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Kardinal Grech bei Katholikentag: Lebendige Kirche macht Mut

Kardinal Mario Grech ist an der Kurie im Vatikan als Generalsekretär des Generalsekretariats der Synode für Fragen der Synodalität zuständig – und war als Gast aus Rom beim 104. Katholikentag dabei. Er zeigte sich im Gespräch mit Radio Vatikan beeindruckt von der Lebendigkeit der Kirche, die er bei dem Katholikentreffen in Würzburg erlebt hat.

 

Christine Seuss - Würzburg

Am Samstag nahm Kardinal Grech als Impulsredner an einem Podium zur Synodalität teil, am Sonntag konzelebrierte er bei der Abschlussmesse, wo er auch ein Grußwort verlas, in dem er die Nähe und den Segen des Papstes übermittelte: „Er bleibt Ihnen nahe und ist mit ganzem Einsatz für Einheit und Gemeinschaft an Ihrer Seite. Wäre er heute hier gewesen, bin ich sicher, er hätte Ihnen gesagt: Habt Mut, steht auf!“, so Grech. Eine wirklich synodale Kirche habe Zukunft, wenn sie offen sei für den Heiligen Geist: „Wir sind reich beschenkt mit dem Dienst des Ortsbischofs für die Ortskirche und mit dem Petrusdienst für die ganze Kirche; sie können gewährleisten, dass wir Gottes Willen erfüllen." Zuvor hatte er sich auch die Zeit genommen, sich die einzelnen Angebote auf dem Katholikentag anzusehen, dessen Stände über die Würzburger Innenstadt verteilt waren, und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Zum Nachhören - einen Bericht von Mario Galgano

Bei seinem Vortrag auf dem Podium im Würzburger Congress Center lud er dazu ein, Synodalität als Symphonie zu verstehen, in der jedes Instrument seine Rolle und Berechtigung habe – es aber letztlich darauf ankomme, in Harmonie zusammenzuspielen, im starken Verbund von Teilnahme und Gemeinschaft. Letzlich gehe es darum, dem Wirken des Heiligen Geistes Raum zu geben und die missionarische Domension der Kirche nicht zu vernachlässigen.

Synodalität sei ohne die Beteiligung der Ortskirchen nicht möglich, ebenso wie die Ortskirchen ohne die Universalkirche nicht denkbar seien, unterstrich Kardinal Grech. Synodale Entscheidungsprozesse dürften keine politischen oder Mehrheitsentscheidungen sein, sondern müssten aus spiritueller Unterscheidung durch gegenseitiges Zuhören und Beziehung entstehen, so die Mahnung des Kardinals. Dabei dürfe man keine Angst vor Fragen haben, hülfen Sie doch gerade dabei, den Dingen auf den Grund zu gehen und besser zu verstehen, wie Synodalität ins tägliche Leben zu übersetzen sei. Unterschiedliche Auffassungen und Haltungen in der Kirche sollten eine Quelle der Unterscheidung und gegenseitige Bereicherung werden, nicht Ursache für Konflikt, so die Einladung des Vatikanbeauftragten für Synodalität. Christen seien dazu aufgerufen, kreativ und prophetisch auf die Bedürfnisse ihrer Gemeinschaften zu antworten, fest im Evangelium verwurzelt.

Allerdings dürfe man bei der Überlegung zur zentralen Bedeutung des Volkes Gottes nicht vergessen, dass diese auf der Grundlage der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils anzustellen sei, unterstrich der Kardinal am Rand der Veranstaltung. Die Synode zur Synodalität, deren Arbeiten bei der Kirchlichen Versammlung 2028 weiter vertieft werden, sei anders als die anderen keine Synode zu spezifischen Fragen, sondern ein fortlaufender Prozess. Wir sprachen nach dem Podium mit ihm. 

Kardinal Grech beim Stand der Vatikanmedien am Katholikentag
Kardinal Grech beim Stand der Vatikanmedien am Katholikentag

Interview

Radio Vatikan: Sie sind hier auf dem Katholikentag in Würzburg als höchster Vatikanvertreter. Welche Botschaft von Papst Leo übermitteln Sie den deutschen Katholiken?

