Venezuela: „Kirche in Not“ stellt 100.000 Euro Soforthilfe bereit
Nach aktuellen Medienberichten liegt die Zahl der getöteten Menschen bei über 2.000, rund 11 000 Menschen wurden verletzt. Zehntausende haben ihre Wohnungen verloren, zahlreiche Gebäude sind eingestürzt oder schwer beschädigt. Besonders betroffen ist die Küstenregion La Guaira nördlich von Caracas.
Traumahilfe hat hohe Priorität
„Jetzt hat oberste Priorität, das Leben wieder aufzubauen“, sagt der Erzbischof von Caracas, Raúl Biord Castillo, gegenüber „Kirche in Not“. Zwar müssten die materiellen Schäden beseitigt werden, mindestens ebenso wichtig sei jedoch die Begleitung der Überlebenden, von denen viele Angehörige verloren haben und schwer traumatisiert sind. Die seelischen Wunden würden Venezuela noch lange begleiten. „Dies wird in den kommenden Monaten eine der größten Prioritäten für die Diözese sein: diejenigen zu unterstützen und auszubilden, die in erster Reihe die Menschen geistlich und psychologisch begleiten“, erklärte Biord.
An diesem Punkt soll die Hilfe von „Kirche in Not“ ansetzen. Das Hilfswerk unterstützt Priester, Ordensleute und ehrenamtliche Seelsorger, die – obwohl viele von ihnen selbst von der Katastrophe betroffen sind – Familien aufnehmen, Verletzte in Krankenhäusern besuchen und den Menschen in den zerstörten Gemeinden Hoffnung geben. Zugleich wird gemeinsam mit den Diözesen der Bedarf für den Wiederaufbau kirchlicher Gebäude ermittelt.
Kirche vermittelt nicht nur Hilfe, sondern auch geistlichen Trost
Wie sehr die Kirche den Menschen gerade jetzt Halt gibt, zeigen Berichte aus den betroffenen Gemeinden. Als während einer Messfeier im Bistum Petare im Großraum Caracas die Erde zu beben begann, verließen die Gläubigen die Kirche. Pfarrer Ignacio Caleya brach den Gottesdienst jedoch nicht ab, sondern setzte ihn auf der Straße fort. Bewohner umliegender Häuser und Patienten eines benachbarten Krankenhauses schlossen sich spontan der Eucharistiefeier an.
Gleichzeitig erleben viele Seelsorger unvorstellbares persönliches Leid. Ein Priester aus La Guaira begleitet täglich obdachlos gewordene Familien, obwohl mehrere Mitglieder seiner eigenen Familie – darunter seine dreijährige Nichte – weiterhin vermisst werden.
Auch in den Krankenhäusern werden Priester mit Schicksalen konfrontiert, die selbst erfahrene Seelsorger an ihre Grenzen bringen. Erzbischof Biord berichtet von einer Mutter, die nach der Amputation beider Beine lächelnd sagte: „Ich lebe. Alles wird gut.“ Eine andere Mutter bat ihn lediglich, für ihre beiden verstorbenen Kinder zu beten. „Die Realität ist verheerend“, fasst ein Priester seine Eindrücke zusammen. „Wir stehen erst am Anfang eines langen Weges“, sagte Erzbischof Biord.
(pm - mg)
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