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Wallfahrt in Jasna Gora Wallfahrt in Jasna Gora 

Polen unterwegs: Das Phänomen der Wallfahrten nach Jasna Góra

Tausende Menschen, Hunderte Kilometer und Generationen, die denselben Weg gehen. Am 15. August erreicht die Fußwallfahrtssaison nach Jasna Góra ihren Höhepunkt. In Polen sind diese Wallfahrten bis heute ein lebendiges Zeichen des Glaubens und der Gemeinschaft.



Don Łukasz Bankowski – Vatikanstadt

„Die Pilger sind wie eine Familie“, sagt Grzegorz aus Augustów, der bereits 14 Mal zu Fuß nach Jasna Góra gepilgert ist. Für ihn ist die Wallfahrt eine Erfahrung von Gemeinschaft: Die Menschen helfen und unterstützen einander, und wenn die Kräfte nachlassen, gehen sie gemeinsam weiter.

Diese Gemeinschaft beschränkt sich nicht auf die Gruppe der Pilger. In den Ortschaften entlang des Weges bereiten die Bewohner für sie Essen und Wasser vor und bieten Übernachtungsmöglichkeiten an. „Man geht los und kommt irgendwo an, und dort wartet schon jemand auf dich, bietet dir einen Platz zum Ausruhen, ein gutes Wort und ein Lächeln“, erzählt Grzegorz. Mit einigen der Gastgeber treffen sich die Pilger inzwischen seit Jahrzehnten.

Ein spiritueller Weg
Ein spiritueller Weg

Familientradition

Teresa aus Lipnica Wielka in der Region Orawa war schon vor ihrer Hochzeit auf Wallfahrt gegangen. Nach 23 Jahren machte sie sich erneut auf den Weg – diesmal gemeinsam mit ihrer 15-jährigen Tochter. Seit drei Jahren pilgern die beiden zusammen. Die Wallfahrt ermögliche es ihr, innezuhalten, das eigene Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten und wiederzufinden, was in der Hektik des Alltags verloren gehen könne, erzählt sie.

Krzysztof aus Granowo bei Posen machte sich als Jugendlicher zum ersten Mal auf den Weg. Heute ist er 50 Jahre alt, hat bereits 19 Wallfahrten hinter sich und pilgert gemeinsam mit seiner Familie. Seine Tochter begann im Alter von sieben Jahren und hat bereits an zwölf Wallfahrten teilgenommen. „Wir warten das ganze Jahr über auf diesen Moment“, erzählt er.

Ähnliche Geschichten gibt es Tausende. Julia aus Pelplin sagt, eine Wallfahrt bedeute Schmerz, Schweiß, Müdigkeit und schlechtes Wetter. Trotzdem kehrt sie immer wieder zurück. „Es gibt keinen besseren Ort, um die Güte und Freundlichkeit der Menschen zu erfahren“, betont sie.

Generationenübergreifend
Generationenübergreifend

Ein Phänomen, das Jahrhunderte überdauert

Die polnische Wallfahrtstradition reicht bis ins Mittelalter zurück. Bereits im 15. Jahrhundert machten sich organisierte Gruppen auf den Weg nach Jasna Góra.

Einige Wallfahrten zählen ihre Geschichte noch heute in Jahrhunderten. In diesem Jahr haben die Pilger aus Kalisz ihre 389. Wallfahrt absolviert. Die Warschauer Fußwallfahrt findet ununterbrochen seit 1711 statt und ist heute in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die längste Tradition hat die Gruppe aus Pabianice: Sie pilgerte in diesem Jahr bereits zum 558. Mal.

Der Höhepunkt der Wallfahrtssaison ist Mitte August. Allein am 13. August erreichten elf große Fußwallfahrten sowie eine Wallfahrt aus dem Ausland Jasna Góra – insgesamt rund 21.000 Menschen. Die längste Strecke legten die Pilger aus Pustków zurück: 651,8 Kilometer.

In einer Welt, in der Reisen immer schneller werden, entscheiden sie sich für einen Weg, der viele Tage dauert. Am 15. August erreichen sie ihr Ziel. Und viele von ihnen wissen schon jetzt: In einem Jahr werden sie sich wieder auf den Weg nach Jasna Góra machen.

(vatican news - cs)

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15. August 2026, 10:38