Afghanistan: Hungernde Kinder
Etwa eine Million Kinder seien von einer lebensbedrohlichen, schweren akuten Unterernährung betroffen. „Es handelt sich um eine Krise, von der die Kleinsten und Schutzbedürftigsten überproportional betroffen sind: Fast 40 Prozent der Kinder, die wegen akuter Unterernährung und medizinischer Komplikationen ins Krankenhaus eingeliefert werden, sind Säuglinge unter sechs Monaten.“ Kinder unter zwei Jahren machten 83 Prozent der Fälle schwerer akuter Unterernährung aus.
Die Krankenhäuser stehen nach Unicef-Angaben bereits unter enormem Druck: Seit Jahresbeginn wurden mehr als eine halbe Million Kinder wegen Unterernährung stationär aufgenommen. Die Fälle schwerer akuter Unterernährung mit medizinischen Komplikationen seien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Drittel gestiegen, von 6.000 im Juli 2025 auf 8.000 bis Juli 2026. In einigen Gebieten im Süden Afghanistans nehmen manche Krankenhäuser mittlerweile drei oder vier schwer unterernährte Kinder pro verfügbarem Bett auf.
„Hinter diesen Zahlen stehen sehr kleine Kinder und ihre Familien“, so Unicef in einer Erklärung von diesem Dienstag. In vielen Familien landesweit würden immer weniger nährstoffreiche Lebensmittel verzehrt. „Die Kinder essen weniger abwechslungsreiche Mahlzeiten. Die Mahlzeiten werden spärlicher und werden ausgelassen. Und letztendlich leiden einige Kinder Hunger.“
Laut Unicef lebt die Hälfte der afghanischen Kinder unter Bedingungen schwerer Ernährungsarmut. „Wenn Kinder sechs Monate alt werden, sollten sie neben der Muttermilch mit nährstoffreicher Beikost versorgt werden, doch die Realität sieht für viele Familien ganz anders aus. Die ersten Mahlzeiten eines Kindes bestehen oft aus kaum mehr als Brot mit Tee oder verdünntem Joghurt. Für ein Kind im Wachstum reicht das einfach nicht aus.“
Unterernährung ist nicht einfach nur eine Frage des Nahrungsmangels
Für Unicef ist Unterernährung in Afghanistan nicht einfach nur eine Frage des Nahrungsmangels. „Ein bereits unterernährtes Kind, das dann schweren Durchfall oder eine Atemwegsinfektion entwickelt, kann sich sehr schnell verschlechtern. Und ein Kind, das wiederholt erkrankt, ist wiederum einem viel höheren Risiko der Unterernährung ausgesetzt.“ In diesem Jahr würden diese seit langem bestehenden Probleme durch verschiedene zusätzliche Belastungen verschärft. Afghanistan hat mehrere aufeinanderfolgende Dürrejahre erlebt, gefolgt von zerstörerischen Starkregenfällen und Sturzfluten. „Und angesichts des diesjährigen ‚Super-El-Niño‘ wird erwartet, dass sich diese klimabedingten Schocks noch verstärken werden.“
Gleichzeitig beeinträchtigt laut Unicef die regionale Instabilität den grenzüberschreitenden Handel und die Lebensgrundlagen. Sechs Millionen Menschen, darunter mehr als die Hälfte Kinder, die seit 2023 nach Afghanistan zurückgekehrt sind, übten zusätzlichen Druck auf die Arbeitsplätze und Ressourcen der Familien sowie auf die lebenswichtigen Gesundheits- und Ernährungsdienste aus, die längst an der Grenze ihrer Kapazitäten angelangt seien. „All dies geschieht in einem Land, in dem Familien kaum Möglichkeiten haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“
(unicef – sk)
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