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Eckart von Hirschhausen bei der kurzen Begegnung mit Papst Leo Eckart von Hirschhausen bei der kurzen Begegnung mit Papst Leo  (@VATICAN MEDIA)

Doku zum Erhalt der Schöpfung: von Hirschhausen trifft Papst Leo

Um die Erhaltung der Schöpfung geht es in dem neuen Dokumentarfilm, den der deutsche Mediziner, Dokumentarfilmer und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen derzeit fertigstellt. Gedreht hat er dafür unter anderem in Brasilien, auf den Philippinen und im vatikanischen Mustergut Bogo Laudato si. Papst Leo durfte er im Rahmen der Generalaudienz am 18. März kurz begegnen und ihm das Projekt vorstellen.

Christine Seuss - Vatikanstadt

„Es war sehr bewegend, weil ich in der Prima Fila sein durfte, also in der Reihe, die dann auch tatsächlich die Chance hat, dem Papst einmal für ein paar Sekunden in die Augen zu gucken und einen Wunsch oder einen Gedanken loszuwerden“, berichtete er uns im Anschluss an die Audienz. Zustande kam die Begegnung im Rahmen des Drehs für eine Dokumentarsendung mit dem Arbeitstitel „Hirschhausen möchte zum Papst - Wer bewahrt die Schöpfung?“, die am Pfingstmontag um 19.15 Uhr in der ARD gesendet werden soll.

Eine Frage, die sich heute besonders dringlich stellt, meint Hirschhausen: „Wir erleben gerade eine unfassbar beschleunigte Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, das ist die Hitze, das ist das Artensterben, das ist die weitere fossile Verbrennung. Und diese Themen kommen irgendwie gar nicht mehr so richtig in den Medien vor, weil so viele andere Dinge passieren“, klagt der Mediziner, der in Deutschland als Bestsellerautor bekannt ist und auch ernste Anliegen mit einem Schmunzeln an die Leser bringt - seine durchaus erfolgreiche kabarettistische Karriere hat er mittlerweile zugunsten seines „Einsatzes für die planetare Gesundheit“, wie er es gerne nennt, aufgegeben.

Eckart von Hirschhausen im Interview bei uns
Eckart von Hirschhausen im Interview bei uns

„Und da dachte ich: Mensch, 2015 war ein ziemlich magisches Jahr. Da hat der letzte Papst Franziskus mit Laudato si' eine Enzyklika vorgelegt, die wirklich wegweisend war. Und wie ich in der Recherche auch merkte - ich habe mit sehr vielen Menschen gesprochen in Deutschland, in Berlin, auf der Weltklimakonferenz, auch mit Bischöfen rund um den Globus - ohne diese Enzyklika wäre das Pariser Abkommen auch nicht zustande gekommen. Das war mir bisher nicht so bewusst.“ Nicht von ungefähr kam die erste Umweltenzyklika eines Papstes kurz vor der Pariser Weltklimakonferenz heraus – ein Text, der wissenschaftliche Erkenntnisse zu Umweltphänomenen mit der moralischen Verantwortung für das Gemeinsame Haus verknüpft und auch in der Politik ungewöhnlich große Resonanz erfahren hat.

Der ganze Beitrag mit Eckart von Hirschhausen zum Nachhören

„Und im Jahr 2015 gab es noch eine weitere sensationelle globale positive Nachricht, nämlich die SDG, die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, auf die wir uns als Weltgemeinschaft verständigt haben, vor dem Hintergrund: wo wollen wir eigentlich hin? Wie viel besser könnte das Leben 2030 sein, wenn wir andere Prioritäten setzen?“, gibt der Wissenschaftler zu bedenken.

„Was ist passiert, dass wir diesen Spirit so sehr aus dem Auge verloren haben?“

„2015 ist jetzt gerade mal gute zehn Jahre her. Gefühlt ist das irgendwie ein anderes Jahrtausend. Was ist passiert, dass wir diesen Spirit so sehr aus dem Auge verloren haben? Und was muss jetzt passieren, damit wir uns wieder daran erinnern? Der Himmel gehört uns allen. Keine Nation, kein Unternehmen, keine Industrie hat das Recht, den Himmel für alle zu verdrecken. Denn alles, was wir in die Atmosphäre an Treibhausgasen pusten, sozusagen wie dreckigen Müll, der leider unsichtbar ist und deswegen die meisten Menschen zu wenig alarmiert, alles, was wir da an Tonnen an Treibhausgasen in den Himmel verschieben, fällt uns wieder auf die Füße. Und im Vaterunser heißt es ja nicht umsonst: Wie im Himmel, so auf Erden…“

Eckart von Hirschhausen zu Besuch in der RV-Redaktion
Eckart von Hirschhausen zu Besuch in der RV-Redaktion

