D: „Potential von ‚Amoris laetitia‘ noch nicht ausgeschöpft“
Der entscheidende Punkt an dem Schreiben sei aus seiner Sicht „ein Perspektivwechsel“, so Sautermeister: „Nicht Bewerten und Verurteilen, sondern Wahrnehmen der Menschen in ihren konkreten Lebenssituationen steht im Vordergrund“. „Mit ‚Amoris laetitia‘ ist eine neue Perspektive in die Ehe- und Familienpastoral der Kirche gekommen – und zwar gerade im Vergleich zu den Pontifikaten Johannes Pauls II. und Benedikts XVI.“
„Türen geöffnet“
Sowohl im pastoralen Zugang als auch im theologischen Denken seien durch das Schreiben „Türen geöffnet“ worden. „Ausdrücklich wird die Vielfalt familiärer Situationen anerkannt“, vermerkt der Theologe in einem Interview mit dem Portal katholisch.de. Zur berühmten Fußnote des Schreibens in Kapitel acht, die sich auf die Möglichkeit einer Wiederzulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten bezieht, äußert er: „Es geht darum, auf das Wachstum im Guten zu schauen und nicht den Abstand vom Ideal zu bemessen. Wer die Öffnung in dieser Fußnote kritisiert, hat diesen grundlegenden Perspektivwechsel nicht vollzogen.“
Umsetzung in verschiedenen Weltregionen
Sautermeister wirbt für eine Umsetzung von „Amoris laetitia“ in den verschiedenen Regionen der Welt, vor allem auf dem Level von Bischofskonferenzen und Ortskirchen.
„Bei uns wären es viele Themen, nicht nur gleichgeschlechtliche Partnerschaften oder der Umgang mit der Vielfalt sexueller Identitäten, sondern auch: Welchen Einfluss haben die sozialen Medien auf Familie und Partnerschaft? Wie lassen sich Kinder und Jugendliche in prekären Lebenssituationen schützen? Wie geht die Kirchen mit den vielfältigen Wegen und Weisen des Scheiterns von Beziehungen und Ehen um?“ Solche Fragen müssten pastoral und theologisch „noch tiefer durchdrungen werden“.
(katholisch.de – sk)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.