Lateinamerika: Kirche unterstützt beim Umweltschutz
Die im Juli 2025 vorgestellten „Pastoralen Leitlinien für die Auswirkungen des Bergbaus in Lateinamerika und der Karibik“ bieten Orientierung für den Umgang mit sozioökologischen Konflikten, insbesondere beim Schutz des Lebens, der Menschenrechte und der Bewahrung der Schöpfung. Mit dem Online-Kurs „Pastorale Orientierung der Kirchen angesichts des Bergbaus“, der vom 19. Juni bis 4. September stattfindet, wird der vor einem Jahr angestoßene Prozess vom Bildungswerk CEBITEPAL, dem Netzwerk „Kirchen und Bergbau“ sowie der Konferenz der Ordensleute CLAR fortgesetzt. Den betroffenen Gemeinden vermittelt die Schulung Instrumente für die pastorale Begleitung von Menschen und Gemeinschaften, die von Bergbaukonflikten betroffen sind.
Pedro Sánchez, Mitglied des Netzwerks „Kirchen und Bergbau“ und einer der Organisatoren des Kurses, berichtet, dass der Bergbau in ganz Lateinamerika, insbesondere jedoch in ländliche Regionen, vordringe. „Oftmals führt er zur Vertreibung von Gemeinschaften, schürt soziale Konflikte und geht mit Aktivitäten einher, die Natur und Umwelt massiv schädigen.“ Der Kurs vermittelt im Licht der Soziallehre der Kirche Themen wie ökologische Spiritualität, den Schutz sozioökologischer Rechte, die Unterstützung gefährdeter Gemeinschaften sowie die Entwicklung pastoraler Alternativen. Ziel ist die Förderung von Gerechtigkeit, Teilhabe und der Bewahrung der Schöpfung.
Vision einer ganzheitlichen Ökologie
Angesichts der Debatte über eine mögliche Wiederaufnahme einiger Bergbauprojekte in Panama brachte die Kirche erneut ihre Besorgnis über die Auswirkungen des Bergbaus auf die Bevölkerung und die Umwelt zum Ausdruck. Bischof Rafael Valdivieso von Chitré sagte zu den Risiken des Bergbaus: „Alles, was die menschliche Gesundheit und das Leben gefährdet, stellt ein ernstes Risiko dar.“ Diese Position steht im Einklang mit dem Hirtenbrief „Querida Panamá“ der Panamaischen Bischofskonferenz, der dazu aufruft, eine Vision der ganzheitlichen Ökologie zu fördern und das Gemeinwohl als grundlegendes Entscheidungskriterium für die Entwicklung des Landes zu etablieren.
In Honduras kommt es weiterhin zu Konflikten im Zusammenhang mit der Verteidigung von Landrechten. Dabei richtet sich Gewalt gegen Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten, die sich für das Gemeinwohl und den Schutz benachteiligter Menschen einsetzen. Nach der Ermordung mehrerer Bauern im Mai 2026 verurteilte die Honduranische Bischofskonferenz diese Gewalttaten und forderte den Aufbau von „Gerechtigkeit, Wahrheit und Frieden“. Nach Angaben des Netzwerks „Kirchen und Bergbau“ sind Aktivisten in der Region Bajo Aguán erheblichen Bedrohungen ausgesetzt. Die Todesfälle verdeutlichten nach Einschätzung der Organisation „ein Problem mit strukturellen Wurzeln, das Armut, Ungleichheit, Gewalt, Straflosigkeit und die Abwesenheit des Staates hervorbringt“.
Einsatz für die Rechte der Natur
Die Kirche in Ecuador unterstützt den Schutz des Wassers, des Gemeindelandes und der Rechte der Bevölkerung in Bergbaugebieten. In der Provinz Imbabura setzte sich eine ländliche Gemeinde erfolgreich gegen geplante Bergbauprojekte zur Wehr, da sie erhebliche Auswirkungen auf ein ökologisch wertvolles Gebiet befürchtete. Der Bischof von Latacunga, Geovanni Paz, bekundete seine Verbundenheit mit den Gemeinden: „Wir müssen uns weiterhin für die Rechte der Natur einsetzen.“ Nach Angaben des Netzwerks „Kirchen und Bergbau“ offenbaren Konflikte im Zusammenhang mit dem Bergbau ein weitreichendes Problem: Umweltverschmutzung, die Verunreinigung von Wasserquellen und soziale Spannungen, die durch Bergbauprojekte entstehen.
Auch in der Dominikanischen Republik ist der Schutz der Wasserressourcen angesichts fortschreitender Bergbauprojekte ein zentrales Anliegen. Gemeinsam mit dem Pastoralbüro für Ökologie und Umwelt sowie der Dominikanischen Bischofskonferenz setzt sich die Kirche dort für den Schutz der zentralen und nördlichen Kordilleren ein. Sie betont, dass Wasser ein grundlegendes Menschenrecht und ein wesentliches Kriterium für die Bewertung der Nachhaltigkeit jedes Bergbauprojekts sei. „Leben ist nicht verhandelbar“, stellten die Priester Ramón Ramos und Rogelio Cruz im Mai 2026 klar.
Von Worten zu Taten übergehen
Diese Beispiele aus Mittelamerika, den Anden und der Karibik verdeutlichen ein gemeinsames seelsorgliches Anliegen: Konflikte im Zusammenhang mit dem Bergbau sind nicht bloße Debatten über natürliche Ressourcen, sondern betreffen konkrete Menschen, Gemeinschaften, Kulturen und Lebensräume. Kardinal Michael Czerny, Präfekt des Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, erklärte bei der Vorstellung der pastoralen Leitlinien zum Bergbau im Juli 2025: „Es ist Zeit, von Worten zu Taten überzugehen.“ Er betonte die Notwendigkeit, kirchliche Leitlinien in konkretes Handeln umzusetzen. Papst Leo XIV. griff das Thema zuletzt in seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“ auf und erklärte, dass „die Qualität der Entwicklung daran gemessen wird, ob sie Gerechtigkeit für die Menschen und die Sorge für unser gemeinsames Haus miteinander vereinen kann“.
(fides – sc)
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