Hirschhausen ist evangelisch, mit einer Katholikin verheiratet, und auf Katholikentagen und Kirchentagen gleichermaßen mit seiner Stiftung Gesunde Erde-Gesunde Menschen aktiv, gemeinsam mit Misereor und Brot für die Welt. An Laudato si wiederum gefalle ihm besonders, dass darin neben aktuellen Erkenntnissen auch ein über 800 Jahre alter Weisheitsschatz gehoben wurde, nämlich ein Gefühl, das der heilige Franz von Assisi bereits damals formuliert habe: „Die Sonne, das Wasser, der Boden, das sind unsere Brüder und Schwestern. Das ist ja eigentlich super modern, das ist geradezu integrale Ökologie, auch wenn man es natürlich damals noch nicht so genannt hat“, meint von Hirschhausen sichtlich begeistert. Wirklich ausführlich habe er dann mit Franziskus' Nachfolger Papst Leo allerdings nicht über sein Projekt des Dokumentarfilms sprechen können, räumt der vielseitige Publizist ein:

„In dieser Schlange, in der man dann steht, ist klar: Du hast nur wirklich einen Moment mit sehr kurzen und wenigen Botschaften. Und deswegen habe ich ihn gebeten, zunächst eine kleine Statue von dem heiligen Franz zu segnen, die mich schon lange begleitet, die ich von einem brasilianischen Freund bekommen habe. Und ich habe ihm dann ein Fotoalbum gegeben mit verschiedenen Eindrücken, die wir auf dieser Recherchereise gemacht haben, mit einigen Botschaften darin.“ Im Einzelnen seien dies Botschaften der Laudato Si Bewegung aus aller Welt gewesen, darunter vor allem die Stimmen des globalen Südens. Insbesondere zu dem mittlerweile als dringend wahrgenommenen Problemen der Deepfakes und der gezielten Desinformation durch künstliche Intelligenz hätten sich seine Kontakte darin geäußert, berichtet Hirschhausen. 

„Wir zerstören alles, was ein gutes Leben auf diesem Planeten ausmacht“

Im November 2025 hatte er im Rahmen seines Einsatzes auch an der Weltklimakonferenz COP30 in Belem teilgenommen, wo Bischöfe aus der ganzen Welt prominent vertreten waren: „Und dort stand im Mittelpunkt das Foto, auf dem Papst Leo einen Eisberg segnet und für einen Moment in dieser Feier zu Laudato Si auch innehält und stillhält. Und das, finde ich, zeigt so gut wie kaum eine andere Sequenz: Die Kraft der katholischen Kirche und auch gerade von den Führungspersonen ist es eben nicht, noch lauter zu schreien als die anderen, sondern die Menschen gerade mit solchen symbolischen Momenten daran zu erinnern, dass derzeit etwas Fundamentales passiert, was wir dringend wieder ins Bewusstsein holen müssen: Wir zerstören alles, was ein gutes Leben auf diesem Planeten ausmacht.“

Als Arzt und als Wissenschaftsjournalist habe er sich nun schon seit geraumer Zeit mit diesen Themen beschäftigt, erläutert der Mediziner. Dabei gehe es ihm nicht so sehr darum, Menschen über ihre eigenen Zipperlein aufzuklären, sondern vor allem darum, auf den Zusammenhang zwischen der „persönlichen Gesundheit und der planetaren Gesundheit“ hinzuweisen:

„Und das ist nicht abstrakt, wenn man sich klar macht: Gesundheit beginnt eben nicht mit einem MRT-Bild und einem Medikament oder einer Operation. Gesundheit beginnt viel fundamentaler mit der Luft, die wir atmen, mit dem Wasser, das wir trinken können, mit Pflanzen zum Essen, mit erträglichen Temperaturen und einem friedlichen Miteinander.“

Gesundheit hängt auch von der Umgebung ab

Diese fünf Dimensionen seien derzeit allerdings „akut in Gefahr“, warnt der Deutsche, der sich in den letzten Jahren zunehmend mit dem Phänomen des Klimawandels beschäftigt hat. Nichts davon werde jedoch „von alleine besser“, ebenso wenig wie man eine Regulierung nicht dem Markt überlassen dürfe: „Weil der Markt nur Profit kennt und keine Menschenwürde“, meint er.

„Und da, finde ich, ist die Rolle der katholischen Kirche, genau darauf hinzuweisen, dass wir in den letzten zehn Jahren seit Laudato si weltweit so viele Ressourcen verballert haben wie das ganze letzte Jahrhundert. Wir leben in einer kranken Welt von schneller, höher, weiter.“

„Wir leben in einer kranken Welt von schneller, höher, weiter“

Nachhaltigkeit werde hingegen in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit Verzicht, Verboten und Einschränkungen verbunden, bedauert von Hirschhausen:

„Und das ist so absurd, weil im Kern wissen doch die allermeisten Menschen: ein gutes Leben hängt nicht davon ab, wie lange du vor irgendwelchen Geräten sitzt und dir künstlich erzeugte Inhalte anschaust. Sondern ein gutes Leben bedeutet, Zeit zu haben, mit deinen Liebsten zu singen, zu tanzen, zu lachen, zu schweigen, vielleicht auch zu beten und gemeinsam das Brot zu brechen. Und wenn das in der intakten Natur passiert, dann brauchst du doch nicht viel mehr…“

(vatican news)

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19. März 2026, 07:54