„Papst Leo verfolgt das Leben der Kirche in Deutschland. Er ist ein guter Vater. Er ist wie ein guter Vater: Er begleitet alle seine Kinder. Ich weiß nicht, wie er das schafft, aber Papst Leo widmet auch den Ortskirchen diese Aufmerksamkeit. Ich bin daher überzeugt, dass er insbesondere die Bischöfe begleitet, die schließlich seine Mitarbeiter sind.

Sie sind jetzt hier in einem Umfeld, das viele Katholiken zusammenbringt, die untereinander vielleicht unterschiedlich sind, aber im Glauben vereint. Eine lebendige Kirche in Deutschland. Welchen Eindruck vermittelt Ihnen diese Veranstaltung?

„Sie gibt mir viel Zuversicht, viel Hoffnung. Denn es ist keine tote Kirche. Es stimmt, dass man sich Fragen stellt. Aber das ist gut so! Die Fragen dürfen uns nicht entmutigen, im Gegenteil, sie sind gerade ein Grund, Dinge zu klären, zu vertiefen. Aber wenn es uns gelingt, gemeinsam auf den Spuren der katholischen Kirche zu gehen, brauchen wir keine Angst zu haben. Wir müssen uns die nötige Zeit lassen, nicht wahr, denn manchmal brauchen wir auch Zeit, um zu reifen, um besser zu verstehen. Aber wir gehen weiter.“

Kardinal Grech im Gespräch mit Christine Seuss
Kardinal Grech im Gespräch mit Christine Seuss

Manchmal hat man das Gefühl, dass die deutsche Kirche auch mit einem gewissen Misstrauen betrachtet wird, vielleicht sogar vom Vatikan, wegen der Fragen, die hier sehr stark thematisiert werden. Welchen Rat möchten Sie der Kirche in Bezug auf Synodalität geben, die hier sehr deutlich eingefordert wird?

„Ich kann Ihnen sagen, dass ich zahlreiche Bischöfe aus Deutschland getroffen habe. Und ich habe nicht den Eindruck, dass es sich um ängstliche Bischöfe handelt. Es sind Bischöfe, die ihr Volk begleiten. Natürlich brauchen auch sie Hilfe und Unterstützung. Und mein Rat lautet: Wir sind dabei, nachzudenken. Wir bewegen uns auf heiligem Boden, denn die Synodalität ist ein Schlüssel, um den Willen Gottes ein bisschen zu verstehen. Und um dies zu erreichen, brauchen wir eine starke Spiritualität. Als ich die Stände des Katholikentags besuchte, machte mir gegenüber einer der Vertreter, ein Deutscher, folgende Bemerkung: ,Vater, wir brauchen viel Spiritualität, denn sonst laufen wir Gefahr, unser eigenes Projekt voranzutreiben, aber nicht den Willen des Herrn.‘“

Sie haben auch angekündigt, dass in wenigen Tagen ein Leitfaden des Synodensekretariats erscheinen wird, der die Ortskirchen auf dem Weg zur Versammlung 2028 begleiten soll. Was ist das Leitmotiv dieses Dokuments?

„Es ist eine Reflexion, die von der Basis ausgeht, ich meine von jeder Ortskirche. Wir befinden uns in dieser Phase der Umsetzung des Schlussdokuments der Synode. Jede Ortskirche ist eingeladen, die Früchte dieses Dokuments in synodale Erfahrung umzusetzen. Anschließend bitten wir dann über die Bischofskonferenzen alle, uns die Ergebnisse mitzuteilen, damit wir im Jahr 2028 in der Lage sind, diese Erfahrungen auszutauschen und – warum nicht – gemeinsam nach Antworten zu suchen, falls jemand Fragen haben sollte.“

Vielen Dank.

Kardinal Grech beim Foto-Termin am Stand der Vatikanmedien in Würzburg
Kardinal Grech beim Foto-Termin am Stand der Vatikanmedien in Würzburg

(vatican news)

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18. Mai 2026, 07:48