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Venezuela: „Wir haben praktisch kein Seminar mehr“

„Wir haben praktisch kein Priesterseminar mehr.“ Das sagt der Rektor des Seminars des Bistums La Guaira, Pater Wuilliam Vázquez, im Interview mit uns.

Johan Pacheco – Vatikanstadt *

Eine Woche nach den zwei Erdbeben in Venezuela, die vor allem La Guaira schwer getroffen haben, liegt die Zahl der Toten bei über 1.900 Menschen; mehr als 10.000 Menschen wurden verletzt. Immerhin sollen nach Angaben der Behörden mehr als 6.400 Menschen bei den Rettungsarbeiten lebend aus den Trümmern gezogen worden sein. Nach einer UNO-Schätzung hat die Katastrophe mehr als 6,5 Millionen Menschen in Mitleidenschaft gezogen.

„Das Ausmaß ist ziemlich groß“, sagt uns Rektor Wuilliam Vázquez Toro. „Die Region La Guaira ist die am stärksten verwüstete des ganzen Landes. Und es gibt Gebiete, in denen man den Ort kaum wiedererkennt, weil alles zerstört wurde … Gebiete, die praktisch geräumt und aufgegeben werden müssen.“

  (AFP or licensors)

„Man wird die Bewohner einiger Ortschaften an andere Orte umsiedeln müssen“


In La Guaira dauern die Rettungsmaßnahmen auch sieben Tage nach dem Erdbeben noch an, um möglichst doch noch Überlebende zu finden. Aber es ist ein Rennen gegen die Zeit. Am Montagabend sei noch ein zwölfjähriger Junge lebend aus Trümmern in der Nähe des zerstörten Priesterseminars geborgen worden, berichtet der Geistliche. Doch die Überlebenden sind oft in einer verzweifelten Lage: Offiziellen Angaben zufolge sind fast 16.000 Menschen durch die Erdstöße obdachlos geworden.

„Es gibt Gebiete, die in Zukunft neu überdacht werden müssen. Man wird die Bewohner einiger Ortschaften an andere Orte umsiedeln müssen. Es ist von einer recht hohen Anzahl eingestürzter Gebäude die Rede, und es gibt immer noch Nachbeben. Angesichts dieser Nachbeben wurde zur Ruhe aufgerufen, aber auch zur Vorsicht, da es Häuser gibt, die noch einstürzen werden. Und nun steht sicherlich die größte Aufgabe bevor, nämlich die Unterstützung der Menschen inmitten dieser Situation.“


Auch viele Caritas-Mitarbeitende bei den Erdbeben getötet oder verletzt

Die Kirche stehe mit ihren Einrichtungen, vor allem der Caritas, bereit, um den Menschen jetzt zu helfen. Allerdings seien auch viele Caritas-Mitarbeitende bei den Erdbeben getötet oder verletzt worden. „Dennoch verfügt die Kirche derzeit in der Zone Null und an verschiedenen Orten über Sammelstellen, und die Hilfsgüter werden an alle Orte verteilt, wobei vor allem versucht wird, in die am stärksten betroffenen Gebiete zu gelangen, um alle zu erreichen, die Hilfe benötigen“.

Das Priesterseminar sei so stark zerstört, dass es wohl nicht mehr genutzt werden könne. Aber in seinen Seminaristen bestehe es weiter: „Das eigentliche Priesterseminar sind wir doch selbst“, sagt der Rektor. Und er hebt den Mut der Seminaristen hervor, die sich an den Hilfsmaßnahmen für die Betroffenen beteiligt haben: „Ich glaube, das zeigt uns, dass sie, so Gott will, eines Tages gute Priester werden … Ich habe ihnen gesagt: Das ist der Moment, diesen Ruf Gottes zu bekräftigen, dass ihr Christus und der Kirche dient.“

  (AFP or licensors)

„Ich habe ihnen gesagt: Das ist der Moment, diesen Ruf Gottes zu bekräftigen“


Da in La Guaira keine Einrichtung für ihre Ausbildung mehr zur Verfügung steht, werden die Priesteramtskandidaten vom Seminar Santa Rosa de Lima in der venezolanischen Hauptstadt aufgenommen – „ein Zeichen großer Solidarität“, findet Vázquez.

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), das die Schutz- und Unterbringungsmaßnahmen für die Erdbebenopfer in Venezuela koordiniert, erklärte am Dienstag, die humanitäre Lage in den betroffenen Gebieten habe sich rapide verschlechtert. Es herrsche akuter Nahrungsmittelmangel, die Grundversorgung sei zusammengebrochen, und die Gefährdung der Binnenvertriebenen sei erheblich.

* Der Artikel (Original: spanisch) wurde von Stefan v. Kempis ins Deutsche übertragen und angepasst.

(vatican news)
 

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01. Juli 2026, 11:34