Der Salzburger Dom - dort hat Salzburgs Erzbischof Franz Lackner, der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, diesen Sonntag die Pfingstmesse gefeiert Der Salzburger Dom - dort hat Salzburgs Erzbischof Franz Lackner, der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, diesen Sonntag die Pfingstmesse gefeiert  

Österreich: Bischöfe fordern zu Pfingsten Mut und Zusammenhalt

Das Pfingstfest als Gegenmodell zu Angst, Rückzug und Spaltung: Mehrere österreichische Bischöfe - Salzburgs Erzbischof Franz Lackner, der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler und der Feldkircher Bischof Benno Elbs - haben am Pfingstsonntag den Heiligen Geist als Kraft zur Versöhnung und Erneuerung dargelegt. Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl nannte das Pfingstereignis als geistlichen „Kompass" in Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI).

„Da hilft der Geist der Erkenntnis und der Weisheit wie ein innerer Kompass. Er bringt Orientierung in den Wissensdschungel, Herzensbildung in die Klugheit, er meldet sich in der leisen Stimme des Gewissens, wenn wir unseren Wertekanon bilden", so der Erzbischof am Sonntag im Wiener Stephansdom. KI könne „Werkzeug oder Waffe" sein, sagte Grünwidl. Nötig seien daher Rahmenbedingungen, damit neue Technologien „dem Fortschritt der Menschlichkeit, der Würde des Menschen und einer guten Zukunft dienen".

Mit Verweis auf die für Montag (25. Mai) angekündigte KI-Enzyklika von Papst Leo XIV. erinnerte Grünwidl daran, dass der Papst seinen Namen bewusst in Anlehnung an Leo XIII. gewählt habe, der die sozialen Folgen der Industrialisierung thematisierte. Heute stehe die Welt erneut vor einer Revolution. Entscheidend sei dabei nicht, technische Entwicklungen „zu verteufeln oder einfach abzusegnen", sondern die Frage, wie mit ihnen umgegangen werde.  Die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. „Magnifica humanitas“ stellt der Vatikan am Pfingstmontag, dem 25.5.2026 ab 11.15 vor - im Beisein von Papst Leo XIV. Wir übertragen im Livestream mit deutscher Übersetzung.

Mit Blick auf Weltkirche wie Weltlage verband Grünwidl die Pfingstbotschaft schließlich mit einem Appell gegen Krieg, soziale Ungleichheit und Umweltzerstörung. Die Welt sei zwar digital vernetzt, zugleich aber „gespalten und verfeindet". Während Milliarden in Aufrüstung investiert würden, hungerten Millionen Menschen. Der Heilige Geist könne helfen, die Welt „menschlicher, friedlicher, hoffnungsvoller" zu machen.

Pfingstpredigten in Salzburg, Feldkirch und Innsbruck

Auch der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Franz Lackner, ging im Salzburger Dom auf internationale Krisen, wachsende Polarisierung und gesellschaftliche Unsicherheit ein. Es brauche daher mehr denn je Hoffnung, Verständigung und die Bereitschaft zum Aufbruch. Lackner sprach von einer Welt, die „einen Frieden braucht, den sie selbst nicht geben kann". Er stellte im Salzburger Dom die Erfahrung menschlicher Ohnmacht und die Suche nach Orientierung in den Fokus. Der Heilige Geist wirke oft gerade dort, wo Menschen nicht mehr weiterwüssten, so der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz. Mit Verweis auf persönliche Kindheitserinnerungen sowie auf mittelalterliche Theologen wie Anselm von Canterbury und Johannes Duns Scotus sprach er von einer Wahrheit, die sich letztlich nicht vollständig begreifen lasse. Der Heilige Geist sei ein „Tröster", der Menschen in schwierigen Zeiten begleite und zum Frieden führe.

Der Feldkircher Bischof Benno Elbs bezeichnete den Heiligen Geist als „heilsame Störung", die von Selbstgewissheit und Ich-Bezogenheit befreit und „den Blick weitet für das Du, das uns in Gott und den Menschen begegnet". Der Heilige Geist sei etwa dort gefragt, wo Gewohnheiten gestört und neu herausgefordert würden; dort sei „Mut zur Veränderung, dort ist Heiliger Geist gefragt".

„Mut zur Veränderung, dort ist Heiliger Geist gefragt“



Pfingsten sei zudem eine Erinnerung an die christliche Hoffnung und das Vertrauen, Mut zur Veränderung, dort ist Heiliger Geist gefragtdass nicht ich es bin, der alles machen und erreichen muss, sondern dass letztlich bei all meinem Bemühen das Entscheidende jemand anderer leistet. Dass das unserer Mentalität des Selber-Machens und Selber-Durchsetzens widerspricht, liegt auf der Hand". Das Wesentliche des Lebens - Liebe, Vertrauen, Glück, Glaube, Zufriedenheit, Dankbarkeit - könne der Mensch nicht selbst produzieren, vielmehr werde es einem geschenkt. „Auch den Heiligen Geist können wir nicht herstellen. Wir können nur um ihn bitten, ihn empfangen und uns von ihm und seinen Gaben beschenken lassen", so Elbs.

Besonders deutlich wurde der Bischof beim Thema Sprache und gesellschaftlicher Umgangston. Begriffe wie „Lügenpresse", „Gutmensch" oder „Sozialtourismus" stünden für eine Sprache der Spaltung, warnte Elbs. Das Pfingstfest erinnere daran, dass Verständigung und gegenseitiges Zuhören Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenhalts seien.

„Mutige machen Mut“

Der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler stellte seine Predigt im Innsbrucker Dom unter das Motto „MUTeinander", auch das Motto der österreichweiten Langen Nacht der Kirchen am 29. Mai. Pfingsten sei eine Gegenbewegung zu Wut, gesellschaftlicher Entfremdung und wachsender Ich-Bezogenheit. Der Heilige Geist stifte zu „Mut-Ausbrüchen" an und befähige Menschen zu Zivilcourage, Mitgefühl und solidarischem Handeln, führte der Bischof aus. In einer Zeit globaler Aufrüstung und zunehmender Spannungen brauche es Menschen, die Beziehungen stärken und Hoffnung weitergeben, so Glettler. „Mutige machen Mut", betonte der Bischof. Pfingsten stehe für einen „Zukunftsmut", der Menschen befähige, sich nicht von den negativen Dynamiken der Gegenwart bestimmen zu lassen. „Mut, sich wandeln zu lassen, um Menschen zu werden, die nicht in den negativen Dynamiken der Zeit gefangen bleiben, sondern eine Alternative leben."

(kap - sst)

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24. Mai 2026, 16:19