Indonesien: Erzbischof ruft nach schwerem Beben zu Wachsamkeit auf
Gabriel Abdi Susanto – Ende (Indonesien)
Als Vorsichtsmaßnahme hat der Erzbischof verfügt, die Sonntagsmessen und Eucharistiefeiern in den kommenden Tagen im Freien abzuhalten. Er selbst sitzt derzeit noch in einem betroffenen Gebiet fest und versucht, nach Ende zurückzukehren.
In seiner Botschaft an Priester und Gläubige forderte Erzbischof Kleden alle auf, die Sicherheitsvorschriften und Anweisungen der Regierung zu befolgen, während die Behörden weiterhin auf die Katastrophe reagieren. Insbesondere ermutigte er die Gläubigen, die Eucharistie am Sonntag sowie in den darauffolgenden Tagen im Freien zu feiern, nachdem aus mehreren Teilen des Erzbistums Ende Schäden an Kirchen und Kapellen gemeldet worden waren.
Der Erzbischof von Ende teilte außerdem mit, dass weitere Informationen zur Spendung der Sakramente und Sakramentalien sowie zu humanitärer Hilfe entsprechend der weiteren Entwicklung der Lage bekannt gegeben werden.
Erzbischof kann nicht weiterreisen
Als dieser Bericht erstellt wurde, hielt sich Erzbischof Paulus Budi Kleden noch an einem Bahnhof in dem betroffenen Gebiet auf und versuchte, nach Ende zurückzukehren. Die Reise gestaltet sich schwierig, da mehrere Straßen infolge von Erdrutschen, die durch das Erdbeben ausgelöst wurden, nicht passierbar sind.
Sowohl die Seelsorge als auch die humanitäre Hilfe werden durch die Unterbrechungen und die mangelnde Mobilität zwischen den Gemeinden schwieriger. Lokale Gemeinden und Einsatzkräfte arbeiten daran, die von Geröll blockierten Straßen wieder freizuräumen.
Die Situation des Erzbischofs spiegelt die Schwierigkeiten wider, mit denen viele Menschen auf Flores nach dem Erdbeben konfrontiert sind: Beschädigte Gebäude, Erdrutsche und unterbrochene Straßenverbindungen beeinträchtigen mehrere Regionen.
Erdbeben der Stärke 7,7 erschüttert Flores
Nach Angaben der indonesischen Behörde für Meteorologie, Klimatologie und Geophysik (BMKG) ereignete sich das Erdbeben am Samstag, 15. August, um 4.58 Uhr westindonesischer Zeit beziehungsweise um 5.58 Uhr Ortszeit. Es hatte eine Stärke von 7,7 und ereignete sich in einer Tiefe von 15 Kilometern. Das Epizentrum lag im Meer rund 30 Kilometer nordöstlich von Mbay im Regierungsbezirk Nagekeo.
Nach Angaben der BMKG stand das Erdbeben im Zusammenhang mit Aktivitäten entlang der sogenannten Flores Back-Arc Thrust, einer tektonischen Störungszone. Das starke Beben löste zudem Tsunami-Wellen aus, die an mehreren Messstationen registriert wurden.
Die BMKG hob die Tsunami-Warnung später gegen 7.30 Uhr auf. Die Bevölkerung wurde jedoch aufgefordert, wegen möglicher Nachbeben, Erdrutsche und der Gefahren durch beschädigte Gebäude weiterhin vorsichtig zu bleiben. Unterdessen suchen Rettungskräfte in den Trümmern weiter nach Überlebenden. Mindestens 20 Menschen seien bei dem Beben ums Leben gekommen und Tausende sind geflohen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Antara News am Samstag.
Indonesiens Präsident Prabowo Subianto habe die Behörden angewiesen, unverzüglich Notfallhilfen für die Betroffenen auf den Weg zu bringen. Flores ist die einzige Insel des überwiegend islamischen Indonesien mit einer mehrheitlich katholischen Bevölkerung.
Mehrere Kirchen und Kapellen beschädigt
Vorläufige Berichte des Erzbistums Ende zeigen, dass zahlreiche Kirchen und Einrichtungen der Seelsorge von dem Erdbeben betroffen sind. Eine Bestandsaufnahme ist noch im Gang.
Sicher ist bereits, dass in der Pfarrei Ndona das Kirchengebäude schwer beschädigt wurde, während im Pfarrsaal Risse entstanden. In Maurole wurde die alte Kirche schwer beschädigt; am Turm der neuen Kirche zeigten sich Risse. Auch die Kirche von Aeramo erlitt schwere Schäden an der Decke, außerdem entstanden Risse am Kirchturm. Ebenso die erst kürzlich errichtete Kirche von Gako wurde nach ersten Berichten schwer beschädigt. Weitere Schäden wurden an der Kirche von Wolosambi, der Kapelle der Station Lopijo in Aimere, in der Pfarrei Mangulewa und in Kombandaru sowie an mehreren weiteren Kirchen und Kapellen gemeldet.
In der Pfarrei Maukeli stürzte ein Teil der Kirchendecke ein, außerdem entstanden Risse an der Kuppel. Die Kapelle der Station Uluwagha wurde noch schwerer beschädigt: Die gesamte Decke stürzte ein. Zudem kam es in dem Gebiet zu Störungen der Stromversorgung. An der Kirche von Ropa stürzten die Vorbauten auf der linken und rechten Seite ein; an der Rückwand entstanden Risse. Auch die Kirche von Kotakeo weist Risse an Wänden, Turm und Boden auf. Weitere Schäden wurden aus den Pfarreien Rajawawo, Boanio und Raja gemeldet. In der Hauptkirche der Pfarrei Raja stürzte ein Teil der Decke ein, während die Vorder- und Rückwände Risse aufweisen. Die Kapelle der Station Wea Au wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Auch an mehreren Seelsorgegebäuden und an der Mariengrotte wurden Risse festgestellt.
Sicherheit hat Vorrang
Die Sicherheit der Gläubigen hat für Erzbischof Kleden Priorität. Auch wenn die Eucharistie weiterhin im Zentrum des Lebens der katholischen Gemeinschaft steht, werden die Feiern deshalb vorerst ins Freie verlegt, bis die Sicherheit der Kirchen- und Kapellengebäude überprüft werden konnte. Entsprechend der weiteren Entwicklung der Situation werde das Erzbistum zusätzliche Informationen zur Feier der Sakramente und Sakramentalien sowie zu humanitärer Hilfe veröffentlichen, hieß es weiter.
In dieser schwierigen Situation ruft Erzbischof Kleden die Gläubigen dazu auf, ruhig und wachsam zu bleiben und aufeinander zu achten.
„Im Gebet vereint“ seien die Gläubigen des Erzbistums Ende eingeladen, der Katastrophe mit Glauben, Wachsamkeit und geschwisterlicher Solidarität zu begegnen.
(vatican news /kna- cs)
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