Die Folgen des russischen Raketenangriffs auf Kyiv Die Folgen des russischen Raketenangriffs auf Kyiv  (ANSA)

Ukraine: Nuntius berichtet von steigenden zivilen Opferzahlen

Der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, hat sich zur aktuellen Lage der Bevölkerung geäußert und auf die Folgen der anhaltenden Luftangriffe auf Kyiv und weitere Regionen aufmerksam gemacht. Nach Angaben des Vatikanvertreters gehören ständige Bombardements sowie der Aufenthalt zehntausender Menschen in U-Bahn-Stationen und Notunterkünften mittlerweile zum Alltag.

Svitlana Dukhovych und Mario Galgano - Vatikanstadt

Die Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung steige kontinuierlich an, während beschädigte Infrastruktur, gesperrte Verkehrswege und Umweltbelastungen das tägliche Leben massiv einschränken, so der Nuntius. Kulbokas hob hervor, dass die Friedensappelle von Papst Leo XIV. in der ukrainischen Bevölkerung sowie bei Vertretern anderer Konfessionen auf große Anerkennung stoßen. Die klare Haltung des Papstes, dass kein Krieg ethisch gerechtfertigt oder gesegnet werden könne, werde als wesentliche Stimme für den Frieden wahrgenommen:

„Jeden Tag gibt es etwa zehn oder mehr zivile Todesopfer, ganz zu schweigen von den Verletzten und den zahlreichen Zerstörungen. Das bestärkt uns natürlich umso mehr darin, das zu würdigen, was Papst Leo immer wieder betont. Zum Beispiel hatte ich gerade gestern Abend ein schönes Treffen mit einigen orthodoxen Freunden. Unter ihnen waren ein Bischof, ein Priester und ein Diakon, die mit großer Aufrichtigkeit betonten: ‚Wir haben Papst Leo, der darauf besteht, dass kein Krieg gerechtfertigt werden kann.‘ Auch bei unseren orthodoxen Freunden werden dieses Engagement und diese Klarheit von Papst Leo, mit der er bekräftigt, dass es keine Rechtfertigungen für Krieg geben kann, sehr geschätzt.“

„Jeden Tag gibt es etwa zehn oder mehr zivile Todesopfer.“

Bedeutung der Besuche

Zudem betonte der Nuntius die Bedeutung der jüngsten Besuche hochrangiger Vatikanvertreter. Die Missionsreisen des päpstlichen Sonderbeauftragten für humanitäre Fragen, Kardinal Matteo Zuppi, sowie des Sekretärs für die Beziehungen mit den Staaten, Erzbischof Paul Richard Gallagher, setzten bedeutende Zeichen der Solidarität. Neben seelsorgerischen Impulsen und gemeinsamen Gebeten ermöglichten diese Aufenthalte vertiefte diplomatische Gespräche zur humanitären Lage und zur Suche nach Friedenslösungen:

„Wenn ein Vertreter oder Sonderbeauftragter des Papstes hierherkommt, öffnet sich mein Herz, denn ich sehe den Heiligen Vater durch seinen Gesandten leibhaftig vor mir. Auch ich brauche diese konkrete Nähe im Gebet, denn aus der Ferne zu beten ist etwas anderes. Gemeinsam zu beten ist etwas ganz anderes. Da fällt mir das Evangelium ein: Viele Menschen näherten sich Jesus, weil sie ihn berühren wollten. Ebenso ist es eine sehr wichtige Erfahrung, das Gebet und die Gegenwart der Kirche hautnah erleben zu können.“

Schwere Erfahrungen

Es seien sehr schwere Erfahrungen. In Kyiv verbringen zum Beispiel oft zwischen 45.000 und 50.000 Menschen die Nacht in den U-Bahn-Stationen, die anderen Schutzräume gar nicht mitgerechnet, erläutert Kulbokas und fügt an:

„Eine enorme Anzahl von Bewohnern Kyivs verbringt die Nacht unter der Erde.“

 

„Eine enorme Anzahl von Bewohnern Kyivs verbringt die Nacht unter der Erde, besonders wenn sie wissen, dass das Risiko von Bombardierungen hoch ist. Das ist die Realität. In anderen Städten wie Cherson arbeiten die Krankenhäuser unter der Erde, und auch humanitäre Hilfe kann nur in Schutzräumen verteilt werden. Das Gleiche geschieht in Charkiw. Es gibt also tiefes psychisches und körperliches Leid. Aufgrund der Intensität der Bombardierungen weiß man nie, wo die Raketen einschlagen werden. Da ich keine Familie habe, kann ich dieser Situation mit einer gewissen Gelassenheit begegnen; aber wenn ich an die Eltern denke, an die Väter und Mütter, die sich nicht so sehr um sich selbst sorgen wie um ihre Kinder, verstehe ich, wie dramatisch diese Erfahrung wirklich ist.“

(vatican news)

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05. August 2026, 15:04