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Gemeinsam sorgen und Verantwortung übernehmen Gemeinsam sorgen und Verantwortung übernehmen  (Copyright 2011 Brett Jorgensen Photography)

Lateinamerika: Gemeinsam eine „Kultur der Fürsorge“ schaffen

Eine „Kultur der Fürsorge“ ist „Aufgabe aller“ – kirchliche Netzwerke in Lateinamerika setzten den unter Papst Franziskus geprägten Appell in die Tat um und haben eine Kampagne zum Thema lanciert. Dabei geht es um Hinschauen, aktives Zuhören, Respekt und Mitverantwortung.

„Fürsorge ist nicht die Aufgabe weniger, sondern eine Mission für alle.“ Mit dieser Botschaft hat das „Lateinamerikanische und Karibische Netzwerk für eine Kultur der Fürsorge“ (Red Latinoamericana y Caribeña para la Cultura del Cuidado) die kontinentale Kampagne „Fürsorge verbindet uns. Fürsorge ist aller Verantwortung“ vorgestellt. Diese Initiative zielt darauf ab, in den kirchlichen Gemeinschaften Lateinamerikas und der Karibik eine dauerhafte Kultur der Prävention, des Schutzes und der Begleitung zu stärken – mit besonderem Augenmerk auf Kinder, Jugendliche und schutzbedürftige Menschen.

Die Kampagne wurde im Rahmen eines vom Netzwerk organisierten Webinars präsentiert. Das Netzwerk vereint die Präventionskommissionen der Bischofskonferenzen des Kontinents sowie die Lateinamerikanische Konföderation der Ordensleute (CLAR) und Caritas Lateinamerika und Karibik. An der Veranstaltung nahmen Vertreter aus Kolumbien, Argentinien, der Dominikanischen Republik, Honduras, Panama, Costa Rica, Chile, Mexiko und weiteren Ländern der Region teil.

Die Initiative entspringt dem Weg, den das Netzwerk 2023 eingeschlagen hat, um Gemeinschaft, Ausbildung und Erfahrungsaustausch zwischen den verschiedenen kirchlichen Einrichtungen zu fördern, die sich für die Schaffung sicherer Räume einsetzen.

Zusammenarbeit, Zuhören und Mitverantwortung

„Eine Kultur der Fürsorge lässt sich nicht durch isolierte Initiativen aufbauen; sie erfordert Zusammenarbeit, Zuhören und Mitverantwortung“, erklärte Bischof Lizardo Estrada Herrera, Generalsekretär des Lateinamerikanischen und Karibischen Bischofsrates (CELAM) und Mitglied des Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, bei der Vorstellung der Kampagne.

Dem Bischof zufolge stellt die Arbeit des Netzwerks „einen Weg der Gemeinschaft, der Ausbildung und der Koordinierung zwischen den Ortskirchen und den verschiedenen kirchlichen Einrichtungen des Kontinents“ dar. Es ist eine Erfahrung, die zeigt, wie wichtig es ist, Kompetenzen und Erfahrungen zu teilen, um „ein Gesicht sichtbar zu machen, das dem Menschen näher ist, transparenter und stärker für die Wahrung der Würde jedes Einzelnen engagiert“.

Von der Prävention zu einer Kultur der Fürsorge

Eines der zentralen Ziele der Kampagne ist es, eine verkürzte Sichtweise von Prävention zu überwinden, die diese lediglich als Reaktion auf Missbrauch oder als bloße Anwendung von Protokollen versteht. Angestrebt wird, Fürsorge zu einem festen Bestandteil des gemeinschaftlichen und pastoralen Lebens zu machen.

„Diese Kampagne ist nicht nur eine Kommunikationsinitiative oder eine Sammlung von Materialien, die verbreitet werden sollen. Sie ist eine Einladung, eine echte Kultur der Fürsorge zu stärken, die unsere Beziehungen, unsere Gemeinschaften, unsere pastoralen Strukturen und unsere Ausbildungsprozesse durchdringt“, erklärte Bischof Estrada.

