklabrucker Franziskanerinnen in einem ehemaligen Gebäude der Kommunistischen Partei geführt wird. Rund 200 Schülerinnen und Schüler besuchen die Einrichtung, die auch Deutschunterricht anbietet.

Neben den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen prägen die geografischen Entfernungen die seelsorgliche Arbeit. Einzelne Missionsstationen liegen mehrere hundert Kilometer voneinander entfernt. Die Seelsorger besuchen entlegene Familien monatlich zur Feier der Messe und Spendung der Sakramente. Ergänzend organisieren die Pontifikalen Missionswerke Sommerlager, unterstützen Waisenhäuser und planen den Bau einer Kapelle mit Gästehaus im Tourismusgebiet Burabay, um auch an Erholungsorten Präsenz zu zeigen.

(fides - mg)

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22. Juli 2026, 10:24