Suche

Archivbild: Demo der Dalit in Indien vor acht Jahren Archivbild: Demo der Dalit in Indien vor acht Jahren  (AFP or licensors)

Bangladesch: „In Christus finden Dalits ihre Würde als Kinder Gottes wieder“

In der Diözese Khulna im Südwesten von Bangladesch setzt sich die katholische Kirche für Dalit-Gemeinschaften ein. Die Mehrheit der katholischen Gläubigen in dieser Region gehört dieser Bevölkerungsgruppe an, die in der bangladeschischen Gesellschaft traditionell benachteiligt ist. Die Mission der Ortskirche umfasst Bildungsangebote, soziale Unterstützung und seelsorgliche Begleitung.

„In unserer Seelsorge mit den Dalit kümmern wir uns hauptsächlich um menschliche Entwicklungsprojekte und helfen ihnen bei der Bildung ihrer Kinder. Wir versuchen, sie bei der Arbeitssuche, dem Lebensunterhalt ihrer Familien und anderen alltäglichen Bedürfnissen zu unterstützen. Auch die Caritas engagiert sich stark an ihrer Seite“, berichtet Bischof James Romen Boiragi von Khulna gegenüber dem Fidesdienst. Der Schwerpunkt liege jedoch nicht allein auf der sozialen Förderung: „Diese Aspekte sind wichtig, aber vor allem widmen wir uns der Katechese und der schulischen Unterstützung. In meiner Diözese leben etwa 37.000 Katholiken, und der Großteil von ihnen stammt aus den Dalit-Gemeinschaften.“

Historische Realität

Die Präsenz der Dalit in Bangladesch ist eine historische Realität. Schätzungen zufolge leben im Land zwischen drei und fünf Millionen Menschen, die von historisch benachteiligten Gruppen des südasiatischen Kastensystems abstammen. Obwohl Bangladesch mit einem muslimischen Bevölkerungsanteil von etwa 89 Prozent mehrheitlich islamisch geprägt ist, wirken tief verwurzelte Hierarchien aus der hinduistischen Vergangenheit nach. Viele Dalit arbeiten in gering bezahlten Berufen wie der Straßenreinigung, der Kanalisationswartung oder der Müllbeseitigung. Obwohl die Verfassung Bangladeschs Diskriminierung verbietet, sehen sich Dalit im Alltag mit sozialer Ausgrenzung, eingeschränktem Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt sowie prekären Wohnverhältnissen konfrontiert.

In der Region Khulna, einem städtischen und industriellen Zentrum im Südwesten des Landes, leben schätzungsweise 500.000 Dalit. Viele Familien wohnen in Randbezirken oder informellen Siedlungen. Die 1952 errichtete Diözese Khulna umfasst acht Distrikte. Über Pfarreien, katholische Schulen und Caritas-Programme begleitet die Kirche die Gemeinschaften seit Jahrzehnten mit dem Ziel der gesellschaftlichen Integration.

Die Folgen bleiben spürbar

Nach Aussagen von Bischof Boiragi tritt das Kastensystem in Bangladesch heute zwar nicht mehr mit derselben Strenge auf wie in anderen Teilen Südasiens, die Folgen bleiben jedoch spürbar: „Einige Menschen aus der hinduistischen Gemeinschaft sind nach wie vor davon betroffen, ebenso wie die Dalit. In der Gesellschaft insgesamt, zwischen Muslimen und Hindus, besteht dieses Problem weiterhin.“

„Die Konversion wird auch zu einem Weg, ihre Lebensbedingungen zu verbessern.“

Die Zuwendung zum Christentum stellt für viele Dalit einen Weg der gesellschaftlichen Veränderung dar: „Wenn Mitglieder der Dalit-Gemeinschaft zum Christentum konvertieren, werden sie meist mehr respektiert, während sie normalerweise diskriminiert werden. Die Konversion wird somit auch zu einem Weg, ihre Lebensbedingungen zu verbessern“, erklärt der Bischof. Die Diözese bemühe sich darum, dass diese Veränderung zu einer vollständigen Integration führe: „Wir versuchen, ihnen bei der Eingliederung in die Gesellschaft zu helfen, auch dank der guten Beziehungen, die wir zu anderen Religionsgemeinschaften pflegen. Gleichzeitig bitten wir unsere Gläubigen, diese Menschen wie Brüder und Schwestern aufzunehmen.“

Für die Dalit bedeute der Glaube vor allem eine Bestätigung der eigenen Würde: „Die Botschaft Christi anzunehmen bedeutet, die Würde als Kinder Gottes wiederzuerlangen. Es ist eine Erfahrung der Befreiung von Unterdrückung und Marginalisierung. Es ist auch ein konkreter Weg zur Verbesserung des eigenen Lebens, da dadurch oft der Zugang zu Bildung, persönlicher Entwicklung und neuen Möglichkeiten eröffnet wird“, so Bischof Boiragi.

(fides - mg)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

03. August 2026, 11:01