Franziskus: Kultur der Fürsorge Herzstück der Kirche

Der Generalsekretär des CELAM erinnerte daran, dass Papst Franziskus während seines Pontifikats „mehrfach betont hat, dass die Fürsorge für Menschen – insbesondere für die besonders Schutzbedürftigen – ein wesentlicher Bestandteil des Evangelisierungsauftrags der Kirche ist“. Er habe erinnert, „dass Prävention nicht nur aus einer Reihe von Protokollen oder Verfahren besteht. Es geht darum, in der gesamten Kirche eine Kultur der Fürsorge zu fördern, in der der Schutz von Minderjährigen und schutzbedürftigen Personen ein natürlicher Ausdruck des Glaubens ist.“

Der Schutz schutzbedürftiger Menschen wird somit als wesentlicher Bestandteil des Evangelisierungsauftrags und der Achtung der Würde jedes Einzelnen dargestellt. „Sich um den Nächsten zu kümmern, ist nicht alleinige Aufgabe von Fachleuten oder bestimmten Dienststellen, sondern betrifft das gesamte Volk Gottes“, betonte er.

Das Motto der Kampagne, „Fürsorge verbindet uns“, bringt genau diese gemeinschaftliche Dimension zum Ausdruck. „Nur eine Kirche, die sich zu kümmern weiß, kann die Liebe Gottes glaubwürdig verkünden“, bekräftigte Estrada und erinnerte daran, dass Prävention, Transparenz und Mitverantwortung Teil eines ständigen Weges der Umkehr sind.

Verantwortung, nicht Angst: Wer liebt, schaut nicht weg

Bei der Vorstellung der Kampagnenmaterialien erklärte María Fernanda Díaz, Produktionskoordinatorin der Stiftung für Bildung und soziale Kommunikation in Honduras, die Initiative ziele darauf ab, konkrete Instrumente bereitzustellen, damit die Gemeinschaften diese Themen ausgehend von ihrer jeweiligen Lebenswirklichkeit angehen können. Sie betonte: 

„Prävention entspringt nicht der Angst, sondern der Verantwortung. Wer liebt, schaut nicht weg: Er blickt auf die Realität, nimmt die Wahrheit an und handelt transparent.“

Respekt, Zuhören, Begleiten

Die Kampagne fördert drei grundlegende Haltungen: den Respekt vor der Würde jedes Menschen, aktives Zuhören und eine wertungsfreie Begleitung.

Die als gemeinsames Instrument konzipierte Initiative kann von Bischofskonferenzen, Diözesen, Ordensgemeinschaften, Pfarreien und anderen pastoralen Einrichtungen an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. Die auf Spanisch, Portugiesisch und Englisch verfügbaren Materialien umfassen Videos, Grafiken, einen Leitfaden für Gemeinschaften sowie pastorale Arbeitshilfen, die Sensibilisierungs- und Bildungsprozesse unterstützen sollen.

Pater Pedro Brassesco, Koordinator des Lateinamerikanischen und Karibischen Netzwerks für die Kultur der Fürsorge (Red Latinoamericana y Caribeña para la Cultura del Cuidado), erläuterte während des Webinars, dass die Kampagne auf Wunsch der lokalen Präventionskommissionen ins Leben gerufen wurde; diese hatten den Bedarf an gemeinsamen Materialien geäußert, die sich an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen ließen. „Von Anfang an war die Idee, dass jeder die Kampagne im eigenen lokalen Umfeld verbreiten und durch das Logo der eigenen Institution, Organisation oder Bischofskonferenz personalisieren kann, um so eine stärkere Identifikation damit zu schaffen“, erklärte er.

Der Priester rief zudem dazu auf, die Initiative nicht auf eine bloße Kommunikationsmaßnahme zu reduzieren. „Lassen wir nicht zu, dass diese Kampagne zu einem bloßen Slogan oder einer Reihe von Einzelaktionen verkommt“, mahnte er; vielmehr solle sie „eine Einladung sein, gemeinsam weiterhin eine authentische Kultur der Fürsorge aufzubauen – eine Kultur, in der jeder Mensch sichere und gastfreundliche Gemeinschaften vorfindet, die sich tatsächlich für den Schutz der Würde aller einsetzen.“

Die Kampagne wird in den kommenden Monaten schrittweise über die digitalen Plattformen des CELAM sowie der dem Netzwerk angehörenden Organisationen verbreitet. Ziel ist es, die Kultur der Fürsorge als feste und gemeinsam getragene Praxis in den kirchlichen Gemeinschaften des Kontinents zu verankern.

(fides – pr)

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06. August 2026, 15:22